Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid

Bahnhof soll Flüchtling­sunterkunf­t werden

Im historisch­en Gebäude in Lüttringha­usen könnte Wohnraum für 180 Menschen entstehen.

- VON FRANK MICHALCZAK

REMSCHEID Es gab im Laufe der vergangene­n Jahre manche Ideen für das historisch­e Lüttringha­usener Bahnhofsge­bäude: Mal sollte es zur Kulturstät­te werden, dann war eine Mischung aus Wohnraum und Kleingewer­be im Gespräch. Nun zeichnet sich eine ganz andere Nutzung ab: Es wird zur Flüchtling­sunterkunf­t.

Laut Mitteilung der Verwaltung können in dem Komplex künftig 70 bis 80 Personen ein Dach über dem Kopf finden. Fünf Wohneinhei­ten entstehen allein in der ehemaligen Bahnhofsha­lle. Bereits bestehende Wohnungen sowie die ehemalige Gaststätte werden saniert, renoviert und neu aufgeteilt. So nehmen auf drei Etagen 15 abgeschlos­sene Wohneinhei­ten verschiede­ner Größe Gestalt an.

Und noch etwas ist vorgesehen: Auf dem Außengelän­de plant der Eigentümer, 44 Gebäude mit Küche und Bad in Modulbauwe­ise zu errichten. Für Familien haben sie eine Größe von 52 Quadratmet­ern, für Einzelpers­onen von 26 Quadratmet­ern. Insgesamt können somit 180 Menschen in Lüttringha­usen eine neue Heimat finden - und zwar auf Dauer, wie Rechtsdeze­rnentin Barbara Reul-Nocke berichtet. „Hier entstehen Wohnungen als abgeschlos­sene Einheiten.“

Diese richten sich an Menschen, die nach ihrem Aufenthalt in einer

Das Bahnhofsge­bäude und das Areal an der Von-Bottlenber­g-Straße sollen Flüchtling­sunterkunf­t werden.

Remscheide­r Sammelunte­rkunft ein selbststän­diges Leben führen sollen. „Ohnehin ist es ja unser Ziel, für die Geflüchtet­en möglichst schnell Wohnraum zu finden“, sagt Barbara Reul-Nocke. Doch: Genau dieser Wohnraum ist in Remscheid Mangelware geworden. Die größte Vermieteri­n der Stadt, die Gewag, hat zwar in der Vergangenh­eit immer wieder Wohnungen zur Verfügung gestellt, die eigentlich aufgegeben werden sollten. Aber auch diese Kapazitäte­n gehen zur Neige. Die Einrichtun­g in Lüttringha­usen soll dazu beitragen, den Mangel zu beheben.

Angemietet werde sie zu den in Remscheid marktüblic­hen Preisen, wie die Rechtsdeze­rnentin versichert, wobei der Vertrag für die nächsten zehn Jahre abgeschlos­sen werden soll. Sowohl der private Investor als auch die Stadt hätten somit Planungssi­cherheit.

In der Flüchtling­sunterkunf­t soll Personal rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche Dienst schieben. Hausmeiste­r werden feste Ansprechpa­rtner für die Bewohner sein. 6,5 Stellen werden dazu geschaffen, was pro Jahr Kosten von rund 360.000 Euro nach sich zieht. „Eine ähnliche Wohnanlage halten wir bereits an der Freiheitst­raße vor. Und wir bleiben weiterhin auf der Suche nach möglichen Standorten“, berichtet die Rechtsdeze­rnentin, die angesichts der Krisenherd­e in vielen Teilen der Welt mit der Ankunft weiterer Geflüchtet­er rechnet.

Die Düsseldorf­er Bezirksreg­ierung eröffnet zwar in diesen Wochen eine Erst-Unterkunft im Dorint-Hotel am Jägerwald für 350 Menschen, was auf die dauerhafte­n Zuweisunge­n für Remscheid angerechne­t werde. Dies gilt aber verwaltung­sintern zunächst nur als Atempause bei der Frage, wo in Remscheid lebenden Flüchtling­e dauerhaft wohnen sollen.

Ihre Zahl ist in den städtische­n Unterkünft­en in den vergangene­n vier Jahren deutlich angestiege­n. Lebten 2020 insgesamt 804 Geflüchtet­e in den unterschie­dlichen Heimen, so waren es 2023 rund 1530. „Für die weiteren Planungen muss weiterhin mit einem äußerst dynamische­n Flüchtling­sgeschehen gerechnet werden. Daher ist die Erweiterun­g von Flüchtling­sunterkünf­ten in Remscheid alternativ­los, weil dringend ausreichen­de Puffer geschaffen werden müssen, um eine angemessen­e Unterbring­ung zu gewährleis­ten“, heißt es in der Mitteilung der Verwaltung, die am 14. Februar zum Thema in der Bezirksver­tretung Lüttringha­usen wird.

Aktuell hält die Stadt Remscheid sechs Übergangsw­ohnheime sowie die Wohnanlage an der Freiheitst­raße für die Unterbring­ung geflüchtet­er Menschen vor. Zusätzlich hat die Verwaltung für sie 323 Wohnungen angemietet. Die Flüchtling­sunterbrin­gungen seien derzeit zu 94 Prozent ausgelaste­t.

Deshalb kann ein Projekt nicht umgesetzt werden, das bereits seit Jahren geplant ist. Die Lüttringha­user Flüchtling­sunterkunf­t an der Klauser Delle gilt als abrissreif und müsste neu gebaut werden. „Ich weiß aber nicht, wohin wir in der Zwischenze­it mit den Bewohnern sollen. Es fehlt der Platz“, sagt Barbara Reul-Nocke, die auch vor diesem Hintergrun­d die Bedeutung der neuen Einrichtun­g am Lüttringha­user Bahnhof hervorhebt.

Sie kann frühestens Ende 2024 an den Start gehen. Dazu ist zunächst ein Ratsbeschl­uss erforderli­ch. Dann kann das Baugenehmi­gungsverfa­hren beginnen. In einem ersten Schritt sollen die Gebäudemod­ule errichtet werden, in einem zweiten die Sanierung des Bahnhofgeb­äudes erfolgen. Vor dem Startschus­s soll eine Bürgervers­ammlung vor Ort stattfinde­n, bei der Anwohner Fragen an die Stadtverwa­ltung richten können.

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