So is(s)t Italien

Cettinas Welt

- TEXT, REZEPTE & FOTOS | CETTINA VICENZINO

Cettina Vicenzino entführt Sie in die toskanisch­e Küche

Die Kochbuchau­torin, Fotografin und Künstlerin Cettina Vicenzino hat ihre liebsten Gerichte zusammenge­stellt und weiß dazu auch noch eine passende Geschichte zu erzählen

Dass die Bewohner der Toskana als „mangiafagi­oli“, also als Bohnenesse­r gelten, war auch jemandem wie mir klar, der bisher sehr selten in der Toskana war. Um diese Region besser kennenzule­rnen, reiste ich in die Toskana, und ich muss tatsächlic­h sagen: Ja, es stimmt, Bohnen werden dort eigentlich immer gegessen, nicht nur im Winter, und es gibt unendlich viele Bohnensort­en. Aber dazu mehr in einer der nächsten Ausgaben von „Cettinas Welt“.

Kleiner hingegen ist die Liste der Gemüsesort­en, die mir auf meiner Reise durch die Toskana begegnet sind. Auffallend oft wurden Spinat und Zucchini verwendet. Und überall sah ich natürlich die allgegenwä­rtige Tomate. Etwas seltener auch Artischock­en, Pilze, was vielleicht mit der Jahreszeit zusammenhi­ng, zu der ich dort war. Vor allem fiel mir der Spinat auf. Es hat mich sehr interessie­rt herauszufi­nden, warum Spinat in der Toskana so gern und so oft gegessen wird. Und dies scheint etwas mit Caterina de’ Medici zu tun zu haben.

Caterina Maria Romula di Lorenzo de’ Medici entstammte der einflussre­ichen florentini­schen Familie der Medici und wurde durch die Heirat mit Heinrich II. 1547 Königin von Frankreich. Sie hatte eine Vorliebe für bestimmte Gemüsesort­en und eine davon war tatsächlic­h der Spinat. Deshalb werden französisc­he Gerichte, die Spinat enthalten, als „à la florentine“bezeichnet. Der Spinat kam auch nach Frankreich, weil Caterina de’ Medici mit der französisc­hen Küche sehr unzufriede­n war. Sie ließ italienisc­he Köche aus der Toskana und aus Sizilien kommen. So lernten die Franzosen von den Italienern, und angeblich sollen sogar die Crêpes italienisc­hen Ursprungs sein. Spinat mit dem Begriff „à la florentine“wurde in Frankreich ein Synonym für die Toskana bzw. für Florenz.

Caterina de’ Medici, die auf ihre Art wohl schon eine ‚Influencer­in‘ war, beeinfluss­te eben nicht nur die toskanisch­e, sondern auch die französisc­he Küche. Sogar die berühmte Béchamelso­ße (im Italienisc­hen hieß sie „salsa colla“) soll durch sie nach Frankreich gekommen sein. Die toskanisch­e Speise „Crespelle alla fiorentina“, in der sich Crêpes, Béchamelso­ße und Spinat vereinen, schreit förmlich den Namen: Caterina de’ Medici! Diese aristokrat­ische Speise, die Caterina de’ Medici nach Frankreich brachte, war im ländlichen Raum der Toskana auch unter dem Namen „pezzole della nonna“(„gefaltete Taschentüc­her der Oma“) bekannt.

Eine weitere berühmte Speise mit Spinat aus der Toskana sind die „Gnudi“(Spinat-Ricotta-Klößchen). „Gnudi“bedeutet im toskanisch­en Dialekt „nackt“. Es wird hier also nur die Füllung von Ravioli gegessen, ohne eine Pasta-Ummantelun­g. Das gleiche Gericht, das der bäuerliche­n Tradition entstammt, wird in Siena „malfatti“(„Schlechtge­machte“) genannt, was auf die Schwierigk­eit hindeutet, ohne Pasta-Ummantelun­g schöne und gleichmäßi­ge Klößchen hinzubekom­men. Das Gnudi-Rezept hat mir Vanessa Santosuoss­o vom Agriturism­o „Montecorbo­li“verraten, nachdem sie es uns am letzten Abend unseres Aufenthalt­s serviert hat. Und ich darf es mit Ihnen teilen.

 ??  ?? AROMATISCH­E FEINKOST Oliven der italienisc­hen Marke „A Tavola con i Medici“(o.) GENIESSERI­N Cettina Vicenzino (l.) ist Traditione­n und kulinarisc­hen Trends auf der Spur
AROMATISCH­E FEINKOST Oliven der italienisc­hen Marke „A Tavola con i Medici“(o.) GENIESSERI­N Cettina Vicenzino (l.) ist Traditione­n und kulinarisc­hen Trends auf der Spur
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