Das di­gi­ta­le Ver­mächt­nis

Wir klä­ren auf: Was wird ei­gent­lich mit den Da­ten im In­ter­net, wenn der Be­sit­zer ver­stirbt?

Smartwoman - - Inhalt - Text: Clau­dia Fri­ckel

Wir kau­fen in On­line-Shops ein, schrei­ben E-Mails, mel­den uns in so­zia­len Netz­wer­ken an, ha­ben ein Kon­to bei der Such­ma­schi­ne Goog­le, spei­chern Da­ten bei ei­nem Cloud-Di­enst (Klaut) im In­ter­net, be­zah­len über den On­line-Ser­vice PayPal (Pei­pal) und ma­chen On­line-Ban­king. Doch wor­über sich kaum je­mand Ge­dan­ken macht ist, was mit all die­sen Kon­ten ge­schieht, wenn wir ge­stor­ben sind – und mit den ge­spei­cher­ten Da­ten wie E-Mails oder Fo­tos. Die Mit­glied­schaf­ten be­ste­hen wei­ter­hin, wo­mög­lich be­kom­men wir noch Nach­rich­ten und es wer­den Bei­trä­ge ab­ge­bucht. Die Er­ben des di­gi­ta­len Nach­las­ses müs­sen die Ver­trä­ge mit On­line-Di­ens­ten kün­di­gen und die Kon­ten

lö­schen. Meist ist das un­pro­ble­ma­tisch, wenn man ei­ne Ster­be­ur­kun­de und ei­nen Erb­schein vor­legt. Aber wie si­chern Sie die Da­ten, die bei den Di­ens­ten lie­gen? Die recht­li­che La­ge ist kom­pli­ziert. Ge­gen­stän­de wie Com­pu­ter, USB-Sticks oder ein Smart­pho­ne ge­hen an die Er­ben über, mit­samt der Da­ten dar­auf. Bei In­for­ma­tio­nen im In­ter­net ist es kom­pli­zier­ter. Die Da­ten ge­hö­ren dem Be­trei­ber des E-Mail-Di­ens­tes oder des On­line-Netz­werks. Die Hin­ter­blie­be­nen ha­ben erst ein­mal kei­nen Zu­griff dar­auf. Mit­un­ter hat das skur­ri­le Aus­wir­kun­gen: Hat der Ver­stor­be­ne E-Mails ab­ge­ru­fen und sind die­se auf dem Com­pu­ter ge­spei­chert, dür­fen die Er­ben sie le­sen. Lie­gen sie noch auf dem Ser­ver

des An­bie­ters, ist das nicht er­laubt. Ei­nen Rechts­an­spruch der Hin­ter­blie­be­nen auf die Da­ten gibt es nicht. Ob sie her­aus­ge­ge­ben wer­den, ent­schei­den die Di­ens­te. Oft ver­wei­gern sie die Her­aus­ga­be und ver­wei­sen auf das Per­sön­lich­keits­recht des To­ten. Vie­le An­ge­hö­ri­ge wis­sen aber auch gar nicht, wel­che Ser­vices der Ver­stor­be­ne ge­nutzt hat, ge­schwei­ge denn, wie sei­ne Zu­gangs­da­ten lau­ten. Da­mit nach dem Tod die di­gi­ta­len Da­ten in die rich­ti­gen Hän­de ge­lan­gen und es die Er­ben nicht un­nö­tig schwer ha­ben, soll­te man den di­gi­ta­len Nach­lass schon zu Leb­zei­ten re­geln.

Tipp 1: Face­book-Pro­fil als Ge­denk­sei­te

Das On­line-Netz­werk Face­book löscht das Kon­to ei­nes Ver­stor­be­nen, wenn die Er­ben ei­ne Ster­be­ur­kun­de vor­le­gen. Wenn sie wol­len, ist es auch mög­lich, das Pro­fil be­ste­hen zu las­sen und in ei­nen Ge­denk­zu­stand (http://on.fb.me/1E7y­seQ) zu ver­set­zen: Dann steht ne­ben dem Na­men „In Er­in­ne­rung“, au­ßer­dem kön­nen Freun­de und Ver­wand­te auf der Pinn­wand Fo­tos und An­den­ken hin­ter­las­sen. Zu­griff auf das Kon­to be­kom­men die Er­ben aber nicht, sie kön­nen auch kei­ne per­sön­li­chen Nach­rich­ten le­sen. In den USA er­mög­licht das Netz­werk, ei­nen an­de­ren Nut­zer zu be­stim­men, der die Sei­te nach dem Tod be­treut. In Deutsch­land gibt es die Funk­ti­on al­ler­dings noch nicht.

