Lo­ving the Ali­en

Siegessaeule - - Bühne -

Gri­mes li­ve, 17.02.16, 20:00, As­tra Mit „Vi­si­ons“ver­öf­fent­lich­te die ka­na­di­sche Künst­le­rin Gri­mes 2012 das wohl zeit­geis­tigs­te Mu­sik­werk der frü­hen 10er-Jah­re: zu Hau­se mit Bil­lig­soft­ware auf­ge­nom­me­ne, pop­pig-düs­te­re Elec­tro­ge­spins­te. Der Hy­pe ging durch die De­cke. Nun mel­det sie sich mit dem Al­bum „Art An­gels“zu­rück und durch­bricht dar­auf lust­voll die Schall­gren­ze zum Main­stream. Mar­cel An­ders traf sie zum Ge­spräch

Gri­mes, „Art An­gels“be­sitzt ei­nen deut­lich bes­se­ren Sound als sei­ne Vor­gän­ger – wür­dest du sa­gen, dass es sich um dein ers­tes Pro­fi­al­bum han­delt?

Es ist de­fi­ni­tiv das ers­te Al­bum, das ich als Mu­si­ke­rin ge­macht ha­be. Da­vor ha­be ich nur wild her­um­ex­pe­ri­men­tiert. Sprich: Es war ein rei­nes Hob­by, und ich hat­te kei­ne Ah­nung, was ich tue. Als die ers­ten Al­ben er­schie­nen, konn­te ich kein ein­zi­ges In­stru­ment spie­len und hat­te kei­ne Ah­nung von der Tech­nik. Ich war ei­ne ab­so­lu­te Di­let­tan­tin.

Ei­ni­ge der neu­en Stü­cke sind sehr pop­pig – al­len vor­an „Ca­li­for­nia“.

Des­we­gen hät­te ich es auch fast nicht mit aufs Al­bum ge­nom­men – ein­fach weil ich es für zu pop­pig hal­te. Aber ich moch­te den Ge­sang. Ich ha­be re­gel­recht ge­weint, als ich das Stück ein­ge­sun­gen ha­be. Und es war in zwei St­un­den fer­tig – al­so es hat sich qua­si wie von selbst ge­schrie­ben und ge­sun­gen. Au­ßer­dem scheint es je­dem, der es hört, zu ge­fal­len.

Du hast ei­nen Ali­en­kopf als Tat­too auf der lin­ken Hand. Hat­test du mal ei­ne Be­geg­nung der drit­ten Art?

Ich weiß nicht, ob ich schon ei­ne hat­te. Aber ich ha­be de­fi­ni­tiv das Ge­fühl, dass sie un­ter uns sind. Schließ­lich trifft man je­den Tag so vie­le merk­wür­di­ge Leu­te, die un­mög­lich ech­te Men­schen sein kön­nen, da muss es sich schon um Ali­ens han­deln. Ich mei­ne, wer sind wir, dass wir ernst­haft den­ken, wir wä­ren al­lein im Uni­ver­sum? Das er­scheint mir nicht glaub­haft. Als ich ein Te­enager war, hielt ich Ma­ri­lyn Man­son für ei­nen Ali­en. Ein­fach, weil er ir­re aus­sah und un­glaub­lich in­ten­siv war.

Al­so hat Ma­ri­lyn Man­son dir Tü­ren ge­öff­net? In­wie­fern?

Oh ja, ganz be­stimmt so­gar.

Ich bin ein Mäd­chen aus gu­tem Hau­se, al­so mit viel Geld und sehr kon­ser­va­ti­ven An­sich­ten groß ge­wor­den. Aber ich bin nie wirk­lich gut mit mei­ner Um­ge­bung klar­ge­kom­men. Des­halb war ich ei­ne Au­ßen­sei­te­rin und ha­be mich mit an­de­ren an­ge­freun­det, de­nen es ge­nau­so ging. Den Goths und Punks. Und mein Sound­track zu die­ser Zeit war halt Ma­ri­lyn Man­son. Ein Typ, der zu wis­sen schien, was ich durch­ma­che, der als Kind die glei­chen Pro­ble­me hat­te und der dar­über ge­sun­gen hat, sich zur Wehr zu set­zen und sei­ne Wut aus­zu­le­ben. Das fand ich un­glaub­lich cool und se­xy. Und es hat mich er­mu­tigt, es ihm gleich­zu­tun.

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