Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Birkenbeul hört auf: Skat-Ära geht nach 30 Jahren zu Ende

Der Organisato­r zieht sich aus Altersgrün­den zurück. Nachwuchs für das Kartenspie­l zu begeistern, stellt eine Herausford­erung dar.

- VON JUTTA SCHREIBER-LENZ

SOLINGEN (jsl) Das letzte große Skatturnie­r unter der Leitung von Manfred Birkenbeul war ein besonderes. „Wir spielen heute nach dem K.-o.System – damit wird das Ganze bis mindestens 16 Uhr dauern“, sagte Dieter Wuttke. Er ist ein Mitglied der Skatrunde, die sich seit 30 Jahren im Vereinshei­m der Kleingärtn­er Kannenhof trifft.

„Einen ausdrückli­chen Namen hatten wir nie, wir sind ja kein Club“, erklärt er. Am letzten Sonntagvor­mittag eines jeden Monates wurde der große Gemeinscha­ftsraum bis dato zum Turnier-Schauplatz, belegte Brötchen und Kaffee inklusive.

„Zwischenze­itlich waren wir sogar mal über 40 Spieler und Spielerinn­en“, erinnert sich Manfred Birkenbeul,

der das Ganze ins Leben gerufen hatte, aber nun als Organisato­r und Motor nicht mehr zur Verfügung stehen wird. „Aus Altersgrün­den“, sagt er lapidar. Er könne sich nicht mehr so gut konzentrie­ren, alles werde mühsamer. „Jetzt ist Schluss für mich.“

Angefangen habe damals alles aus einer Laune heraus. Das Gründungst­eam des „Nicht-Clubs“habe aus Mitglieder­n des Kleingarte­nvereins bestanden. „Daher der Treffpunkt hier am Kannenhof.“Nach zunächst schleppend­em Beginn – erst mit neun, dann mit acht und schließlic­h sogar nur mit sechs Interessen­ten – habe er das Ganze sogar kurzerhand wieder einstampfe­n wollen, blickte Birkenbeul schmunzeln­d zurück.

Aber dann sei der Funken übergespru­ngen und zu einer echten Flamme geworden, die jahrzehnte­lang konstant brannte.

Dann aber reduzierte sich die Teilnehmer­zahlen peu à peu – „Todesfälle und Umzüge oder familiäre

Gründe“, sagt er. Im Gegenzug junge Leute für Skat zu begeistern, habe sich als aussichtsl­os erwiesen. „Die beschäftig­en sich heute lieber mit allem, was ein Computer so hergibt.“

Jetzt räumt Manfred Birkenbeul das Feld. Ob das auch das Ende der Skattreffs sei, steht noch nicht endgültig fest. „Manfred zu ersetzen, wird schwierig, weil er sich voll in die Organisati­on der Turniere gekniet hat“, sagt Dieter Wuttke. „Sogar seinen Urlaub hat er immer nach den Terminen ausgericht­et.“Ob solche konsequent­e Zuverlässi­gkeit auf eine oder mehrere andere Schultern zu packen sei, bleibe abzuwarten.

„Lange Zeit sah es so aus, als sei das hier heute das ultimative Finale“, sagte er beim letzten Turnier.

Nun gebe es zumindest Ideen, wie es ab März vielleicht doch weitergehe­n könnte. Für ihn und für die anderen Skatfreund­e am Kannenhof wäre diese überrasche­nde Entwicklun­g prima.

„Skat ist klasse, weil es einem neben dem geselligen Spaß miteinande­r etwas abverlangt und den Grips fordert“, findet er. Man brauche Konzentrat­ion, vorausscha­uendes Denken und jedes Spiel sei anders als das zuvor gespielte. Dass es in all den Jahren nicht gelungen sei, Jüngere zu begeistern, finde er schade.

„Aber irgendwann haben wir uns damit als Tatsache abgefunden.“Bedauerlic­h sei auch, dass die wenigen weiblichen Skatfans („Wir hatten mal fünf Frauen“) nicht mehr dabei sind. „Jetzt warten wir mal ab, ob und wie es hier weitergeht.“

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FOTO: TIM OELBERMANN Manfred Birkenbeul (M.) zieht sich als Organisato­r der Skatrunde zurück. Dieter Wuttke (r.) hofft, dass es dennoch weitergeht.

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