Film

Siegessaeule - - Inhalt - < In­ter­view: Andre­as Scholz

10 Jah­re Porn­film­fes­ti­val, zwei neue Fil­me von Re­gis­seur Lars Krau­me

Der The­men­schwer­punkt des dies­jäh­ri­gen Porn­film­fes­ti­vals liegt auf „Sex mit Be­hin­de­rung“. Ge­zeigt wird u. a. die Do­ku „Die Men­schen­lie­be“, in der ei­ner der bei­den Prot­ago­nis­ten ein bi­se­xu­el­ler Mann im Roll­stuhl ist: Sven Nor­mann. Im all­täg­li­chen Le­ben steht er als Schau­spie­ler im Thea­ter Ram­baZam­ba auf der Büh­ne. Dass er sei­ne Se­xua­li­tät nur aus­le­ben kann, wenn er da­für be­zahlt, zeigt der Film in de­tail­lier­ten Bil­dern. SIE­GES­SÄU­LE hat Sven zum In­ter­view ge­trof­fen

> Sven, du bist im Film nackt beim Sex zu se­hen. Hat dich

das Über­win­dung ge­kos­tet? Wir Be­hin­der­ten dür­fen fres­sen, schei­ßen, uns an­zie­hen wie wir wol­len, aber wir dür­fen kei­nen Sex ha­ben. Das ge­hört sich ein­fach nicht. Schließ­lich sind wir an­stän­di­ge Leu­te. Bit­te schön, ich nicht! (lacht) Es ist für un­se­re Ge­sell­schaft ja schon ein Pro­blem, dass ich im Rol­li sit­ze. Wenn man dann noch of­fen zu­gibt, dass man Sex mag, da­zu noch bi­se­xu­ell oder schwul ist, ent­wi­ckeln vie­le gleich „ko­mi­sche Vor­stel­lun­gen“. Um die­sen ent­ge­gen­zu­wir­ken, ha­be ich ge­sagt: Na gut, dann las­se ich die Hül­len fal­len und bin eben auch nackt zu se­hen.

Wel­che Rol­le spielt Sex in dei­nem Le­ben? Ei­ne sehr wich­ti­ge! Es fällt mir schwer, die Tat­sa­che zu ak­zep­tie­ren, dass ich auf­grund mei­ner Be­hin­de­rung Sex nur be­kom­me, wenn ich da­für be­zah­le. Wie ge­hen die Sex­ar­bei­ter und Sex­ar­bei­te­rin­nen mit dei­ner Be­hin­de­rung um? Als ers­te Fra­ge kommt fast im­mer: Ent­schul­di­ge, du sitzt doch im Roll­stuhl, be­kommst du da über­haupt ei­nen hoch? Hast du ei­nen Or­gas­mus? Und ich ant­wor­te dann: Ja klar, pro­bier es aus. (lacht) Vie­le se­hen in mir vor al­lem ei­nen Pfle­ge­fall und kei­nen Men­schen mit se­xu­el­len Be­dürf­nis­sen. Sie den­ken, sie müs­sen jetzt für mich sor­gen, mir den Hin­tern ab­wi­schen. Aber ich bu­che sie ja nicht da­für, dass sie bei mir die Pfle­ge ma­chen, son­dern um mit mir Sex zu ha­ben. Ich hat­te schon ei­ne Frau, die zu mir sag­te, sie kön­ne mit mir nicht schla­fen, weil sie Angst ha­be, sich an­zu­ste­cken. Das muss man erst ein­mal ver­dau­en. Da mer­ke ich, wie weit wir von ei­ner In­klu­si­on ent­fernt sind.

Gibt es auch po­si­ti­ve Er­fah­run­gen? Mein Stamm­call­boy kommt mitt­ler­wei­le seit vier Jah­ren zu mir, und er ist der ers­te Mann, der mich im Bett nor­mal be­han­delt. Er fragt nicht bei je­der Be­we­gung, ob mir das, was er da macht, weh­tut. Vie­le Call­boys nut­zen mich aber eher aus. Ich be­kom­me sel­ten das, was für den Preis ver­ein­bart war. Al­so Sex mit al­lem, was da­zu­ge­hört: mit Ein­drin­gen, mit Stel­lungs­wech­sel, mit Ab­sprit­zen. Meist bleibt es beim Bla­sen und das hängt na­tür­lich mit mei­ner Be­hin­de­rung zu­sam­men. Im Film gibt es ei­ne Sze­ne zwi­schen dir und ei­nem Call­boy. Ihr hat­tet gera­de Sex, doch es fin­det zwi­schen euch kei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on statt ... Ich bin dem Re­gis­seur dank­bar, dass er die Sze­ne drin­ge­las­sen hat, auch wenn es ei­ne sehr schlech­te Er­fah­rung war. Die­ser Mensch woll­te nicht mit mir spre­chen. Wir wa­ren zu­sam­men in ei­nem Zim­mer, hat­ten Sex, und ich kam mir da­bei vor wie ei­ne Ma­schi­ne. Es war völ­lig mo­no­ton. Und ob­wohl ich den Sex mit ihm ja woll­te, ha­be ich mich be­nutzt ge­fühlt. Da war über­haupt kei­ne Zwi­schen­mensch­lich­keit. Aber man sieht an die­ser Sze­ne die Pro­ble­ma­tik mei­ner Si­tua­ti­on und wie sehr ich dar­un­ter lei­de. Hast du die Sehn­sucht nach ei­nem

Part­ner, ei­ner Part­ne­rin? Was ich mir mit dem Sex er­kau­fe, ist kei­ne Lie­be. Es ist ein biss­chen wie mit Cin­de­rel­la. Sie be­kommt von der gu­ten Fee ein wun­der­schö­nes Kleid, um abends aus­zu­ge­hen und zwei, drei St­un­den zu tan­zen. Dann kommt der Glo­cken­schlag und al­les ist vor­bei. Ge­nau­so ist es bei mir auch. Für die­se paar St­un­den ist es wun­der­schön, aber da­nach mer­ke ich erst, wie ein­sam ich bin und dass es bes­ser wä­re, je­man­den zu ha­ben, der ei­nen liebt. Je­man­den, von dem ich weiß, dass er es nicht nur macht, weil er gera­de Geld da­für be­kommt.

Die Men­schen­lie­be, D 2014, R.: Ma­xi­mi­li­an Hasl­ber­ger, mit Sven Nor­mann (Fo­to), beim 10. Porn­film­fes­ti­val Berlin: 22.10., 16:00, Süd­block (bar­rie­re­frei), 23.10., 12:30, und 24.10., 19:15, Mo­vie­men­to Lang­fas­sung des In­ter­views ab 18.10. auf SIE­GES­SÄU­LE.DE

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