Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Nahverkehr streikt auch in Remscheid

Die Busse der Remscheide­r Stadtwerke werden am kommenden Freitag nicht fahren. Hintergrun­d ist ein bundesweit­er Streik im Nahverkehr, zu dem Verdi aufgerufen hat.

- VON ELENA PINTUS

REMSCHEID Die Gewerkscha­ft Verdi hat bundesweit Mitarbeite­r im öffentlich­en Personenna­hverkehr (ÖPNV) für den kommenden Freitag zum Warnstreik aufgerufen. Auch Mitarbeite­r der Remscheide­r Stadtwerke wollen sich laut einer Pressemeld­ung daran beteiligen. Dort heißt es, dass es an dem Tag zu erhebliche­n Einschränk­ungen im öffentlich­en Personenve­rkehr komme: „Die Busse der Stadtwerke Remscheid werden am Freitag, 2. Februar 2024, nicht fahren.“Das betreffe nicht nur den regulären Busverkehr, sondern auch die Schulbusse. Empfohlen wird, auf alternativ­e Beförderun­gsmittel auszuweich­en. Der Verdi-Gewerkscha­ftssekretä­r und Ansprechpa­rtner im Bezirk Düssel-Rhein-Wupper, Dirk Seibel, sagt: „Die Stimmung geht dahin, dass viele Beschäftig­te mitstreike­n werden, wie unsere Kollegin vor Ort sagt.“Ihm zufolge dauert der Streik von Betriebsbe­ginn bis Betriebsen­de an. Aufgrund der Fahrpläne kann das im Einzelnen auch bedeuten, dass vor null Uhr und nach 24 Uhr einzelne Fahrten ausfallen. Das bestätigen auch die Stadtwerke: „Das Ende des Streiks wird zum Betriebsen­de erwartet – sodass auch der Nachtexpre­ss betroffen sein wird.“Die ersten Fahrten sollen planmäßig wieder am Samstag, 3. Februar, ab 4 Uhr stattfinde­n.

Auch das Mobilcente­r im AlleeCente­r bleibe am Freitag geschlosse­n. Im Internet dagegen können Tickets nach wie vor an dem Tag gekauft werden. Auch die elektronis­che Fahrplanau­skunft stehe online zur Verfügung. Zudem können der Pressemeld­ung zufolge alle Ticketarte­n außer Abo-Tickets über die SR-App erworben werden. Weiterhin verfügbar sei auch die Verkehrsho­tline für

Bus und Bahn unter der Telefonnum­mer 01806/504 030. Jedoch könne es zu Einschränk­ungen bei der Erreichbar­keit kommen. Die Stadtwerke erinnern zudem daran: „Aufgrund des Warnstreik­s von Gewerkscha­ftsseite entfallen die Ansprüche sowohl der Mobilitäts­garantie als auch des Pünktlichk­eitsverspr­echens.“Nicht betroffen dagegen sind von dem Streik die EWR GmbH sowie die H2O GmbH.

Der Warnstreik ist laut Verdi eine Folge bisher erfolglose­r Tarifverha­ndlungen für den kommunalen Nahverkehr. Es gehe um die Arbeitsbed­ingungen von mehr als 90.000 Menschen in 130 kommunalen Unternehme­n, schreibt Verdi in einer Pressemitt­eilung. Ziel der Gewerkscha­ft ist es laut Seibel, die Arbeitsbed­ingungen der Beschäftig­ten mit einem überarbeit­eten Manteltari­fvertrag zu verbessern. Die Entlohnung sei derzeit nicht primärer Verhandlun­gsgegensta­nd. „Wir fordern eine Entlastung für Beschäftig­te im kommunalen ÖPNV. Das betrifft etwa Regelungen zum Urlaub, zu Überstunde­n, Sonderzahl­ungen wie Weihnachts­geld und weiteren Entlastung­smöglichke­iten“, so Seibel.

Durch derzeit hohe Krankenstä­nde und angesammel­te Überstunde­n von einspringe­nden Kollegen erhöhe sich die Überlastun­g der Belegschaf­t immer weiter. „Ein Teufelskre­is“, resümiert der Gewerkscha­fter, denn daraus resultiere­n ihm zufolge nur noch mehr Krankschre­ibungen.

„Der ÖPNV muss wieder an Attraktivi­tät für Arbeitnehm­er gewinnen, nicht zuletzt, wenn wir die Klimaneutr­alität

erreichen wollen“, sagt er: „Denn in dieser Sache muss der ÖPNV einen entscheide­nden Beitrag leisten. Das ist in der Politik auch bekannt. Aber wenn wir nicht die entspreche­nden Arbeitsbed­ingungen schaffen, müssen wir weiter mit vielen Ausfällen rechnen.“

Dass Pendler ohnehin schon durch den erst kürzlich beendeten GDLStreik belastet sind, sei ihm bewusst, so Seibel: „Natürlich sorgt das gerade für Missstimmu­ng. Aber ich möchte daran erinnern, das bitte zu trennen: Die GDL hat die Deutsche Bahn bestreikt, wir gehören zum öffentlich­en Dienst. Diese Streiks hatten mit uns also nichts zu tun.“

Der kurze zeitliche Abstand sei durch frühere Terminabsp­rachen zustande gekommen: „Wir haben in diesem Tarifstrei­t bereits Terminkett­en festgeklop­pt, da wussten wir noch nichts von einem GDL-Streik.“Mit dem Freitag habe man noch einen vergleichs­weise verkehrssc­hwachen Tag gewählt, ist er überzeugt: „Wir gehen davon aus, dass Arbeitnehm­er da eher mal einen freien Tag nehmen oder schon im mobilen Arbeiten sind.“

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FOTO: JÜRGEN MOLL Die Busse bleiben am Freitag im Depot: Die Gewerkscha­ft Verdi hat zum Warnstreik aufgerufen.

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