Was macht ei­gent­lich ... Klaus Wo­wer­eit?

Siegessaeule - - Stadt -

Am 11. De­zem­ber 2015 ist es ge­nau zwölf Mo­na­te her, dass Klaus Wo­wer­eit nach über drei­zehn Jah­ren das Amt des Re­gie­ren­den Bür­ger­meis­ters nie­der­leg­te. Doch wie geht es dem einst „mäch­tigs­ten“Mann Ber­lins heu­te? Und was kann die Com­mu­ni­ty in Zu­kunft von Wo­wi er­war­ten? Um die­se Fra­gen zu klä­ren, ba­ten wir ihn zum Ge­spräch

Herr Wo­wer­eit, seit gut ei­nem Jahr sind Sie nicht mehr der Re­gie­ren­de Bür­ger­meis­ter Ber­lins. Ver­mis­sen Sie Ihr Amt?

Nein, das ver­mis­se ich nicht. Es war ja ei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung, das Amt nach drei­zehn­ein­halb Jah­ren auf­zu­ge­ben. Da­zu ste­he ich nach wie vor und be­reue die­se Ent­schei­dung kei­nes­falls. Die­se Pha­se mei­nes Le­bens ist end­gül­tig ab­ge­schlos­sen.

Wie sieht Ihr Le­ben jetzt aus, so ganz oh­ne die üb­li­chen Ver­pflich­tun­gen ei­nes Spit­zen­po­li­ti­kers?

Ich ge­nie­ße vor al­lem die pri­va­ten Frei­räu­me und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten, die ich vor­her in mei­nem Amt so lan­ge Zeit nicht hat­te. Da­zu ge­hö­ren zum Bei­spiel ein in­ten­si­ve­res Sportprogramm und ins­be­son­de­re Golf. Min­des­tens ge­nau­so wich­tig ist mir, dass ich mehr Zeit für mei­ne Eh­ren­äm­ter und Pro­jek­te ha­be, die sich mit mei­nem haupt­säch­li­chen In­ter­es­se, der ge­sell­schaft­li­chen Gleich­stel­lung auf al­len Ebe­nen, aus­ein­an­der­set­zen. Ein Aspekt da­bei sind The­men der LGBT-Com­mu­ni­ty, die ich auch in Zu­kunft un­ter­stüt­zen möch­te. Denn in zu vie­len Be­rei­chen ist Ho­mo­se­xua­li­tät im­mer noch nicht so weit ak­zep­tiert, wie wir uns das wohl al­le wün­schen wür­den.

Am 1. De­zem­ber ist Welt-Aids-Tag. Sie selbst en­ga­gie­ren sich seit vie­len Jah­ren für die Ber­li­ner Aids-Hil­fe. Wie ha­ben Sie per­sön­lich als schwu­ler Mann in Ber­lin das Auf­kom­men der so­ge­nann­ten Aids-Kri­se in den 80er-Jah­ren er­lebt?

Das war für mich, so wie für vie­le, vie­le an­de­re auch, ein rich­ti­ger Schock, weil auf ein­mal ei­ne ganz gro­ße Un­si­cher­heit und auch Un­wis­sen­heit vor­han­den wa­ren, wie sich die­se Krank­heit ent­wi­ckeln wür­de. Da­mals war ja Aids oft ein rich­tig­ge­hen­des To­des­ur­teil. Ein an­de­rer Aspekt ist au­ßer­dem die ex­tre­me Stig­ma­ti­sie­rung von Aids. Für vie­le war das die idea­le Ge­le­gen­heit, ih­re Ho­mo­pho­bie aus­zu­le­ben und Aus­gren­zung zu be­trei­ben. Ge­sell­schaft­li­che Er­run­gen­schaf­ten und die ge­sam­te se­xu­el­le Re­vo­lu­ti­on, die zu­vor hart er­kämpft wor­den war, stan­den plötz­lich wie­der vor dem Aus. Das war zu­min­dest die Sor­ge vie­ler.

Wor­in liegt Ih­rer An­sicht nach heu­te die be­son­de­re Re­le­vanz des The­mas HIV/Aids?

Ich den­ke, dass die „Ent­war­nung“, die es bei Aids teil­wei­se gibt, vor al­lem in Kom­bi­na­ti­on mit den gu­ten The­ra­pie­mög­lich­kei­ten, zu an­de­ren Pro­ble­men ge­führt hat. In der Öf­fent­lich­keit ist HIV/Aids ein we­nig in den Hin­ter­grund ge­rückt, doch wir al­le soll­ten wis­sen: „Ver­ges­sen ist töd­lich.“Das sieht man lei­der auch am Um­gang mit Sa­fer Sex gera­de bei Jün­ge­ren.

Ach, was das nächs­te Jahr an­geht, war­te ich erst mal ab, das wird sich zei­gen. Was aber auf kei­nen Fall ge­plant ist, ist ein Me­ga­pro­jekt, das mich wie­der den gan­zen Tag von Mon­tag bis Sonn­tag be­schäf­ti­gen wird.< In­ter­view: Da­ni­el Se­gal

Ha­ben Sie schon kon­kre­te Plä­ne für 2016?

Klaus Wo­wer­eit war vom 16. Ju­ni 2001 bis zum 11. De­zem­ber 2014 Re­gie­ren­der Bür­ger­meis­ter Ber­lins

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