Was macht ei­gent­lich ... das Mu­sik­ka­ba­rett Brüh­warm?

Siegessaeule - - Stadt -

Die 70er-Jah­re. Al­les ist in Auf­bruch­stim­mung, auch die Schwu­len­be­we­gung. In Ham­burg grün­de­te sich die Thea­ter­trup­pe Brüh­warm, die mit ih­rem Mu­sik­ka­ba­rett er­folg­reich durch Deutsch­land tour­te: Cor­ny Litt­mann, Dan­ny Le­wis, Ralph Mohn­haupt (†), Ernst Mei­beck (†), Lutz Ul­brich, Claus Plän­kers und Götz Bar­ner. Wir ha­ben Cor­ny Litt­mann – heu­te Re­gis­seur („Ca­vequeen“) und Thea­ter­in­ten­dant (Schmidt Thea­ter, Schmidts Ti­vo­li) – ge­fragt, was aus der Trup­pe ge­wor­den ist

Im Ja­nu­ar wird im SchwuZ der Film „Le­ben wir un­ser Le­ben. Schwu­le und ih­re Lie­der“ge­zeigt. Im Sound­track hört man Lie­der von Brüh­warm.

Von wem ist denn der? Wenn der von Det­lef Stof­fel ist, kenn ich den viel­leicht. (Den Film hat Bri­git­te Schro­ed­ter 1979 für den Saar­län­di­schen Rund­funk ge­dreht; Anm. d. Red.)

1976 sind wir das ers­te Mal auf­ge­tre­ten, in Ham­burg in der Fa­b­rik. Das jährt sich ja in die­sem Jahr zum 40. Mal. Er­schre­ckend!

Wann hat die Ar­beit mit Brüh­warm be­gon­nen?

Es gab da­mals in Deutsch­land ei­ne be­kann­te freie Thea­ter­grup­pe, „Ro­te Rü­be“aus Müns­ter. Ei­ner von ih­nen war schwul und hat vor­ge­schla­gen, ein schwu­les Stück zu ma­chen. Aber das fand das Thea­ter­kol­lek­tiv nicht so pri­ckelnd. Und dann ha­ben wir das mit­ein­an­der ge­schrie­ben. Das war im Grun­de ge­nom­men die Idee: Statt Flug­blatt­schrei­ben ma­chen wir mal Thea­ter.

„Brüh­warm. Ein schwu­ler Jahr­markt“. Aus die­sem ers­ten Stück ent­stand dann die Trup­pe Brüh­warm. Wir sind durch ganz Deutsch­land ge­tourt, meis­tens in Uni­ver­si­täts­städ­te. In Mün­chen ha­ben wir Rio Rei­ser und Ton St­ei­ne Scher­ben ge­trof­fen, die das Stück ge­se­hen hat­ten. Aus die­sem Tref­fen er­gab sich ei­ne Zu­sam­men­ar­beit, und es ent­stand die ers­te Plat­te, „Mann­stoll“, die zwei­te hieß „Ent­ar­tet“. Dann ha­ben wir mit die­ser Mu­sik ei­ne sze­nisch mu­si­ka­li­sche Re­vue ge­macht und wur­den von Jahr zu Jahr be­kann­ter. Un­ser größ­ter Auf­tritt war auf dem Open Air Fes­ti­val in Vlo­to vor 100.000 Leu­ten. Das ging al­les bis En­de 1979. Nach vier Jah­ren war Schluss.

Ihr dach­tet da­mals, man muss po­li­tisch was ma­chen?

Und der Ti­tel war? Zwei von euch sind ver­stor­ben. Hast du noch Kon­takt zu den an­de­ren?

Ganz pe­ri­pher. Ich hör mal was von Dan­ny. Der Götz lebt ja hier auf St. Pau­li, den treff ich hin und wie­der. Ich weiß, was Claus Plän­kers macht, der frü­her mit Die­ter Ri­ta Scholl als Duo un­ter­wegs war, aber den hab ich auch Jahr­zehn­te nicht ge­se­hen. Und auch zu den an­de­ren hab ich kei­nen Kon­takt mehr.

Eu­re „mu­si­ka­li­sche Re­vue“hat­te ei­nen recht ho­hen eman­zi­pa­to­ri­schen An­spruch.

Ei­nen sehr mo­ra­lisch-po­li­ti­schen An­spruch. Al­so wenn du die Lie­der heu­te hörst … vie­les ist so, dass du denkst, hal­le­lu­ja, wir ha­ben da ganz schön auf die Pau­ke ge­hau­en, was das Mo­ra­li­sche und Mis­sio­na­ri­sche an­be­traf. „Sie ha­ben uns ein Ge­fühl ge­klaut und das heißt Lie­be“war so ei­nes, wo dann al­le zu Trä­nen ge­rührt wa­ren.

Heu­te wol­len Schwu­le in die „Mit­te der Ge­sell­schaft“, was hät­tet ihr da­zu ge­sagt?

Wir ha­ben uns nie in der Mit­te ge­se­hen, wir wa­ren sehr rand­stän­dig und über­haupt nicht bür­ger­lich, ha­ben in WGs ge­lebt und ge­kifft.< In­ter­view: Frank Her­mann Cor­ny Litt­mann ist Re­gis­seur, In­ten­dant, Schau­spie­ler und LGBTI-Ak­ti­vist. Er war Grün­dungs­mit­glied der schwu­len Thea­ter­grup­pe Brüh­warm und bis 2007 Ver­eins­prä­si­dent des FC St. Pau­li „Le­ben wir un­ser Le­ben. Schwu­le und ih­re Lie­der“, Film­scree­ning in An­we­sen­heit von Claus Plän­kers und Die­ter Ri­ta Scholl im Rah­men der „Po­ly­mor­phia“, 15.01., 19:00, SchwuZ

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