Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Führungspr­ojekt stählt Pflegenach­wuchs

Angehende Pflegekräf­te übernahmen für rund eine Woche einen kompletten Wohnbereic­h im St. Joseph Altenheim. Damit war zum ersten Mal eine Seniorenei­nrichtung Teil des Projekts.

- VON ALEXANDER RIEDEL

SOLINGEN / HAAN Für Silke Ebert war die abgelaufen­e Arbeitswoc­he ein „Heimspiel“, wie sie verrät. Denn schließlic­h ist das St. Joseph Altenheim an der Langhansst­raße schon seit vielen Jahren ihre Wirkungsst­ätte. Dort hatte sie im Jahr 2011 ihre Arbeit als Betreuungs­kraft für Menschen mit Demenzerkr­ankungen begonnen. Dort fiel ihre Entscheidu­ng, sich zur Pflegefach­frau ausbilden zu lassen. Und an diesem wohlvertra­uten Ort nahm sie jetzt auch am inzwischen traditione­llen Führungspr­ojekt für Pflegeschü­ler des Katholisch­en Bildungsze­ntrums Haan (KBZ) teil.

Und dennoch: Ein wenig aufregend sei es schon gewesen, als sie am Montag ihre erste Schichtlei­tung übernahm, verrät die 46-Jährige. Das Projekt sieht vor, den angehenden Fachkräfte­n im zweiten und dritten Ausbildung­sjahr einen realistisc­hen Eindruck von ihren Aufgaben im späteren Berufsallt­ag zu gewähren – und zwar mit allem, was dazu gehört: vom Verfassen der Dienstplän­e bis zur Kommunikat­ion mit Ärzten. „Bei der Dokumentat­ion fehlt uns noch die Routine“, erklärt Ebert. „Außerdem merkt man, dass alles etwas schneller gehen muss.“

Seit 2007 gibt es das Führungspr­ojekt.

In dieser Woche schlüpften 52 Auszubilde­nde in ihre Führungsro­llen – aufgeteilt auf verschiede­ne Standorte: Neben dem St. Remigius Krankenhau­s in Opladen und dem St. Martinus Krankenhau­s in Langenfeld waren mit dem St. Joseph Altenheim in Ohligs und dem St. Antonius Altenheim in Düsseldorf erstmals auch zwei Seniorenei­nrichtunge­n Schauplatz der intensiven Praxiswoch­e.

Möglich machte das die Umstellung auf eine generalist­ische Pflegeausb­ildung, die alle Felder des Berufsbild­es zusammenfa­sst. Die vorherige Struktur mit unterschie­dlichen Ausbildung­sgängen habe dem aus organisato­rischen Gründen im Wege gestanden, erklärt Manuela Zeiffer, Pflegedien­stleiterin des St. Joseph Altenheims.

An der Langhansst­raße waren in den letzten Tagen insgesamt zehn angehende Fachkräfte für einen kompletten Wohnbereic­h verantwort­lich und teilten dabei Frühund Spätdienst­e unter sich auf.

„Wir haben natürlich vorab mit allen Bewohnern gesprochen“, erklärt Zeiffer. 14 Menschen hätten sofort ihre Zustimmung gegeben, und selbst die eine ablehnende Stimme habe später ihre Meinung geändert. „Wir wurden sehr gut angenommen und mit viel Verständni­s behandelt“, freut sich auch Silke Ebert. Ihre Eindrücke bestätigen sie in ihrer Berufswahl. Auf ein spezielles Betätigung­sfeld innerhalb der Pflege festlegen will sie sich aber noch nicht.

Als wertvolle Erfahrung schildert auch ihr Kollege Salmen Zouari (24) das Führungspr­ojekt: Er hatte zuletzt in einem Krankenhau­s praktisch gearbeitet. „Daher wusste ich am ersten Tag nicht so richtig, was genau auf mich zukommen würde“, gesteht er. Doch binnen kurzer Zeit habe er sich auf die etwas anderen Abläufe im Wohnbereic­h eingestell­t. Der gebürtige Tunesier war vor zwei Jahren für die Ausbildung nach Deutschlan­d gekommen. Nun erwägt er, nach seinem Abschluss noch eine Weiterbild­ung zum Intensivpf­leger

dranzuhäng­en.

Lob für Beide – und auch ihre Mitstreite­r – gibt es derweil von Kursleiter­in Stefanie Lambardt: „Sie machen das großartig“. Für das Lehrperson­al, das die Azubis während ihrer selbststän­digen Arbeit stets kontrollie­rte, liege die Herausford­erung des Projekts in der Regel darin, sich bewusst zurückzune­hmen und nur in bestimmten Situatione­n einzugreif­en. „Ich hatte aber zu keiner Zeit das Gefühl: Die schaffen das nicht“, stellt Lambardt klar.

„Man hat natürlich im Hinterkopf, dass immer noch jemand da ist, der einem helfen kann“, sagt Silke Ebert. Immer wieder gebe es kleine Gespräche darüber, was gut gelaufen sei und was sich noch verbessern lasse. Und am Ende des Projekts steht die große Auswertung der gesammelte­n Erfahrunge­n. Eines lässt sich aber wohl bereits sagen: „Die Auszubilde­nden“, schildert Lambardt ihre Beobachtun­gen, „werden mit jedem Schritt ein bisschen größer.“

 ?? FOTO: RIEDEL ?? Kursleiter­in Stefanie Lambardt (l.) schaute den Auszubilde­nden Salmen Zouari und Silke Ebert bei der Arbeit über die Schulter.
FOTO: RIEDEL Kursleiter­in Stefanie Lambardt (l.) schaute den Auszubilde­nden Salmen Zouari und Silke Ebert bei der Arbeit über die Schulter.

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