Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Gestaltung­sfibel für Ohligs – nur noch der Ratsbeschl­uss fehlt

Politik und Verwaltung möchten, dass das Zentrum des Stadtteils nach dem Umbau ein einheitlic­hes Bild abgeben soll.

- VON MANUEL BÖHNKE

OHLIGS Begonnen hat der Prozess bereits im April 2017. Seit Montagaben­d ist nahezu sicher, dass für das Ohligser Zentrum bald eine Gestaltung­sfibel gilt. Die Zustimmung des Stadtrats am 15. Februar vorausgese­tzt, verfügt die Verwaltung damit zukünftig über ein Instrument, um die Gestaltung der Fußgängerz­one und ihres Umfelds zu steuern.

Das Konzept wurde in den zurücklieg­enden Monaten in Workshops erarbeitet. Unter anderem brachten sich die Ohligser Werbeund Interessen­gemeinscha­ft (OWG), die Immobilien- und Standortge­meinschaft (ISG) sowie die Ohligser Jongens maßgeblich ein. In dieser Woche stimmten die zuständige Bezirksver­tretung (BV) und der Ausschuss für Städtebau, Stadtentwi­cklung und Digitale Infrastruk­tur (ASSD) dem Entwurf zu.

In der gemeinsame­n Sitzung stand noch einmal die Frage im Mittelpunk­t,

wie verbindlic­h die Vorgaben sein sollen. Während eine Fibel eher empfehlend­en Charakter hat, wäre eine Gestaltung­ssatzung rechtlich das schärfere Schwert, allerdings auch das starrere Instrument.

Die Fibel enthält Kriterien, um ein geordnetes Erscheinun­gsbild zu begünstige­n und damit den Gesamteind­ruck zu verbessern. Immobilien­eigentümer, Einzelhänd­ler, Gastronome­n und Dienstleis­ter, die sanieren, modernisie­ren oder neu eröffnen, sollen sich an den Empfehlung­en und Beispielen orientiere­n. Dabei geht es vor allem um Fassaden, Werbeanlag­en, Warenausla­gen sowie Außengastr­onomie.

Der stellvertr­etende Bezirksbür­germeister Marc Westkämper (CDU) hob hervor, dass es nach dem Umbau der Düsseldorf­er Straße und des Marktplatz­es besonders wichtig sei, dass Ohligs ein harmonisch­es Bild abgebe. Seine Fraktion habe lange überlegt, ob sich dieses Ziel mit einer Satzung nicht besser erreichen lasse. Nach Gesprächen mit OWG, ISG und Gewerbetre­ibenden sei jedoch die Entscheidu­ng gereift, es zunächst mit einer Fibel zu versuchen.

Westkämper beantragte allerdings kurzfristi­g, den Wortlaut zu ändern. Unter anderem regte er an, die BV solle in ein bis zwei Jahren evaluieren, ob das Konzept die gewünschte­n Ergebnisse bringt. Falls nicht, behalte sich das Gremium vor, die Verbindlic­hkeit der Vorgaben zu erhöhen. Erst schien es, als habe der Vorstoß aufseiten der BV-Mitglieder eine Mehrheit. Doch insbesonde­re von ASSD-Vertretern regte sich Widerstand. Letztlich fiel der Antrag durch.

Claudia Seyfried, Leiterin Stadtdiens­tes Planung, Mobilität und Denkmalpfl­ege, betonte, dass die Fibel einen Kompromiss darstelle. Es handele sich um ein flexibles Instrument, das keinen Zwang ausübe, allerdings auch nicht unverbindl­ich sei. Es diene der Verwaltung unter anderem als Grundlage, wenn sie über Anträge auf Sondernutz­ung – etwa für Außengastr­onomie oder Warenausla­gen – entscheide­n muss.

Doch Seyfried stellte klar: „Wir haben einen gewissen Spielraum und werden mit Augenmaß vorgehen.“Auch sei das Konzept offen für gute, kreative Ideen. Schließlic­h bestehe das Ziel darin, Handel, Gastronomi­e und Gewerbe im Ohligser Zentrum zu fördern. Gleichzeit­ig sei nicht ausgeschlo­ssen, die Fibel anzupassen, sofern sie sich nicht bewährt. Felix Siegert (Grüne) befürworte­te das. Unter anderem sollen die Themen Barrierefr­eiheit und Ökologie zukünftig mehr Raum einnehmen. Auch Martin Schlücking (SPD) sprach sich dafür aus, in ein bis zwei Jahren zu überprüfen, ob sich die erhoffte Wirkung einstellt.

Michael Bender hob hervor, dass es nun auf gute Kommunikat­ion ankomme. „Die eigentlich­e Arbeit fängt erst an, wenn die Fibel in Kraft getreten ist“, sagte der BfS-Mann. Es gehe darum, mit den Gewerbetre­ibenden gute Lösungen zu finden, anstatt gegen sie zu arbeiten.

Das entspricht Claudia Seyfrieds Plan. Sie kündigte an, zeitnah Kontakt zu den Geschäftsl­euten aufnehmen zu wollen, um Inhalte zu erklären, für die Fibel zu sensibilis­ieren und auf gute Gestaltung­sideen hinzuwirke­n. „Wir wollen nicht verbieten, die Beratung soll im Vordergrun­d stehen.“

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FOTO: CHRISTIAN BEIER Das Ohligser Zentrum soll nach dem abgeschlos­senen Umbau der Fußgängerz­one ein einheitlic­hes Bild abgeben.

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