Glücks­rit­ter

Siegessaeule - - Buch -

So vie­le tol­le Ho­mo-Bü­cher, wie uns die ak­tu­el­le Herbst/Win­ter-Sai­son be­schert, gibt es sonst sel­ten. Denn ne­ben dem fan­tas­ti­schen „Two Boys Kis­sing“ist „Die Sum­me un­se­res Glücks“von François Roux eben­falls ein Ro­man, der sich se­hen las­sen kann > Nur weil ei­ne Haupt­fi­gur schwul ist, kommt da­durch noch lan­ge kein schwu­les Buch her­aus. Wie das ge­ra­de­zu en pas­sant funk­tio­niert, oh­ne dass der Eros ei­nes Prot­ago­nis­ten die Ge­schich­te über­schat­tet und ver­ein­nahmt, zeigt François Roux in „Die Sum­me un­se­res Glücks“. Denn Paul, das ist der schwu­le Held und Er­zäh­ler in die­sem mit sei­nen 640 Sei­ten leicht epi­schen Ro­man, macht zwar im Lau­fe der Hand­lung mit zig Män­nern rum, aber das ist eben nur ei­ne Sei­te von ihm. Viel­mehr ist es sein größ­ter Traum, Schau­spie­ler zu wer­den und end­lich sei­nem ul­tra­spie­ßi­gen El­tern­haus zu ent­flie­hen, in dem der Va­ter ein ri­go­ro­ses Zep­ter schwingt. Er ist Frau­en­arzt und für ihn steht au­ßer Fra­ge, dass Paul eben­falls ei­ne Kar­rie­re als Me­di­zi­ner ein­schlägt. Die Sto­ry be­ginnt im Jahr 1981. Paul und sei­ne en­gen Freun­de Tan­guy, Be­noît und Ro­dol­phe le­ben in ei­ner klei­nen Ge­mein­de an der bre­to­ni­schen Küs­te. Sie sind da­bei, die Schu­le zu be­en­den, und stri­cken an ih­ren Zu­kunfts­plä­nen. Auch po­li­tisch ist es ei­ne Zeit des Auf­bruchs, denn das gan­ze Land er­lebt ei­nen Wan­del durch den Wah­l­er­folg des So­zia­lis­ten Mit­ter­rand. In­ne­re und äu­ße­re Um­brü­che, sie wer­den zum Leit­mo­tiv in Roux’ Ge­schich­te. Die ein­zel­nen Ka­pi­tel wid­men sich je­weils ei­nem aus der Cli­que wid­met. Mal dem Ei­gen­bröt­ler Be­noît, der stän­dig Fo­tos schießt, doch sie nie sei­nen Freun­den zeigt. Dann Ro­dol­phe, wel­cher dem po­li­ti­schen Be­trieb ver­fal­len ist und mit sei­nem kom­mu­nis­ti­schen Va­ter auf Kriegs­fuß steht. So­wie Tan­guy, dem rast­lo­sen Halb­wai­sen, der nur ein Ziel hat: viel Koh­le zu ver­die­nen. Al­le er­hof­fen sie sich ein gran­dio­ses Le­ben. Wem das wie gut ge­lingt, er­fährt man dann in der zwei­ten Hälf­te des Bu­ches. Im Jahr 2009 setzt die Ge­schich­te der zu Män­nern ge­wor­de­nen Jungs wie­der ein. Es ist der Hö­he­punkt der Fi­nanz­kri­se und auch Paul und sei­ne Freun­de ste­cken al­le auf ih­re Art in Kri­sen. Al­te Träu­me sind ge­platzt, Wert­vor­stel­lun­gen, die un­an­tast­bar schie­nen, über den Hau­fen ge­wor­fen, Lie­be ent­puppt sich als Las­ter und Fluch. Die mit­ein­an­der ver­wo­be­nen, psy­cho­lo­gisch ex­trem ge­nau­en Le­bens­ge­schich­ten bau­en da­bei ei­ne sol­che Span­nung auf, dass man ei­ne Sei­te nach der an­de­ren ver­schlingt.< rob

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