Har­te Ker­le

Siegessaeule - - Film -

Ted­dy-Ge­win­ner To­ny Ay­res’ neu­er Film „Cut Sna­ke“führt ins Aus­tra­li­en der 70er-Jah­re. Ein klas­si­scher Cri­me-Thril­ler mit ei­nem ge­fähr­li­chen, zu Ge­walt­aus­brü­chen nei­gen­den „Hel­den“, aber auch mit ei­nem schwu­len Twist > Im­mer mehr Gen­re­fil­me in­te­grie­ren Plots mit schwu­len, les­bi­schen und Trans­gen­der-The­ma­ti­ken – ei­ne er­freu­li­che Ent­wick­lung. Auch „Cut Sna­ke“, der neue Thril­ler des aus­tra­li­schen Re­gis­seurs To­ny Ay­res, schlägt die­se Rou­te ein, in­dem er ei­ne ganz klas­si­sche Film-Noir-Kon­stel­la­ti­on nimmt und de­ren se­xu­el­len Kon­flikt ein­fach schwul deu­tet: Ex­sträf­ling Spar­ra baut sich ein neu­es Le­ben auf mit hüb­scher Braut und bür­ger­li­cher Idyl­le, doch sei­ne Ver­gan­gen­heit holt ihn ein. Ver­kör­pert wird sie von sei­nem ehe­ma­li­gen Zel­len­ge­nos­sen, mit dem ihn nicht nur das kri­mi­nel­le Vor­le­ben ver­bin­det, son­dern auch ein se­xu­el­les Ver­hält­nis, das so ganz an­ders ist als das, was das jun­ge He­ter­o­pär­chen ver­bin­det. Pom­mie, so heißt der gera­de Ent­las­se­ne, ist ei­ne mo­der­ne Va­ri­an­te der im Film Noir üb­li­cher­wei­se von Ro­bert Mitchum ge­spiel­ten Fi­gu­ren: ge­walt­tä­tig, grob­schläch­tig, un­be­re­chen­bar, kurz­um, die per­so­ni­fi­zier­te Be­dro­hung für das jun­ge Glück. Pom­mie drängt Spar­ra nicht nur zu­rück in die Kri­mi­na­li­tät, son­dern er for­dert auch sei­nen eins­ti­gen Lo­ver zu­rück. Was sich an­hört wie ei­ne Mi­schung aus 40er-Jah­re-Thril­ler und Ge­nets Ge­fäng­nis­kitsch, wirkt in der Ins­ze­nie­rung von Ay­res sehr un­ter­halt­sam, al­ler­dings nicht wirk­lich glaub­wür­dig und ziem­lich un­ent­schlos­sen. Mehr Stil­wil­len hät­te man sich ge­wünscht, ei­ne dich­te­re At­mo­sphä­re und we­ni­ger Me­lo­dra­ma. Ein Plot, der so mit Arche­ty­pen be­stückt ist, braucht ei­gent­lich ein ar­ti­fi­zi­el­le­res Set­ting als das, was „Cut Sna­ke“lie­fert. So aber ver­schenkt der Film sein Po­ten­zi­al und ist letzt­lich „nur“Un­ter­hal­tung oh­ne blei­ben­den Ein­druck. < Kars­ten Zang

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