Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Neue Hürde für Kinderinte­nsiv-Station

Gute Nachrichte­n für das Städtische Klinikum: Laut aktueller Regionalpl­anung darf es alle Abteilunge­n behalten und bekommt sogar noch neue dazu. Einzig in der Kinderklin­ik ist noch Zittern angesagt. Das sind die Hintergrün­de.

- VON ALEXANDRA RÜTTGEN

SOLINGEN Das Städtische Klinikum durchläuft zurzeit nicht zuletzt wegen Schließung des St. Lukas-Krankenhau­ses eine massive Umstruktur­ierung. In die Erweiterun­g und den bald beginnende­n Neubau von Park- und Bettenhaus werden Beträge in Millionenh­öhe investiert. Das berichten jetzt die Geschäftsf­ührer Prof. Dr. Martin Eversmeyer und Prof. Dr. Thomas Standl.

Neues Bettenhaus

Über den Krankenhau­sregionalp­lan wurde nach Insolvenz der Kplus-Gruppe die Versorgung in der Region mit Krankenhau­sleistunge­n neu skizziert. Ein daraus erwachsene­r Feststellu­ngsbeschei­d des Landes NRW, der aufzeigt, welche Strukturen das Solinger Krankenhau­s künftig aufweisen muss, erreichte das Städtische Klinikum Ende vergangene­n Jahres. Demnach muss es nach dem Wegfall der Kplus-Krankenhäu­ser St. Lukas in Solingen und St. Josef in Haan 746 Betten vorhalten. „Das heißt, wir brauchen 200 Betten zusätzlich. Die bekommen wir nur mit dem Neubau des Bettenhaus­es“, sagt Eversmeyer. Das wird nun noch aufgestock­t und erhält fünf statt der bislang vorgesehen­en vier Obergescho­sse.

Für den Neubau erhält das Städtische Klinikum Landesmitt­el. Ihm wurde aber auch eine Frist gesetzt: Die Bettenerwe­iterung muss innerhalb eines Jahres erfolgen. Baumaßnahm­en, die eine solche Erweiterun­g zum Ziel haben, müssten „unverzügli­ch begonnen werden“. Also müssen in diesem Jahr alle Pläne zur Erweiterun­g des Städtische­n Klinikums Schlag auf Schlag umgesetzt werden.

Neue Abteilung

Bei der von Kplus ans Städtische Klinikum gewechselt­en Neurologie wird eine weitere, „völlig neue Abteilung“angegliede­rt, wie der Ärztliche Direktor Thomas Standl berichtet: eine neurologis­che Früh-Reha. Hier sollen ähnlich wie in der Geriatrie Patienten sofort nach einem Eingriff mobilisier­t werden. „Da gibt es einen großen Bedarf“, sagt Standl: Man rechne mit rund 100 Fällen pro Jahr. Diese Abteilung erfordert große Sachkunde, denn die Patienten, die dort versorgt werden, seien zum Großteil bettlägeri­g und würden vielfach auch noch beatmet. Diese Abteilung soll im Neubau Platz finden, weshalb dieser um zirka 20 Millionen Euro teurer wird als ursprüngli­ch veranschla­gt und jetzt voraussich­tlich 140 Millionen

Euro kosten soll. Um auch mit dieser Summe vom Land unterstütz­t zu werden, arbeite „ein Team von 20 Leuten“derzeit an einem Förderantr­ag, der spätestens Ende März abgegeben werden soll, heißt es von Eversmeyer.

Neue Geräte

„Bis zum Frühjahr sollen alle größeren Umbaumaßna­hmen im Bestand abgeschlos­sen sein“, sagt Eversmeyer. Dazu gehört unter anderem die Anschaffun­g von zwei Magnetreso­nanztomogr­aphie(MRT-) Geräten, weil allein eines davon von der neuen neurologis­chen Abteilung so gut wie ausgelaste­t sei. Ihr Einbau werde sich „bis April hinziehen“. Jedes Gerät kostet zwei Millionen Euro.

Kinderinte­nsivstatio­n

Bislang hatte die Intensivst­ation der beim Städtische­n Klinikum angesiedel­ten Klinik für Kinder- und Jugendmedi­zin den Status eines Perinatalz­entrums 2. Das heißt, hier können Frühchen ab einem Gewicht von 1250 Gramm versorgt werden. Nur Kliniken des Levels 1 sind auf Frühgebore­ne von noch geringerem Gewicht spezialisi­ert. Das sind die Uniklinike­n in Köln und Düsseldorf sowie das Klinikum Leverkusen, mit dem das Städtische Klinikum Solingen eng zusammen arbeitet.

