Os­ter tra­di­tio­nen

Facts und Wis­sens­wer­tes rund um das Os­ter­fest

Smartwoman - - Inhalt - An­ja Dei­nin­ger

Im 17. Jahr­hun­dert taucht die Tra­di­ti­on des Os­ter­ha­sen als Eier­lie­fe­rant erst­mals auf. Das Tier gilt schon im­mer als Sinn­bild von Frucht­bar­keit und wur­de im Lau­fe der Jah­re zu­neh­mend mit Os­tern ver­bun­den. War­um gera­de Meis­ter Lam­pe die Os­te­rei­er bringt, weiß nie­mand so genau. Ver­mu­tet wird, dass das Lang­ohr des­we­gen die Eier bringt, weil es wie die Eier selbst, ein Sym­bol für die Frucht­bar­keit und da­mit für den Früh­ling ist. Üb­ri­gens brach­ten frü­her auch Ku­ckuck, Storch, Fuchs und Hahn Os­te­rei­er. Und da Ha­sen bzw. Ka­nin­chen in Aus­tra­li­en ei­ne re­gel­rech­te Land­pla­ge sind, bringt down un­der das Bil­by, ein Ka­nin­chen­na­sen­beut­ler, die Os­te­rei­er. In Frank­reich üb­ri­gens bringt nicht der Ha­se die Os­te­rei­er, son­dern die Kir­chen­glo­cken. Denn dort sagt man, die Glo­cken wür­den am Os­ter­sonn­tag von Rom wie­der zu­rück­keh­ren und hät­ten die bun­ten Os­te­rei­er mit im Ge­päck. Auch an­dern­orts, et­wa in Ös­ter­reich und in Tei­len Süd­deutsch­lands glaubt man dar­an, dass die Kir­chen­glo­cken erst wie­der am Os­ter­sonn­tag er­klin­gen

Zwi­schen 3 und 4 Mio. Feld­ha­sen gibt es in Deutsch­land.

dür­fen. Da­her war und ist es in ei­ni­gen Re­gio­nen, so et­wa im Bay­ri­schen Wald, Tra­di­ti­on, dass am Os­ter­sams­tag und Os­ter­sonn­tag­mor­gen die „Rat­scher“durch die Ge­mein­de zie­hen und mit den Rat­schen, ei­nem Holzin­stru­ment, das im Kreis ge­dreht wird und da­durch ein laut rat­schen­des Ge­räusch er­zeugt, die Kir­chen­glo­cken er­set­zen. Für die Rat­schen­kin­der gibt es na­tür­lich auch klei­ne Be­loh­nun­gen in Form von Os­te­ro­der Scho­ko­la­den­ei­ern an je­dem Haus.

Rund um Ha­se und Eier

Zum Glück gibt es nach ei­ni­gen Jah­ren, in de­nen die Po­pu­la­ti­on des ech­ten Feld­ha­sen in Deutsch­land sehr de­zi­miert war, wie­der ge­nug Ex­em­pla­re. Zwi­schen 3 und 4 Mil­lio­nen Feld­ha­sen gibt es nach Schät­zun­gen ver­schie­de­ner In­sti­tu­tio­nen wie et­wa dem Deut­schen Jagd­ver­band in Deutsch­land. Al­so dürf­te es kein Pro­blem mit der ter­min­ge­rech­ten Aus­lie­fe­rung der Os­te­rei­er ge­ben. Und wo­her kom­men die far­bi­gen Os­te­rei­er? Die 40 Ta­ge vor Os­tern sind seit Jahr­hun­der­ten die klas­si­sche Fas­ten­zeit, in der be­stimm­te Spei­sen auch heu­te vom Spei­se­plan ver­bannt wer­den, so tra­di­tio­nell auch Fleisch. Im frü­hen Mit­tel­al­ter zähl­ten Eier tat­säch­lich als flüs­si­ges Fleisch und durf­ten in der Fas­ten­zeit nicht ver­zehrt wer­den. Da aber nie­mand die Eier ein­fach weg­wer­fen woll­te, wur­den sie durch das Hart­ko­chen halt­bar ge­macht. Um die be­reits ge­koch­ten Eier von den fri­schen zu un­ter­schei­den, ver­wen­de­te man blut­ro­te Pflan­zen­far­be zum Ein­fär­ben. Spä­ter be­ka­men die Eier dann ver­schie­de­ne Far­ben mit re­li­giö­ser Be­deu­tung.

