CDN 2013, Pro-Fun, Re­gie: Bru­ce LaB­ru­ce

Siegessaeule - - Film -

> Ganz im Geist der spä­ten 60er war „Ha­rold und Mau­de“(1971) ein groß­ar­ti­ges Stück fil­mi­scher Ge­gen­kul­tur. Die Lie­bes­be­zie­hung zwi­schen ei­nem 18Jäh­ri­gen und ei­ner fast 80 Jah­re al­ten Frau wur­de zum Plä­doy­er für die freie Ent­fal­tung der Lie­be, aber auch zu ei­ner ma­ka­bren Tra­gi­ko­mö­die über das Ver­hält­nis von Le­ben und Tod. Bru­ce LaB­ru­ce hat sich mit „Ge­ron“an ei­ner Ho­mo-Va­ri­an­te die­ses Stof­fes ver­sucht, die, un­ty­pisch für den Re­gis­seur, oh­ne por­no­gra­fi­sche Sze­nen aus­kommt. Statt­des­sen wagt er sich mu­tig ans klas­si­sche Er­zähl­ki­no und das Gen­re der ro­man­ti­schen Ko­mö­die. Bei ihm ver­liebt sich der 18-jäh­ri­ge La­ke in den 81-jäh­ri­gen Mr. Pe­abo­dy – ge­spielt von dem schwu­len Dra­ma­ti­ker und Schau­spie­ler Wal­ter Bor­den. Doch selbst wenn der hüb­sche fran­zö­si­sche Jung­mi­me Pier-Ga­b­ri­el La­jo­ie nach ei­ner ge­mein­sa­men Nacht ein be­nutz­tes Kon­dom aus dem Bett zieht, wird aus die­ser Be­zie­hung sel­ten mehr als ei­ne blo­ße Be­haup­tung des Dreh­buchs. La­jo­ie kauft man den Fe­tisch für äl­te­re Män­ner ein­fach nicht ab – es fehlt an schau­spie­le­ri­scher Prä­senz und ei­ner fa­cet­ten­rei­chen Cha­rak­ter­zeich­nung. In „Ha­rold und Mau­de“wur­de zwar da­mals die Lie­bes­sze­ne zwi­schen Ruth Gor­don und Bud Cort vor Ki­no­start aus dem Film ent­fernt, doch die bei­den wa­ren der­art au­then­tisch in ih­ren Rol­len, dass es an die­ser Lie­be kei­nen Zwei­fel gab. Für LaB­ru­ce wird der Ver­zicht auf Sex zum Di­lem­ma, da ihm an­de­re Stra­te­gi­en der Be­weis­füh­rung feh­len. Und je­de Men­ge höl­zern vor­ge­tra­ge­ner Dia­lo­ge hel­fen da­bei kaum. Aber selbst wenn „Ge­ron“kein be­son­ders gu­ter Film sein mag, ist die Ge­schich­te ei­nes hoch­at­trak­ti­ven Mus­kel-Boys, der den Kör­per und Geist ei­ner al­ten an­dro­gy­nen Queen be­gehrt, vor al­lem eins: enorm sym­pa­thisch. Ei­ne hüb­sche Uto­pie, auch wenn sie im Film ei­ne durch­schau­ba­re Lü­ge bleibt. Zu­dem dürf­ten die vie­len Feel-Good-Mo­men­te und die kon­ven­tio­nel­le Mach­art dem Pu­bli­kum den Zu­gang zur Sto­ry er­leich­tern. So ist „Ge­ron“im­mer­hin pas­sa­ble Un­ter­hal­tung, die al­ler­dings eher wie­der Lust auf die He­te­ro-Va­ri­an­te des Stof­fes macht. <

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