Quee­ring the screen

Siegessaeule - - Film -

Cin­de­rel­la ‘80/’87 Ul­ti­ma­te Collec­tor’s Edi­ti­on, Ita­li­en 1984, R.: Ro­ber­to Ma­le­not­ti, jetzt er­hält­lich Aus­geh Dör­te ist ein ge­mein­ge­fähr­li­cher, les­bi­scher Teil­zeit­trans­ves­tit. An­läss­lich der Ver­öf­fent­li­chung der „Ul­ti­ma­te Collec­tor’s Edi­ti­on“des 30 Jah­re al­ten Te­e­nieS­mas­hers „Cin­de­rel­la ‘80/’87“fragt sie sich, war­um Ho­mos ei­gent­lich ei­ne Af­fi­ni­tät zu tra­shi­gen 80er-Jah­reLie­bes- und Tanz­fil­men ha­ben > Ein Blick in mein Ge­sicht ver­rät es so­fort: Ich brau­che es schä­big. Und das gilt nicht nur für Kn­ei­pen, Sex, Ma­ke-up und Kla­mot­ten, son­dern auch für die Fra­ge, wie ich mich auf der hei­mi­schen Couch un­ter­hal­ten las­se, wenn ich gera­de mal nicht mit mei­ner Gang im SchwuZ-Klo Schutz­geld er­pres­se. Um kon­kret zu wer­den: Ich ste­he auf ni­veau­lo­se Fil­me. Nicht Go­dard, Pa­so­li­ni oder Vis­con­ti lan­den re­gel­mä­ßig in der Flap­pe mei­nes DVD-Play­ers, son­dern aus­ge­wähl­te Stern­stun­den des 80er-Jah­reTe­enager­en­ter­tain­ments: „Flash­dance“, „Dir­ty Dan­cing“, „La Bo­um“oder die Kö­ni­gin schrot­ti­ger Lie­besa­po­ka­lyp­sen: „Cin­de­rel­la ‘80/’87“! Und nach ei­nem Blick in mein Um­feld wa­ge ich zu be­haup­ten, dass ich mit die­ser Pas­si­on nicht al­lei­ne bin. Doch was fas­zi­niert Ho­mos nur so an die­sen un­fass­bar schlech­ten Lie­bes- und Tanz­schnul­zen der 80er-Jah­re? Da wä­re zum ei­nen der häu­fig zi­tier­te Camp-Aspekt – die­se fei­ne Gren­ze zwi­schen Kitsch und Kult, die wohl nur quee­re Men­schen so ziel­si­cher iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Der ita­lie­ni­sche Smas­her „Cin­de­rel­la ‘80/’87“von 1984 mit Pier­re Cos­so und Bon­nie Bi­an­co ist voll da­von: höl­zer­ne Dia­lo­ge, plat­te Fi­gu­ren, über­zeich­ne­te Kon­flik­te oh­ne schlüs­si­ge Her­lei­tung und Auf­lö­sung, fie­se Fum­mel und Be­ton­fri­su­ren im „Dy­nas­ty“-Style, die auf den Köp­fen von über­spann­ten High-So­cie­ty-Da­men thro­nen. Wäh­rend der per­ma­nent ge­quetscht drein­schau­en­de Pier­re Cos­so, der in der Ad­ap­ti­on des Aschen­put­tel-Stoffs den Prin­zen mimt, in den pup­spop­pi­gen Ge­s­angs­ein­la­gen (un­ver­gess­lich: der Song „Stay“) kaum ei­nen ge­ra­den Ton raus­bringt, schraubt sich sein weib­li­cher Ge­gen­part Bon­nie Bi­an­co in hys­te­ri­sche Hö­hen – so­wohl beim Sin­gen als auch im Rah­men ih­rer kom­plett über­spiel­ten Per­for­mance als gei­les New Yor­ker Aschen­brö­del Cin­dy. Ein Fest des Bad Tas­te, be­son­ders reiz­voll in der plum­pen, auf­ge­setzt­stöh­ni­gen SWR-Syn­chro­ni­sa­ti­on. Doch trotz Schrott-Ap­peal trei­ben mir die­se Fil­me auch Pi­pi in die Au­gen und ein Zie­hen ins Herz, wäh­rend ich auf dem So­fa ab­wech­selnd tief in mein Wein­glas und ei­ne 500-ml-Pa­ckung Cheese­ca­ke-Eis tau­che. War­um nur? Nun, al­le die­se Fil­me aus den 80ern ha­ben et­was ge­mein­sam. Et­was, was den asep­ti­schen Te­e­nie-Mo­vies von heu­te fehlt – sie sind un­ter all dem fin­ger­dick auf­ge­tra­ge­nen Schmalz vor al­lem ei­nes: schmut­zig, ver­rucht und viel se­xu­el­ler als es die „Twi­light“-Sa­ga je­mals zu sein wa­gen wür­de. Da wird noch ge­sof­fen, ge­raucht, ab­ge­trie­ben, ge­flucht oder mal eben samt Fe­der­boa auf der Stra­ße „Nut­te“ge­spielt. Hier gibt es kei­ne zahn­ge­bleach­te Mi­ley Cy­rus, die per­fekt auf clea­nen High­school-Büh­nen per­formt, son­dern nur ei­nen Hau­fen mit­tel­mä­ßig schö­ner Kids, die es übelst wis­sen wol­len. Jen­ni­fer Grey rub­belt sich beim „Dir­ty Dan­cing“(sic!) an Patrick Sway­ze in dunk­len Ecken, im fran­zö­si­schen Pu­ber­täts­epos „La Bo­um“wer­den in der Ki­no­sze­ne Pim­mel durch Pop­corntü­ten ge­steckt, der stän­dig sport­lich schwit­zen­de Les­ben­traum Jen­ni­fer Be­als ar­bei­tet in „Flash­dance“tags­über als Schwei­ße­rin und ver­dingt sich nachts als Tän­ze­rin in ei­nem Stri­plo­kal. Co­me on! Es ist ge­nau die­se Par­al­le­li­tät von Ver­rucht­heit und na­iv idea­li­sier­ter Lie­bes­phan­ta­sie, die die­se Fil­me zur idea­len Pro­jek­ti­ons­flä­che ho­mo­se­xu­el­ler Sehn­süch­te macht. Auch wenn (oder gera­de weil?) am En­de im­mer die he­te­ro­nor­ma­ti­ve Er­fül­lung steht. <

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