Kost­bar­kei­ten

Und es muss ja auch nicht im­mer ein ech­tes Ei sein. Mitt­ler­wei­le freu­en sich nicht nur Kin­der über köst­li­che Scho­ko­ei­er. Aber auch edels­te Ma­te­ria­li­en wie Gold, Dia­man­ten und an­de­re Edel­stei­ne wur­den für künst­li­che Os­te­rei­er ver­wen­det, so auch für die welt­be­rühm­ten Eier des rus­si­schen Gold­schmieds Car­lPe­ter Fa­ber­gé, die zwi­schen 1885 und 1917 in sei­ner Werk­statt in St. Pe­ters­burg zu­nächst im Auf­trag des Za­ren, spä­ter auch im Auf­trag an­de­rer wohl­ha­ben­der Kun­den ge­fer­tigt wur­den.

Was­ser­bräu­che

In Un­garn be­su­chen Män­ner be­freun­de­te Frau­en und be­sprü­hen die­se mit Duft­was­ser, um für das kom­men­de Jahr de­ren Schön­heit und Ju­gend zu be­wah­ren. Der Brauch geht schon auf ein Frucht­bar­keits­ri­tu­al in die An­ti­ke zu­rück. In Po­len ver­an­stal­ten die jun­gen Leu­te re­gel­rech­te Was­ser­schlach­ten. In Aus­tra­li­en schöp­fen ver­lob­te Paa­re am Os­ter­mor­gen Was­ser aus ei­nem Fluss, das dann bis zur Hoch­zeit auf­be­wahrt wird. Auch hier­zu­lan­de ist das Schöp­fen des Os­ter­was­sers in ei­ni­gen Re­gio­nen noch ge­bräuch­lich. In der Nacht zum Os­ter­sonn­tag ba­de­ten frü­her Bau­ern so­gar ihr Vieh in flie­ßen­dem Ge­wäs­ser. Wo die­ser Brauch fes­ter Be­stand­teil des Os­ter­fes­tes war, er­kennt man an den auch heu­te noch reich mit Os­ter­schmuck ver­zier­ten Dorf­brun­nen.

Klat­schen und wer­fen

Wei­den- und Bir­ken­zwei­ge wer­den in Finn­land und En­g­land an Os­tern ein­ge­setzt. Man schlägt sich da­mit ge­gen­sei­tig leicht auf den Rü­cken. Das soll Glück brin­gen. In Tsche­chi­en wird eben­falls ge­schla­gen, um Ge­sund­heit und Ju­gend zu wün­schen. Hier sind es die Bei­ne der jun­gen Frau­en, die von den Män­nern aus dem Ver­wand­ten­und Be­kann­ten­kreis mit Wei­den­zwei­gen ge­schla­gen wer­den. In Bul­ga­ri­en hilft man dem Glück auf die Sprün­ge, in­dem man Os­te­rei­er wirft. Und zwar ge­gen Kir­chen­mau­ern oder auf Ver­wand­te und Freun­de. Das ge­schieht mit äu­ßers­ter Vor­sicht, denn Glück gibt es nur, wenn das Ei heil bleibt. In ei­ni­gen Ecken Bay­erns ist es Brauch, ein Ei über das Haus zu wer­fen, um es vor Blitz­schlag zu schüt­zen. Vor­sicht üb­ri­gens in Böh­men! Dort darf am Kar­frei­tag kein Brot ge­ba­cken wer­den, da man da­mit He­xen an­lo­cken könn­te. Ganz an­ders da­ge­gen in Schwe­den: Hier ver­klei­den sich die Kin­der so­gar als He­xen und zie­hen von Haus zu Haus, um Sü­ßig­kei­ten zu er­bit­ten.

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