Dreh­mo­ment mit Bo­ris St­ein­berg

Siegessaeule - - Musik -

> Ich bin mir si­cher, dass sich der ei­ne und die an­de­re (zu­min­dest die äl­te­ren Jahr­gän­ge) an die ita­lie­ni­sche Sän­ge­rin Ali­ce er­in­nern. Sie war ein we­sent­li­cher Be­stand­teil der da­ma­li­gen so­ge­nann­ten Ita­lo-Wel­le, die uns in den 80erJah­ren eu­ro­pa­weit ver­ein­nahm­te. Ih­re größ­ten Hits hie­ßen „Per Eli­sa“, „Una Not­te Spe­cia­le“, „Mes­sag­gio“und „Zu nah am Feu­er“, ein Du­ett mit Ste­fan Wag­gers­hau­sen. Ich bin wohl seit je­ner Zeit so et­was wie ein Fan oder bin ihr in tie­fer Ver­eh­rung ver­bun­den. Ih­re un­ge­wöhn­li­che tie­fe Stim­me ließ mich auf­hor­chen und zu­erst den­ken, dass da ein Mann singt – doch dann, welch Über­ra­schung, sah ich ei­ne sehr at­trak­ti­ve ita­lie­ni­sche Frau. Die­se Stim­me ist bis heu­te ihr Mar­ken­zei­chen: Man hört sie her­aus, sie er­schlägt ei­nen nie mit end­lo­sen Hal­te­tö­nen, führt ei­nem nie vor, wie toll sie sin­gen kann. Seit je­nen 80er-Jah­ren zählt Ali­ce ne­ben Gi­an­na Nan­ni­ni zu den eman­zi­pier­ten Frau­en in der ita­lie­ni­schen Mu­sik­sze­ne. Mit be­sag­ter Stim­me, die be­rührt, und je­ner Mi­schung aus Bal­la­den, Chan­sons und Pop hat sich Ali­ce ei­nen mu­si­ka­li­schen Raum ge­schaf­fen, fern­ab von jeg­li­chen Ita­lo-PopK­li­schees. Ne­ben ih­ren ei­ge­nen poe­ti­schen Tex­ten ver­ton­te sie eben­so je­ne von Pier Pao­lo Pa­so­li­ni, in­ter­pre­tier­te Lie­der nam­haf­ter ita­lie­ni­scher Tex­ter, na­tür­lich auch die von Fran­co Bat­tia­to, mit dem sie 1984 beim Eu­ro­vi­si­on Song Con­test fur̈ Ita­li­en an­trat. Doch ir­gend­wann wur­de es schein­bar still um Ali­ce. Sie ver­öf­fent­lich­te zwar re­gel­mä­ßig Al­ben, aber die be­kam man hier­zu­lan­de nicht mehr zu hö­ren. Ihr Al­bum „Exit“er­schien 1998 noch in Deutsch­land, aber seit­dem konn­te man ih­re Mu­sik nur noch in Ita­li­en kau­fen. Ali­ces ak­tu­el­le CD „Wee­kend“ist nun auch wie­der in­ter­na­tio­nal er­hält­lich und auch hier in­ter­pre­tiert sie Tex­te von Bat­tia­to, Lu­ca Car­bo­ni und Pao­lo Fre­su. Mir per­sön­lich ge­fal­len die Ei­gen­kom­po­si­ti­on „As­pettan­do Mez­za­not­te“so­wie die Über­set­zung ei­nes fran­zö­si­schen Chan­sons von Françoi­se Har­dy, „Tan­te Bel­le Co­se“, am bes­ten. Auch „Da lon­ta­no“, ein Du­ett mit Lu­ca Car­bo­ni, geht un­ter die Haut. Al­les in al­lem ist „Wee­kend“kein Main­stream-Al­bum, das dar­auf ab­zielt, in die Ver­kauf­scharts ka­ta­pul­tiert zu wer­den. Viel­mehr wird die­se CD eben je­ne Hö­re­rIn­nen fin­den, die fern­ab von Charts und Hi­tra­di­os die­se Mu­sik su­chen und aus­wäh­len – und ich hof­fe, es wer­den vie­le sein. <

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