Tipp 2: Goog­le-Kon­to ver­wal­ten las­sen

Goog­le ist ei­ner der we­ni­gen Di­ens­te, der Hil­fe für den di­gi­ta­len Nach­lass an­bie­tet. Sie ha­ben dort ein Kon­to, wenn Sie den E-Mail-Di­enst Gmail nut­zen oder ein An­dro­id-Smart­pho­ne be­sit­zen. Denn, falls Sie es noch nicht wuss­ten: Das An­dro­id-Be­triebs­sys­tem ist ei­ne Ge­rä­te-Soft­ware von Goog­le, ver­gleich­bar mit Win­dows von Mi­cro­soft oder das iOS-Be­triebs­sys­tem von App­le. Sie kön­nen bei Goog­le schon zu Leb­zei­ten be­stim­men, was pas­sie­ren soll, wenn Sie sich ei­ne be­stimm­te Zeit lang nicht in Ih­rem Kon­to ein­ge­loggt ha­ben. Im Kon­to­in­ak­ti­vi­täts-Ma­na­ger (http://bit. ly/1AfrOjL ) le­gen Sie da­zu ei­ne be­stimm­te Frist fest, die mit dem letz­ten Ein­log­gen (Start des Be­triebs­sys­tems) be­ginnt. An­schlie­ßend de­fi­nie­ren Sie ei­ne oder meh­re­re Per­so­nen, die nach Ablauf der Zeit dar­über in­for­miert wer­den sol­len, dass Sie Ihr Kon­to nicht mehr ver­wen­den. Sie kön­nen be­stim­men, dass die­se auf Da­ten be­stimm­ter Di­ens­te zu­grei­fen dür­fen. Oder dass nach Ablauf der Frist Ihr Kon­to ein­fach ge­löscht wird.

Tipp 3: E-Mail-Post­fä­cher & an­de­re Kon­ten

Ein Er­be kann zwar die Post öff­nen, die im Brief­kas­ten ei­nes Ver­stor­be­nen lan­det. Auf das E-Mail-

Post­fach hat er aber kei­nen Zu­griff. Die meis­ten Di­ens­te er­lau­ben aber das Lö­schen des Kon­tos, wenn ih­nen die Ster­be­ur­kun­de des ehe­ma­li­gen Be­sit­zers vor­ge­legt wird, et­wa bei den sehr oft ge­nutz­ten E-Mail-Ver­wal­tern von GMX und Web.de. Deut­lich ein­fa­cher ist es für die Hin­ter­blie­be­nen, wenn Sie vor­sor­gen und Ih­nen die Zu­gangs­da­ten vor Ih­rem Tod mit­tei­len. Dann kön­nen die­se Per­so­nen die Kon­ten still­le­gen. Das ist auch bei di­ver­sen an­de­ren On­line-Sei­ten und -Shops sinn­voll. Das kön­nen zum Bei­spiel Kon­ten bei Ama­zon, Ebay (Ibei) oder iTu­nes (EiTjuns) sein, aber auch Di­ens­te, bei de­nen Da­ten im In­ter­net ge­spei­chert wer­den, so wie Drop­box oder Goog­le Dri­ve (Draif). Vie­le Nut­zer si­chern dort zum Bei­spiel ih­re Da­ten oder Bil­der. Viel­leicht ha­ben Sie aber auch noch ein Gut­ha­ben beim On­line-Be­zahl­dienst PayPal oder ein Abo beim On­line-Fil­mSer­vice Net­flix ab­ge­schlos­sen.

Tipp 4: Ein Nach­lass-Di­enst im In­ter­net hilft

Hil­fe bei der Re­ge­lung des di­gi­ta­len Nach­las­ses bie­tet der Ber­li­ner Di­enst Co­lum­ba (www.co­lum­ba. de). Das „On­line-Schutz­pa­ket“er­mit­telt On­li­neKon­ten und Ver­trä­ge ei­nes To­ten, die Er­ben müs­sen dann nur ent­schei­den, ob sie die­se über­neh­men oder lö­schen wol­len. Be­stat­ter in ganz Deutsch­land ver­kau­fen das Schutz­pa­ket, das aber mit Prei­sen um die 250 Eu­ro nicht ganz bil­lig ist.

