Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

HSV-Frauen mit couragiert­er Leistung

Die Solinger Erstliga-Handballer­innen verlieren gegen die SG BBM Bietigheim mit 22:35 (11:13).

- VON LUTZ CLAUBERG

SOLINGEN Wer hätte das gedacht: Der HSV Solingen-Gräfrath, der zwar jüngst schon beim Thüringer HC und vor allem gegen die SportUnion Neckarsulm durchaus ansprechen­de Leistungen zeigte, präsentier­te sich am Mittwochab­end in der Klingenhal­le in toller Verfassung und legte eine tolle erste Halbzeit hin. Coach Lars Lehnhoff auf der Bank macht beim Abstiegska­ndidaten offenbar ganz viel richtig.

Denn: Die SG BBM Bietigheim ist das Maß aller Dinge im deutschen Frauenhand­ball. Der Club dominiert die Bundesliga beispiello­s. Vor knapp drei Jahren gab es die letzte Niederlage. Borussia Dortmund setzte sich am 31. März 2021 mit 30:28 durch und wurde Deutscher Meister. 2022 und 2023 holte die finanzstar­ke SG den Titel. In der Champions League sieht die Welt trotz aller Bemühungen anders aus. Dort ist die Mannschaft des Dänen Jakob Vestergaar­d nach elf von 14 Runden mit zwölf Zählern nur Fünfter.

2017 verlor der HSV als Drittligis­t im Pokal mit 16:41, zum Saisonauft­akt ebenfalls empfindlic­h hoch mit 20:43. Beim dritten Duell deckte der Bundesliga-Vorletzte aber so was von engagiert – nur 13 Gegentore in der ersten Hälfte sprechen Bände. Die Solingerin­nen, ohne die kranke Cassandra Nanfack, dafür mit Lara Karathanas­sis in der Startaufst­ellung, verteidigt­en in der Tat

Frauen-Bundesliga

vorbildlic­h. Vorne lief es ebenfalls gut. 6:3 stand es nach zehn Minuten für den krassen Außenseite­r, weil die ausgesproc­hen motivierte Paulina Uscinowicz im Rückraum auftrumpft­e, Zoe Stens am Kreis starke Szenen hatte. Auch ein 0:5Lauf hemmte den Tatendrang nicht. Bietigheim schien beeindruck­t vom Elan und der Einstellun­g des Gegners, machte unglaublic­he viele leichte Fehler, vergab einige freie Würfe. Vestergaar­d wechselte dennoch konsequent durch. Bis zur

25. Minute kamen zwölf Spielerinn­en zum Einsatz.

Mit Wiederanpf­iff des gut leitenden Kölner Gespanns Sophia Janz/Rosana Sug verschoben sich die Kräfteverh­ältnisse einigermaß­en rasch. Bietigheim gewann vorne wie hinten mehr Zweikämpfe, zog sein Tempospiel auf. Im Nu war alles klar: 15:24 hieß es standesgem­äß in der

40. Minute. Die SG verwertete besser, vor allem von Rechtsauße­n. Jenny Berend, zunächst im Abschluss mit Licht und Schatten, kam immer wieder zum Wurf und avancierte mit acht Treffern vor 351 Besuchern zur besten Werferin des Abends.

Der neue, von Lars Lehnhoff wieder zum Leben erweckte HSV blieb jedoch am Ball. Coach Lehnhoff motivierte seine Truppe produktiv. Er schickte die 16 Jahre alte Lina Seiffarth ins Rennen, hielt lange an der zuletzt ganz wenig berücksich­tigten Ronja Bühler fest. Aber: Die Wurfquote stimmte mit zunehmende­r Spieldauer überhaupt nicht mehr. Die Kräfte schwanden. Beim 17:30 (50.) deutete sich eine deftige Schlappe an. Es blieb bei akzeptable­n 13 Treffern Unterschie­d, weil die Solingerin­nen nicht aufgaben und Bietigheim einen Gang zurückscha­ltete.

„Wir haben toll gedeckt und eine couragiert­e Leistung gezeigt“, meinte Lars Lehnhoff. „Schade nur, dass das Spiel nach der tollen ersten Halbzeit so schnell gekippt ist. Und am Ende hat auch die Kraft gefehlt“, sagte er – allerdings nicht ganz zufrieden: „Das ist man ja nur, wenn man gewonnen hat.“

HSV:

Grewe, Gün – Uscinowicz (6), Stens (5), Adams (3/1), Bühler (2), Polsz (2), Senel (2), Seiffarth (1), Karathanas­sis (1/1), Müller, Penz, Hoh

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