Kei­ne Kunst für Eli­ten

Siegessaeule - - Stadt -

Man könn­te be­haup­ten, dass wir al­le schon mal ein Werk von Ste­fan Fäh­ler ge­se­hen ha­ben. Zu­ge­ge­ben, der Na­me ist vie­len wahr­schein­lich nicht gleich ein Be­griff, aber die un­ver­kenn­bar in­ten­si­ven Ar­bei­ten des 37-jäh­ri­gen Künst­lers und Art­di­rec­tors prä­gen das Stadt­bild und die quee­re Com­mu­ni­ty Ber­lins der­zeit maß­geb­lich > Ste­fan Fäh­ler ist der Mann hin­ter den Fly­ern der „Ge­gen“-Par­ty, er malt fürs SchwuZ oder Melt!-Boo­king und er­schuf das om­ni­prä­sen­te Wer­be­mo­tiv der „La Ca­ge aux Fol­les“-Ins­ze­nie­rung in der Bar je­der Ver­nunft. Qua­si kaum ein Strom­kas­ten, kaum ein U-Bahn­hof in Ber­lin oh­ne ihn. Nun kre­ierte er für uns das tol­le Co­ver die­ser Aus­ga­be – das auch Mo­tiv der Kam­pa­gne zum deutsch­land­wei­ten Ver­kaufs­start der SIE­GES­SÄU­LE ist. Der ge­bür­ti­ge Le­ver­ku­se­ner zog 2001 von Köln nach Ber­lin und ar­bei­te­te zu­nächst 14 Jah­re als Art­di­rec­tor in Agen­tu­ren. Kam­pa­gnen und Ge­halt wa­ren fett, doch Ste­fans Herz schlug für an­de­re Pro­jek­te. Sel­ber Mu­si­ker, als Gi­tar­rist der Noi­se­rock-Band Châ­teau Laut, und Re­si­dent-DJ bei Pais­ley Dal­tons le­gen­dä­rer Ber­li­ner „Black Girls Co­ali­ti­on“mal­te er nach der Ar­beit bis spät in die Nacht Pla­kat- und Fly­er­mo­ti­ve für Bands. „Es war ein Kind­heits­traum von mir, mal ein Plat­ten­co­ver zu ge­stal­ten“, er­zählt er beim In­ter­view. Sei­ne aus­ge­zeich­ne­te Ar­beit fand schon bald ein Echo in der Mu­sik­sze­ne, Ste­fan wag­te vor sechs Jah­ren den Schritt in die Selb­stän­dig­keit. Heu­te blickt er be­reits auf ei­ne be­acht­li­che be­ruf­li­che Vi­ta zu­rück: Pla­ka­te für De­ath Grips, Mog­wai, Mykki Blan­co, Die Gol­de­nen Zi­tro­nen, Al­bum­co­ver für Ev­vol und die Kult­band Sioux­sie & The Bans­hees. Au­ßer­dem zeich­net er für das Ti­tel­de­sign des os­car­no­mi­nier­ten Do­ku­men­tar­films „Das Salz der Er­de“von Ju­lia­no Ri­bei­ro Sal­ga­do und Wim Wen­ders ver­ant­wort­lich. Die Co­en-Brü­der kauf­ten Ar­bei­ten von ihm. Doch Ste­fan ist auf dem Bo­den ge­blie­ben: „Kunst um der Kunst wil­len ma­che ich nicht mehr, ich fin­de es schö­ner, wenn mei­ne Sa­chen auf der Stra­ße hän­gen und nicht in ir­gend­ei­ner Ga­le­rie. Ich will kei­ne Kunst für Eli­ten ma­chen.“So bleibt auch die Ar­beit für die Com­mu­ni­ty sei­ne Her­zens­sa­che. Ste­fan will et­was zu­rück­ge­ben. „Ich fin­de, dass die quee­re Sze­ne so bunt und viel­sei­tig wie mög­lich aus­se­hen soll­te. Da­für möch­te ich mich ein­set­zen, so gut ich es kann.“Und, ver­dammt, er kann es rich­tig gut. < ja­no

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.