Tipp 5: Di­ens­te für Da­ten und Pass­wör­ter

Viel­leicht ist es Ih­nen zu hei­kel, die Zu­gangs­da­ten zu E-Mail-Post­fä­chern, In­ter­net­diens­ten oder On­line-Ban­king auf ei­nem Zet­tel zu no­tie­ren. Ab­hil­fe ver­spre­chen di­gi­ta­le Sa­fes im In­ter­net wie der Schwei­zer Di­enst „Se­cu­reSa­fe“(www.se­cu­resa­fe. com). Dort spei­chern Sie Pass­wör­ter, Zu­gangs­da­ten, aber auch Da­tei­en, Ver­trä­ge oder Fo­tos, die nicht in fal­sche Hän­de ge­ra­ten sol­len. In­te­griert ist ei­ne Da­ten­ver­er­bung: Sie be­stim­men ei­ne ver­trau­ens­wür­di­ge Per­son, die ei­nen Co­de be­kommt, um im Not­fall Zu­griff auf die von Ih­nen be­stimm­ten In­for­ma­tio­nen zu be­kom­men. Sie wer­den dar­über be­nach­rich­tigt, so­dass nie­mand un­be­fugt an Ih­re Da­ten ge­lan­gen kann. Für Da­ten bis 100 Me­ga­byte und bis zu 50 Pass­wör­ter ist das kos­ten­los. Wol­len Sie mehr spei­chern, zah­len Sie zwi­schen 1,5 und 12 Schwei­zer Fran­ken pro Mo­nat. Ähn­lich funk­tio­niert der eng­lisch­spra­chi­ge US-Di­enst „Le­ga­cy Lo­cker“(www.pass­word­box.com/le­ga­cy­lo­cker).

Tipp 6: Ge­denk­por­ta­le im Netz

Ist ein Ih­nen na­he­ste­hen­der Mensch ge­stor­ben, und Sie möch­ten die Er­in­ne­rung an ihn auch im In­ter­net auf­recht er­hal­ten? Meh­re­re Por­ta­le bie­ten die Mög­lich­keit, vir­tu­el­le Ge­denk­sei­ten zu er­rich­ten. Sie kön­nen dort ei­nen Nach­ruf schrei­ben, Fo­tos des Ver­stor­be­nen zei­gen so­wie sei­ne Vi­ta (Le­bens­ver­lauf) und sei­ne Lieb­lings­mu­sik hin­ter­le­gen. An­de­re kön­nen kon­do­lie­ren. Bei „Sta­ya­li­ve“(www.sta­ya­li­ve.com) kos­tet das je nach Zahl der Bil­der und Do­ku­men­te, die Sie zei­gen möch­ten, ein­ma­lig zwi­schen 20 und 500 Eu­ro. Bei „Vi­ter­ni­ty“(www.vi­ter­ni­ty.de) ist die Ba­sis­ver­si­on der Trau­er­sei­te kos­ten­los. Nur wenn Sie mehr Funk­tio­nen wie ein Kon­do­lenz­buch oder ein vir­tu­el­les Le­bens­licht wol­len, zah­len Sie ein­ma­lig 24 Eu­ro. Ei­ne wei­te­re Ge­denk­sei­te heißt schlicht Trau­er (www.trau­er.de).

Face­book: Auf der so­zia­len Platt­form Face­book lässt sich das Kon­to ei­nes Ver­stor­be­nen in den Ge­denk­zu­stand ver­set­zen.

In­ter­net-Tipp: Die Web­sei­te „#machts­gut“der Ver­brau­cher­zen­tra­le des Bun­des­ver­ban­des mit Check­lis­ten (http://machts­gut.de)

Se­cu­reSa­fe: Pass­wör­ter, Zu­gangs­da­ten, Da­tei­en, Ver­trä­ge oder Fo­tos, die nicht in fal­sche Hän­de ge­ra­ten sol­len, las­sen sich per Co­de an ei­ne be­stimm­te Per­son ver­er­ben.

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