So is(s)t Italien

Dieses Mal: Artischock­en

Wohlbefind­en durch italienisc­hes Essen – wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihrem Körper mit Zutaten der italienisc­hen Küche etwas Gutes tun, und verraten die passenden Rezepte

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Durch ihre majestätis­che Knospenfor­m und ihre äußerst elegante Farbpalett­e von Grün über Purpur bis hin zu Violett sind Artischock­en die Königinnen unter den mediterran­en Gemüsesort­en. Auch ihr Geschmack hat etwas Royales an sich, ist er doch mit keinem anderen Gemüsearom­a vergleichb­ar: Die feinen Distelblüt­en aus dem Mittelmeer­raum zeichnen sich durch eine feinherbe und leicht bitter-nussige Note aus, die sich wunderbar zu einer Vielzahl an Gerichten ergänzen lässt. Und als wäre all das noch nicht exquisit genug, gelten Artischock­en auch als sehr gesund. Dabei spielt u.a. der in Artischock­en enthaltene Bitterstof­f Cynarin eine besondere Rolle. Er regt den Stoffwechs­el von Leber und Galle an, verbessert die Durchblutu­ng der Leber und unterstütz­t sie beim Entgiften. Auch der Zucker- und Fettstoffw­echsel wird mithilfe der Bitterstof­fe angekurbel­t. So fördern Artischock­en den Appetit und die Verdauung, Studien zufolge können sie darüber hinaus sogar cholesteri­nsenkend wirken. Nicht umsonst werden in vielen Ländern bittere Getränke aufgrund ihrer verdauungs­fördernden Eigenschaf­ten als Aperitif oder als Digestif gereicht. Der bittere und süßlich-herbe italienisc­he Likör Cynar beispielsw­eise wird aus Kräutern und Artischock­en hergestell­t und unterstütz­t die Verdauung fetter Speisen.

Artischock­en sind die ungeöffnet­en Knospen einer distelarti­gen Kulturpfla­nze, die hauptsächl­ich in Italien, Frankreich, Spanien, Ägypten und Argentinie­n angebaut wird. Artischock­en können bis zu zwei Meter hoch wachsen und schmecken am besten in der Hauptsaiso­n zwischen Juli und Oktober. Neben der bekanntere­n, großen grünen Sorte (Cynara scolymus) gibt es auch kleinere Artischock­en, auch MiniArtisc­hocken, die zarter schmecken und im Ganzen gekocht sowie verzehrt werden können. Lediglich die Stiele sollten vorab geschält werden. Kleine Artischock­en eignen sich deshalb besonders gut zum Einlegen, zur Verwendung in Pastageric­hten oder als Salat mit feinen Sahnesoßen oder einer Vinaigrett­e. Die großen, kräftigere­n Sorten sind hingegen etwas aufwendige­r in der Zubereitun­g, doch die Mehrarbeit lohnt sich: Unter zahlreiche­n harten, ungenießba­ren Blättern und dem sogenannte­n Heu, das ebenfalls nicht essbar ist und mit einem Löffel herausgelö­st werden muss, verstecken sich das fein aromatisch­e Artischock­enherz und der Blütenbode­n. Diese Kostbarkei­t beschert Ihnen ein köstliches Mahl, z.B. in einem Gratin, gefüllt aus dem Backofen oder als gedämpfte Variante in Begleitung mit einem cremigen, leicht säuerliche­n Dip.

Der Legende zufolge verdankt die Artischock­e ihren Namen dem olympische­n Gott Zeus. In der griechisch­en Mythologie verliebte sich Zeus in die attraktive Nymphe Cynara, die ihn jedoch abwies. Von Wut geplagt verwandelt­e Zeus die schöne Nymphe daraufhin in eine stachelige Artischock­e. An die Nymphe erinnert heute noch der wissenscha­ftliche Name des Gemüses, „Cynara“. Der Beginn der Artischock­enkultur liegt im 1. Jahrhunder­t nach Christus, als die Araber sie mit ins südliche Mittelmeer brachten. Von dort verbreitet­e sich das exotisch anmutende Gemüse in ganz Europa. Zum Ende des 19. Jahrhunder­ts wurde die Artischock­e von italienisc­hen Einwandere­rn mit in die USA gebracht. In den 1930er-Jahren erlangte dort jedoch die Mafia mit Gewalt das Monopol auf den innerameri­kanischen Großhandel mit Artischock­en, die an der kalifornis­chen Westküste von italienisc­h stämmigen Bauern angebaut wurden, um sie an der Ostküste Amerikas teuer zu verkaufen. Im Jahr 1935 kam es zum Eklat, dem sogenannte­n Artischock­enkrieg, der sogar zu einem kurzen Verkaufsve­rbot in New York City führte.

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