F/B 2014, Uni­ver­sum, Re­gie: Bertrand Bo­nel­lo

Siegessaeule - - Film -

> Mit Ja­lil Le­sperts „Yves Saint Laurent“und Bertrand Bo­nel­los „Saint Laurent“gab es im letz­ten Jahr gleich zwei Bio­pics über den 2008 ver­stor­be­nen Mo­de­re­vo­lu­tio­när aus Frank­reich. Der ge­sell­schaft­li­chen Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung der 60er- und 70er-Jah­re schnei­der­te er mit sei­nen Da­mens­mo­kings und tail­len­lo­sen Klei­dern die pas­sen­de Hau­te Cou­ture auf den Leib. Lei­der be­kam aus­ge­rech­net Bo­nel­los vi­su­ell un­gleich spek­ta­ku­lä­re­re Ver­si­on hier­zu­lan­de kei­nen Ki­no­start, im­mer­hin liegt sie jetzt auf DVD und Blu-Ray vor. Al­ler­dings ist sein Film im Ver­gleich der deut­lich sper­ri­ge­re: Dra­ma­ti­sche Kon­flik­te oder ei­ne klar struk­tu­rier­te Sto­ry­line gibt es nicht. Wer kein Vor­wis­sen mit­bringt über Saint Lau­rents Mo­de­kam­pa­gnen, die Be­zie­hung zu sei­nem Le­bens­part­ner Pier­re Ber­gé oder sei­ne von Dro­gen­ex­zes­sen ge­präg­te Lie­bes­af­fä­re mit Karl La­ger­felds Mu­se Jac­ques de Ba­scher, den lässt die ex­pe­ri­men­tel­le, auf chro­no­lo­gi­sche Ab­läu­fe pfei­fen­de Film­spra­che ziem­lich hilf­los zu­rück. So bleibt ei­ne frei as­so­zia­ti­ve Ab­fol­ge von Sze­nen und De­tails aus Saint Lau­rents Le­ben, de­ren Ins­ze­nie­rung es aber in sich hat: Da ver­wan­delt sich ei­ne Mo­den­schau durch Split Screen in ein be­weg­tes Piet-Mon­dri­an-Kunst­werk. Groß­ar­tig die Sze­ne, in der ei­ne Frau et­was frem­delnd Saint Lau­rents be­rühm­ten Ho­sen­an­zug an­pro­biert und sich mit im­mer selbst­be­wuss­ter wer­den­den Ges­ten in das Ma­te­ri­al und die un­ge­wohnt „mas­ku­li­ne“Form hin­ein­zu­füh­len be­ginnt. Toll auch, wie der dan­dy­haft­t­un­ti­ge Ba­scher sich auf ei­nem Bett nie­der­lässt und die Ka­me­ra fast in Slow Mo­ti­on die ele­gan­te Be­we­gung des Schals auf sei­nem Kör­per ein­fängt. Der Film mag in sol­chen Mo­men­ten kei­nen gro­ßen in­halt­li­chen Dis­kurs über Mo­de füh­ren, aber er zeigt ih­re äs­the­ti­sche Wir­kung und ge­sell­schaft­li­che Spreng­kraft in über­zeu­gen­den, na­he­zu iko­no­gra­fi­schen Bil­dern. Gas­pard Ul­liel ist in der Ti­tel­rol­le auf fast un­heim­li­che Wei­se au­then­tisch, und als be­son­de­rer Clou tritt Hel­mut Ber­ger in ei­ner kur­zen, aber ein­drucks­vol­len Al­ters­rol­le als bald ster­ben­der Saint Laurent auf. Auch wenn Bo­nel­los ein­dring­li­cher Film mit sei­nen zwei­ein­halb St­un­den Lauf­zeit manch­mal zäh und zer­dehnt wirkt, lohnt sich die An­stren­gung. De­fi­ni­tiv kei­ne Kon­fek­ti­ons­wa­re von der Stan­ge!< Tex­te: ak/fh/as

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.