Der schlei­chen­de Tod

Die ers­te kom­plett ge­mein­sam er­ar­bei­te­te EP der skan­di­na­vi­schen Elec­tro­pop-Phä­no­me­ne Röyk­sopp und Ro­byn bie­tet eben­so Tief­grün­di­ges wie Ba­na­les. Sie­ges­säu­le traf die drei krea­ti­ven Köp­fe zum In­ter­view

Siegessaeule - - Musik -

Ro­byn, du hast in ei­nem In­ter­view ge­sagt, dass sich der Schaf­fens­pro­zess die­ser EP an­fühl­te wie ei­ne Band­Ar­beit. Ihr habt ja auch in der Ver­gan­gen­heit schon zu­sam­men Mu­sik ge­macht, was war dies­mal an­ders?

Ro­byn: Wir hat­ten kein Ziel. Na­tür­lich woll­ten wir gu­te Mu­sik zu­sam­men ma­chen, aber es gab kein kon­kre­tes End­pro­dukt, auf das wir zu­steu­er­ten. Frü­her ha­ben wir ent­we­der an Tracks für ein Röyk­sopp-Al­bum oder für mein Al­bum ge­ar­bei­tet.

Der Track „Mo­nu­ment“ist in­spi­riert von den Skulp­tu­ren der ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Ju­lia­na Cer­quei­ra Lei­te, die u. a. Ton be­ar­bei­tet, in­dem sie ih­ren Kör­per hin­ein­drückt. Wel­cher Aspekt ih­rer Kunst hat euch in­spi

riert? Torb­jørn: Es war ein biss­chen wie stil­le Post. Ro­byn er­zähl­te uns ih­re In­ter­pre­ta­ti­on von Lei­tes Wer­ken und wir in­ter­pre­tier­ten dann qua­si Ro­byns In­ter­pre­ta­ti­on. Wir ar­bei­te­ten zu die­ser Zeit mit ei­nem Pro­gramm, das die Län­ge von Tö­nen ver­än­dert. Ein so­ge­nann­tes Time-Stretch-Pro­gramm, mit dem man Klän­ge deh­nen kann, oh­ne dass Ar­te­fak­te ent­ste­hen oder es zu künst­lich klingt. Ro­byn: Da­mit ha­ben wir an­ge­fan­gen, be­vor wir über all die in­halt­li­chen Din­ge ge­spro­chen ha­ben. Das ist schon ab­ge­fah­ren, man nimmt ein klei­nes Stück­chen Zeit, drei Se­kun­den Ge­sang zum Bei­spiel, und kann es dann aus­deh­nen über Mil­lio­nen von Jah­ren. Da kommt man ganz un­wei­ger­lich an den Punkt, wo man sich fragt, was Zeit über­haupt ist. Ich hat­te die Idee, dass Zeit ei­gent­lich nicht exis­tiert. Viel­leicht ist sie ei­ne Grö­ße, die man er­schafft, al­so mehr ei­ne Ak­ti­on als et­was, das grund­sätz­lich da ist. In „Mo­nu­ment“geht es auch um die phy­si­sche Er­fah­rung von Zeit, die stark von Emo­tio­nen und Raum de­fi­niert wird. Wir spra­chen über all das und dar­über kam ich dann auf die Skulp­tu­ren von Ju­lia­na Cer­quei­ra Lei­te. Mit ih­rer Ar­beit de­fi­niert sie auf ei­ne sehr phy­si­sche Art und Wei­se ei­nen Raum für ih­re Per­son. Torb­jørn: Wenn man stirbt, dar­über spra­chen wir auch, lässt man et­was zu­rück, ei­ne Lee­re. So was wie ei­nen Kör­per­ab­druck – phy­sisch, kul­tu­rell und see­lisch.

Ist das ei­ne Fra­ge, die euch als Künst­le­rIn­nen um­treibt? Was bleibt von mei­nen Wer­ken, wenn ich tot bin?

Ro­byn: Nein. Na ja, viel­leicht. Ich wür­de es aber nicht dar­auf be­schrän­ken. Der Tod ist für mich viel­mehr ei­ne Art der De­fi­ni­ti­on des­sen, was man im Le­ben ge­ra­de ist. Er lenkt den Fo­kus auf den Mo­ment, auf das Jetzt, die Ge­gen­wart.

Lass uns über das Mäd­chen im Song „Say­it“spre­chen. Der Text wirk­te auf mich fast wie ei­ne Fortsetzung von eu­rem ge­mein­sa­men Track „The Girl and the Ro­bot“

von 2009. Svein: Als wir zum ers­ten Mal in der Pres­se an­kün­dig­ten, dass wir wie­der mit Ro­byn ar­bei­ten, war klar, dass sie die Sän­ge­rin, die Haupt­fi­gur sein wür­de mit uns zwei Jungs im Hin­ter­grund. Man­che Leu­te mach­ten über die­se Kon­stel­la­ti­on ir­gend­wel­che se­xu­el­len An­spie­lun­gen und wir woll­ten uns mit die­sem Song ein biss­chen dar­über lus­tig ma­chen. Den Ro­bo­ter in „Say­it“könn­te man al­so qua­si als Sex­toy für die Frau be­trach­ten. Sie be­fiehlt ihm, ihr Ver­gnü­gen zu be­rei­ten, sie zu be­frie­di­gen. Das ist aber nur ei­ne Les­art, man kann es auch als ei­ne Fort­füh­rung des „Girl and the Ro­bot“-The­mas se­hen. Ar­bei­tet ihr auch an neu­en Röyk­sopp- be­zie­hungs­wei­se Ro­byn-Al­ben? Könnt ihr schon was da­zu sa­gen? Svein: Röyk­sopp wer­den, falls nichts da­zwi­schen­kommt und wir die Fin­ger vom He­ro­in las­sen, in die­sem Herbst ein neu­es Al­bum raus­brin­gen. Die Plat­te wird er­wach­se­ner klin­gen. Sie hat ei­ne ro­man­ti­sche Sei­te, ei­ne Dun­kel­heit, ei­ne ge­wis­se Schwe­re. Es geht um den Tod, ein Thema, das uns im Mo­ment sehr be­schäf­tigt. Ro­byn: Es schleicht die gan­ze Zeit um uns her­um.

Wird das Thema Tod auch die nächs­te Ro­byn-Plat­te be

ein­flus­sen? Ro­byn: Das kann gut sein. Ehr­lich ge­sagt, ar­bei­te ich ge­ra­de nicht an ei­nem neu­en Ro­bynAl­bum. Ich ha­be viel mit an­de­ren Leu­ten ge­macht. Wer weiß, viel­leicht kommt in die­sem Jahr noch was da­von raus ...

In­ter­view: Jan Noll

Röyk­sopp & Ro­byn: Do It Again (Em­bas­sy One/War­ner), jetzt er­hält­lich Fo­to: Ro­byn und Röyk­sopp (Svein li., Torb­jørn re.)

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