Städ­te und Bah­nen vor Mil­lio­nen-Ab­schrei­bung we­gen RWE

Bei der Rhein­bahn geht es nach dem Kurs­sturz um 125 Mil­lio­nen, bei Dort­mund um 33 Mil­lio­nen. Dort­mund kri­ti­siert RWE-Vor­stand.

Solinger Morgenpost - - WIRTSCHAFT - VON THORS­TEN BREITKOPF UND ANT­JE HÖ­NING

DÜSSELDORF Der Ab­sturz der RWEAk­tie zieht Krei­se. Nach Es­sen kün­di­gen nun wei­te­re Kom­mu­nen und kom­mu­na­le Un­ter­neh­men ho­he Ab­schrei­bun­gen auf ih­re RWE-Be­tei­li­gung an. Die Stadt­wer­ke Dort­mund (DSW), über die Dort­mund sein RWE-Pa­ket hält, rech­nen mit ei­ner Ab­schrei­bung von 33 Mil­lio­nen Eu­ro. Ent­sprä­che der Wert der RWE-Ak­tie am Stich­tag 31. De­zem­ber 2015 dem Kurs von heu­te, wä­re ei­ne Wert­be­rich­ti­gung in Hö­he von 33 Mil­lio­nen Eu­ro er­for­der­lich, sag­te DSW-Chef Gun­tram Pehl­ke un­se­rer Re­dak­ti­on. Dort­mund ist mit 3,5 Pro­zent der größ­te kom­mu­na­le RWE-Ak­tio­när, hat die Ak­ti­en teil­wei­se aber schon vor über 40 Jah­ren zu ent­spre­chend nied­ri­gen Kur­sen er­wor­ben. 2014 muss­te Dort­mund da­her noch nichts ab­schrei­ben.

An­ders die Stadt Es­sen. Sie muss­te für 2013 be­reits 680 Mil­lio­nen ab­schrei­ben. Für En­de 2015 er­war­tet Käm­me­rer Lars Mar­tin Klie­ve er­neut Ab­schrei­bun­gen und zwar in Hö­he von 250 Mil­lio­nen Eu­ro.

Seit Än­de­rung der Ge­mein­de­haus­halts­ver­ord­nung (Pa­ra­graf 35) sind die Kom­mu­nen in NRW ver­pflich­tet, Ab­schrei­bun­gen auf An­la­ge­ver­mö­gen vor­zu­neh­men, wenn es dau­er­haft wert­ge­min­dert ist. „Bei Rechts­ver­stö­ßen kann die Auf- sichts­be­hör­de mit Auf­sichts­mit­teln tä­tig wer­den“, sag­te ein Spre­cher des NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­ums. Kon­kret heißt das: Die Be­zirks­re­gie­rung kann die Kom­mu­nen zwin­gen, die Ab­schrei­bung nach­träg­lich vor­zu­neh­men.

Die RWE-Ak­tie hat al­lein seit Jah­res­an­fang rund 60 Pro­zent ih­res Wer­tes ver­lo­ren. Ges­tern schloss sie bei 9,20 Eu­ro (mi­nus drei Pro­zent). Vor acht Jah­ren hat­te sie bei fast 100 Eu­ro ihr Re­kord­hoch er­reicht.

Auch kom­mu­na­le Un­ter­neh­men wie die Rhein­bahn in Düsseldorf sind be­trof­fen. „Die Ge­mein­de­haus­halts­ver­ord­nung gilt zwar nicht für kom­mu­na­le Un­ter­neh­men, die Re­ge­lung des Han­dels­ge­setz­bu­ches ist aber iden­tisch“, be­ton­te der Mi­nis­te­ri­ums-Spre­cher.

Die Rhein­bahn fürch­tet nach ei­ge­nen An­ga­ben die Ab­schrei­bung ei­nes Mil­lio­nen­be­trags. Treu­hän­de­risch hält sie für Düsseldorf 5,7 Mil­lio­nen RWE-Ak­ti­en. Zum Stich­tag En­de 2014 stan­den die­se laut Kon­zern­krei­sen mit je 31 Eu­ro in den Bü­chern. Ge­mes­sen am ak­tu­el­len Kurs er­gibt sich ein Ab­schrei­bungs­be­darf von 125 Mil­lio­nen Eu­ro. Der lau­fen­de Be­trieb sei zwar nicht ge­fähr­det, sag­te der Rhein­bahn-Spre­cher. Je­doch wer­de die Rhein­bahn Im­mo­bi­li­en ver­kau­fen müs­sen.

Dort­munds Stadt­wer­ke-Chef kri­ti­sier­te den RWE-Vor­stand. „Ich hal­te die RWE-Ak­tie für sehr wert­hal­tig und zur­zeit für un­ter­be­wer­tet. Lei­der ist es RWE bis­lang nicht ge­lun­gen, den Märk­ten die­se Wert­hal­tig­keit zu ver­mit­teln“, sag­te Pehl­ke. „Ge­le­gent­lich wird der Ein­druck er­weckt, das Un­ter­neh­men sei nicht mehr in der La­ge, Ge­win­ne zu er­wirt­schaf­ten. Das ent­spricht aber nicht der Rea­li­tät. Ich wür­de mir ei­ne bes­se­re Kom­mu­ni­ka­ti­on des Vor­stands wün­schen.“RWE be­ste­he nicht nur aus dem Kraft­werks-, son­dern auch aus dem Ver­triebs- und Netz­ge­schäft. Zu­gleich un­ter­strich Pehl­ke die For­de­rung, dass RWE für 2015 die Di­vi­den­de sta­bil hält. „DSW hat die Er­war­tung, dass die Di­vi­den­de von ei­nem Eu­ro pro Ak­tie nicht un­ter­schrit­ten wird.“

FO­TO: DPA

Der RWE-Kon­zern hat stark an Wert ver­lo­ren.

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