Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Dreiste Produkt-Fälschunge­n erneut angeprange­rt

Aktion Plagiarius: Verein prangert dreiste Fälschunge­n an, um auf Produkt- und Markenpira­terie aufmerksam zu machen.

- VON MANUEL BÖHNKE

SOLINGEN/FRANKFURT Der Schaden ist immens. 2022 wurden in der Europäisch­en Union und an ihren Außengrenz­en gefälschte Waren mit einem geschätzte­n Wert von mehr als zwei Milliarden Euro beschlagna­hmt. Dabei handele es sich lediglich um „die Spitze des Eisbergs“, betont die Aktion Plagiarius. Um auf Produkt- und Markenpira­terie aufmerksam zu machen, hat der Verein auf der Internatio­nalen Konsumgüte­rmesse Ambiente jetzt zum 48. Mal eine Negativaus­zeichnung für dreiste Nachahmung­en verliehen. Ab Freitag, 2. Februar, sind sie samt der Originale im Museum Plagiarius im Südpark zu sehen. Die Fälschunge­n kommen aus nahezu allen Branchen – Wohnen, Küche, Haushalt / Gastronomi­e / Automobil sowie unter anderem Messtechni­k und Markenbekl­eidung.

Die Fachjury hat in diesem Jahr drei Haupt- sowie zwei Sonderprei­se und vier gleichrang­ige „Ehrungen“vergeben. Den zweifelhaf­ten ersten Platz belegt die Bayerische Glaswerke GmbH, die eine Glasserie der Zalto Glas GmbH aus dem österreich­ischen Gmünd abgekupfer­t habe. Dahinter landet die niederländ­ische

GDR-Trading BV. Das Unternehme­n habe etwa einen VW-Käfer-Bausatz auf den Markt gebracht. Das Kultmodell ist EU-weit als 3D-Marke geschützt, ebenso wie das Logo des Automobilh­erstellers.

Den dritten Rang belegt eine Firma aus China für das Plagiat einer Kugelbahn der Cuboro AG aus der Schweiz. Vertrieben wurde die 50 Prozent günstigere Nachahmung über taobao.com. Chinesisch­e Internetpl­attformen wie diese erobern laut der Aktion Plagiarius die Welt. Häufig im Angebot: rechtsverl­etzende Fälschunge­n, andere Waren erfüllen nicht die europäisch­en Sicherheit­sbestimmun­gen.

Ihnen ist der Sonderprei­s „Online-Marktplatz für Hyänen“gewidmet. Dieser geht an temu.com, alibaba.com sowie fruugo.com. Dort wurden unzählige Kopien eines Besteckset­s des hessischen Unternehme­ns Koziol gehandelt.

Die zweite Sonderausz­eichnung „Kreativ-Schmarotze­r“verleiht die Aktion Plagiarius an die Streetwall 68 GmbH aus Wülfrath. Die habe das Puma-Logo auf einem T-Shirt in „Pumba“, das Warzenschw­ein aus „König der Löwen“, verwandelt, dabei aber „alle wesentlich­en Strukturme­rkmale“des Vorbilds übernommen. Die Aktion Plagiarius fordert, härter gegen solche Fälle vorzugehen. Es brauche abschrecke­ndere Strafen. Zudem seien strengere Regularien für Onlinehänd­ler nötig. Und mehr Aufklärung­sarbeit.

In einer aktuellen Studie gaben 26 Prozent der 15- bis 24-Jährigen an, im vergangene­n Jahr wissentlic­h Plagiate gekauft zu haben. Der Verein betont: „Ist die verlockend­e Markenfäls­chung zum Schnäppche­npreis nur einen Mausklick entfernt, werden die sonst laut proklamier­ten Ansprüche der Generation Z an Authentizi­tät und Nachhaltig­keit vorübergeh­end über Bord geworfen.“

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