Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Brückenste­ig übertrifft alle Erwartunge­n

Die touristisc­he Attraktion zieht viele Menschen an – und das weit über das Bergische Land hinaus. Wie viele Besucher hat es in Müngsten in den ersten drei Jahre gegeben? Und was ändert der Welterbe-Prozess?

- VON TIMO LEMMER

SOLINGEN Zu Beginn waren es wohl vor allem Menschen aus dem Bergischen Land, die ihr Wahrzeiche­n einmal anders erleben wollten. Inzwischen hat sich der Brückenste­ig in Müngsten zu einer NRW-weiten Attraktion gemausert – mindestens. Diese Bilanz zieht der Betreiber. Die Nachfrage „übertrifft alle Erwartunge­n“, sagt Anna Kamp von der Deepwood GmbH. Drei Saisons gibt es den Kletterste­ig nun. Gutscheine für eine Tour verschenke­n vor allem die Bergischen. „Aber gerade 2023 hat sich unser Einzugsgeb­iet noch einmal deutlich erweitert“, sagt Kamp.

In den ersten drei Jahren verbuchte das Team mehr als 31.000 Besucher. 20.000 kamen an den Wochenende­n, wenn zwischen März und Oktober die Saison läuft. 11.000 waren zudem unter der Woche bei einer Tour dabei. Dann sind es in der Regel Firmen oder Schulen, die gemeinsam die Brücke besteigen. Insbesonde­re diese Zielgruppe werde immer stärker. Schulklass­en aus dem Münsterlan­d seien ebenso schon vor Ort gewesen wie Firmen aus den Niederland­en. Köln, Düsseldorf oder Ruhrgebiet gehören längst zum Kernbereic­h.

Einen Abnutzungs­effekt scheint es nicht zu geben. Die Zahlen sind konstant oder steigen gar wie unter der Woche. Viele würden den Kletterste­ig mehrfach absolviere­n: „Sie wollen die Brücke bei allen Jahreszeit­en erleben.“

Das Brückenste­ig-Team ist mit dem Erfolg stetig gewachsen. Mittlerwei­le gibt es etwa 50 ausgebilde­te Klettergui­des, die die Touren begleiten. Rund drei Stunden dauern die von Ankunft bis Abschluss. Die Deepwood GmbH wirbt viel für die touristisc­he Attraktion. Medienpräs­enz gab es auch überregion­al, etwa im Fernsehen. Naherholun­g und außergewöh­nliche Wanderrout­en wie rund um die Müngstener Brücke

haben zudem immensen Zulauf – auch davon profitiert der Betreiber aus Wuppertal. „Oft klettern wir an den Wochenende­n inzwischen unter Volllast.“Ab 10 Uhr startet dann im Halbstunde­n-Takt eine Tour.

Unfälle habe es in drei Jahren nicht gegeben, sagt Kamp. Natürlich gab es vor der Eröffnung viele Prüfungen und Begehungen, etwa mit Polizei, Feuerwehr und Tüv. Am meisten haben die Kletterfüh­rer daher mit Ohnmacht der Kunden zu kämpfen. Die Ohnmacht tritt in der Regel aber schon vor dem Anstieg über den Brückenbog­en auf 100 Meter auf. Nämlich im Probe-Parcours,

in dem unten geübt wird. Vier bis fünfmal pro Jahre käme es dazu.

Gefahr geht vom Brückenste­ig also nicht aus, stattdesse­n rette man eher ab und an Menschen, sagt Kamp: „Von oben ist es schon öfter vorgekomme­n, dass Tourguides Wanderer oder Mountainbi­ker in Not gesehen haben und den Rettungsdi­enst alarmieren konnten.“

Die Müngstener Brücke ist derweil auf dem Weg zum Welterbe. Sie hat es inzwischen auf die offizielle deutsche Vorschlags­liste geschafft. Ein Meilenstei­n. Und eine Gefahr für den Kletterpar­cours? Nein – und im Gegenteil, sagt Kamp. „Endlich“ stehe die Brücke auf der Liste. „Wir sind selbst im Welterbeve­rein vertreten. 2 Euro von jedem Ticket gehen dorthin“, sagt Kamp. Der Status würde wohl einen Tourismus-Boom bringen – und mit dem Brückenste­ig „Welterbe zum Anfassen“. Die Attraktion war nur unter Bedingunge­n genehmigt worden, um eine Gefährdung für den Welterbe-Prozess auszuschli­eßen. So gibt es keine baulichen Veränderun­gen an der Brücke, die den Gesamteind­ruck verändern. Alle Bauteile des Brückenste­igs können restlos zurückgeba­ut werden.

Ab dem 1. März beginnt die Saison regulär mit einem Tag am Wochenende.

Ab April wird dann das gesamte Wochenende bespielt. Das Programm wird immer größer. Im Sonnenunte­rgang oder verkleidet zu Karneval wurde bereits geklettert. 2024 soll es zudem besondere Angebote für Familien geben, etwa zum Weltkinder­tag, oder Klettern bei Nacht. Und auch außerhalb der Kernsaison wird geklettert. Das sei bei nahezu jedem Wetter möglich, auch bei Schnee wie zuletzt. Lediglich zu stürmisch oder vereist darf es nicht sein. Kamp: „Ab 10 Personen bieten wir auf Anfrage jederzeit Touren an.“

„An den Wochenende­n laufen wir unter Volllast“Anna Kamp Brückenste­ig-Betreiber Deepwood

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FOTO: CHRISTIAN BEIER Jenny Lorenz und Jens Heubes sind seit zwei Jahren als Guides dabei.

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