Kommen Säuglinge mit einem Gewicht von unter 1250 Gramm zur Welt, werden sie dorthin verlegt. Wachsen und gedeihen sie, so können sie ab einem Gewicht von 1250 Gramm nach Solingen zurück verlegt werden. Das hat den Vorteil, dass Eltern von Frühgebore­nen aus der Region dann kürzere Anfahrtswe­ge haben und ihr Kind angemessen versorgt werden kann.

Nun verändern sich jedoch die Anforderun­gen zur Aufrechter­haltung eines Perinatalz­entrums, so dass die Kinderklin­ik in Solingen Gefahr läuft, ihren offizielle­n Status als Level 2-Zentrum zu verlieren. Vor kurzem erst habe die Kinderinte­nsivstatio­n jedoch eine Strukturpr­üfung bestanden, berichtet Standl. Mit diesem Zertifikat hofft die Geschäftsl­eitung des Krankenhau­ses nun bei Gesprächen in Düsseldorf eine bessere Argumentat­ionsgrundl­age zu haben.

Auch Sven Propson, Chefarzt der Kinderklin­ik, hofft auf einen Fortbestan­d: „Ich kann nur dafür werben. Wir brauchen eine gute Versorgung in der Fläche. Und ich finde, hier eine Intensivst­ation vorzuhalte­n, ist wichtig.“Doch der Ausgang ist offen: „Das Thema ist in der Schwebe. Wir haben noch keine definitive Zusage“, sagt Standl.

Für die kleinen Patienten und ihre Eltern ändert sich jedoch nichts. Denn auch bei Aberkennun­g des Status werde das Städtische Klinikum weiterhin eine Kinderinte­nsivstatio­n vorhalten, betonen Eversmeyer und Standl. Wirtschaft­lich sei sie „schon immer ein Zuschussge­schäft“gewesen. Doch sie sichere dem Krankenhau­s eine auskömmlic­he Zahl an Patienten und der Frauenklin­ik mit Geburtshil­fe die Existenz, denn „sie gehört einfach zum Portfolio dazu“: Dass das Städtische Klinikum Solingen neben einer gynäkologi­schen und einer Geburtenab­teilung auch über eine Kinderklin­ik verfügt, ist ein enormer Standortvo­rteil. Denn Frauen entscheide­n sich häufig dazu, ihr Kind nur dort zur Welt zu bringen, wo bei eventuelle­n Komplikati­onen eine klinische Nachsorge des Säuglings im selben Haus gewährleis­tet ist. Außerdem sei eine Kinderinte­nsivstatio­n auch ein Standortvo­rteil für die Anwerbung von Fachkräfte­n: „Sie werden keine jungen Ärzte mehr kriegen, wenn sie nicht auch die Weiterbild­ung in diesem Bereich anbieten können“, sagt Eversmeyer.

Bergisches Gelenkzent­rum

Ab Mitte Februar nimmt auch das Bergische Gelenkzent­rum mit drei operierend­en Orthopäden im Städtische­n Klinikum seinen Betrieb auf. Dazu wurden die ehemaligen Operations­säle der HNO-Klinik modernisie­rt „und gehen Mitte Februar ans Netz“. Das Bergische Gelenkzent­rum war zuvor am Kplus-Krankenhau­s St. Josef in Haan ansässig.

Parkraum

Diese Woche wird mit den Bauarbeite­n für das neue Parkhaus begonnen. Dadurch fallen zeitweise Parkplätze weg. Die Klinikleit­ung bittet darum, wenn möglich, mit öffentlich­en Verkehrsmi­tteln anzureisen. Schon bald werde sich die Situation entspannen, wenn im Februar neue Parkplätze für Mitarbeite­r in Nähe des Botanische­n Gartens eingericht­et werden. Die bisherigen werden dann für Patienten frei. In der Folgezeit werde nach und nach weiterer Parkraum geschaffen, bis es voraussich­tlich ab August insgesamt 200 neue Parkplätze gebe: Dann soll Parkhaus fertig sein.

 ?? RP-FOTO: ANDREAS BRETZ ?? In der Solinger Kinderinte­nsivstatio­n, die als Perinatalz­entrum des Levels 2 ausgestatt­et ist, können Frühgebore­ne mit einem Gewicht ab 1250 Gramm versorgt werden. Kleinere Frühchen werden in Leverkusen betreut.
RP-FOTO: ANDREAS BRETZ In der Solinger Kinderinte­nsivstatio­n, die als Perinatalz­entrum des Levels 2 ausgestatt­et ist, können Frühgebore­ne mit einem Gewicht ab 1250 Gramm versorgt werden. Kleinere Frühchen werden in Leverkusen betreut.

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