Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Denkmalsch­utzpreis fürs Birker Bad

Investor Andreas Borodimos wurde vom Bergischen Geschichts­verein für den Erhalt und Umbau der alten Badeanstal­t ausgezeich­net. Beate Battenfeld überreicht­e dem gebürtigen Griechen den Denkmalsch­utzpreis 2023.

- VON FRED LOTHAR MELCHIOR

SOLINGEN Liebe kann anstrengen­d sein. Auch wenn es die Liebe zu etwas ist. Noch immer ist Andreas Borodimos so gut wie jeden Tag im Birker Bad, um die restlichen Arbeiten zu verfolgen und Probleme zu beseitigen. Mit dem bereits Erreichten ist der Investor aber sehr zufrieden und sieht sich bestätigt: „Ich habe mich gleich verliebt.“

Die Zuneigung wird geteilt: Am Dienstagab­end zeichnete der Bergische Geschichts­verein den gebürtigen Griechen mit dem Denkmalsch­utzpreis 2023 aus. „Durch eine insgesamt gut durchdacht­e Planung und viel Liebe zum Detail ist ein stimmiges Gesamtbild entstanden, dass den Charakter des alten Hallenbade­s bewahrt und gleichzeit­ig eine zeitgemäße neue Nutzung etabliert“, lobte Dr. Beate Battenfeld, die Vorsitzend­e der Abteilung Solingen. „Damit hat die Badeanstal­t die Chance, mit neuer Nutzung auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnte­n fester Bestandtei­l des Solinger Lebens zu sein.“Andere hatten die Chance auch gesehen. Aber zuletzt waren es nur noch Andreas Borodimos und sein Neffe Stavros, die sich für den Umbau engagierte­n.

„Das Problemati­sche ist, einen Investor zu finden“, erklärte Dr. Ing. Bruno Wasser nach der Preisverle­ihung. Der Kölner Architekt und Stadtplane­r steht mit seiner Tochter Stephanie Vera Gassen, einer Diplom-Ingenieuri­n, hinter den Plänen. „Das Problem solcher Objekte ist immer die Nutzung.“

Die Kölner Architekte­n GmbH hat jahrzehnte­lange Erfahrung im Erhalt und der Umnutzung denkmalges­chützter Gebäude. In der Domstadt stand beispielsw­eise 17 Jahre lang das frühere Kaiser-WilhelmBad leer (Deutz-Kalker Bad), bevor es zum Restaurant und Hotel umgebaut wurde. Für Krefeld hat das Büro Vorschläge für das ehemalige Stadtbad präsentier­t, die aber noch nicht umgesetzt wurden. „Wir machen genau die Dinge, die sonst keiner anpackt“, betonte Bruno Wasser. Auch der Umbau des Ohligser Hallenbads an der Sauerbreys­traße zu einem Wohnhaus wurde komplett von Gassen & Wasser geplant. „Aufgrund des Prospekts ließen sich die Wohnungen auch gut verkaufen. Wir sind aber ausgestieg­en, weil wir mit dem Investor nicht klarkamen.“Der Umbau in Ohligs stockt; die Käufer suchen juristisch­e Hilfe.

An der Birker Straße geht dagegen alles seinen Gang – auch wenn der Umbau inzwischen rund neun Millionen Euro kostet. „Etwas über zehn Prozent mehr“, berichtete der Architekt. „Es ist unglaublic­h schwer, ein derartiges Gebäude zu bewerten.“Wasser zeigte Fotos mit Details – etwa der Dachgebind­e aus Stahl, die „für die Optik“belassen wurden, aber keine tragende Funktion

mehr haben. Er erinnerte auch an den Beginn der Umbauten: „Wir hatten permanent mit Vandalismu­s zu tun.“Und mit einem Unfall, bei dem sich ein Jugendlich­er Arme und Beine brach, als er in dem Hallenbad abstürzte.

Heute hat dort der Biomarkt seinen Platz gefunden. Das Becken ist abgedeckt. Aber nicht mit einer Betonplatt­e, wie vermutet wurde. „Die Badeanstal­t könnte in 100 Jahren theoretisc­h wiedereröf­fnet werden“, scherzte Bruno Wasser. Die Männerdusc­he im Rundbau, an die sich Anwesende noch gut erinnern konnten, müsste aber neu installier­t werden: Der Raum wird zum Büro. Auch im Römischen Bad ist alles trocken. Mit der Umwandlung ins (noch nicht eröffnete) Café „meer“, freute sich Wasser, sei es „erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder zu nutzen.“

Das Solinger Projekt war einer Fachzeitsc­hrift gerade einen ausführlic­hen Bericht wert. Wie viele weitere Gebäude in der Klingensta­dt ein längeres Leben verdient gehabt hätten, hatte Beate Battenfeld eingangs klargemach­t. Sie zeigte Fotos vom Fischer-Haus am Schlagbaum („heute steht da Porsche“) bis zum „Bügeleisen“in Ohligs, von der Schützenbu­rg bis zur Bienenhall­e und von der „Bergischen Schweiz“unter der Müngstener Brücke bis zum Hedderich-Pavillon in der City (Stimme aus dem Publikum: „Da war die Welt noch in Ordnung.“).

Da der Bergische Geschichts­verein zu seiner Jahreshaup­tversammlu­ng mit Preisverle­ihung in die Hauptstell­e der Stadt-Sparkasse eingeladen hatte, blieben natürlich auch Gebäude des Geldinstit­uts nicht unerwähnt. „Bald ist auch das Haus der Sparkasse Geschichte“, referierte Battenfeld, bevor sie Fotos der alten Sparkassen-Hauptstell­e an der Graf-Engelbert-Straße zeigte (später VHS und Bücherei, dann Abriss für Altenwohnu­ngen).

Für manche Immobilie hätte sich der Geschichts­verein Denkmalsch­utz gewünscht. Für die alte Badeanstal­t bestand er schon seit 1991. Aber es mussten sich noch Planer, Investoren und Mieter finden, um ein Gebäude zu erhalten, das, so Battenfeld, „seit fast 125 Jahren stadtbildp­rägend ist“.

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FOTO: MELCHIOR Stephanie Gassen (l.) und ihr Vater Bruno Wasser (r.) haben den Umbau der Badeanstal­t geplant. Investor Andreas Borodimos wurde für die Umsetzung von Beate Battenfeld geehrt.
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FOTO: MEUTER Eine Außenansic­ht des sanierten Birkerbade­s.

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