RWE denkt über En­de der Koh­le-Ver­stro­mung nach

Bei der Kraft­werk­s­toch­ter droht neu­er Stel­len­ab­bau. Ex­per­ten kri­ti­sie­ren das Strom­ge­setz, das heu­te im Ka­bi­nett ist.

Solinger Morgenpost - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖNING UND BIR­GIT MARSCHALL

ES­SEN Der Vor­stand des zweit­größ­ten deut­schen Ener­gie­kon­zerns be­rei­tet sei­ne Be­leg­schaft auf den lang­fris­ti­gen Aus­stieg aus der Koh­le-Ver­stro­mung vor. Schon auf dem Füh­rungs­kräf­te-Tref­fen im Ok­to­ber in Düsseldorf ha­be Per­so­nal­vor­stand Uwe Tig­ges er­klärt, dass die Koh­le-Ver­stro­mung ein „dy­ing bu­si­ness“(ein ster­ben­des Ge­schäft) sei, wie Teil­neh­mer be­rich­ten. Das hät­ten Ma­na­ger der Er­zeu­gung­s­toch­ter RWE Ge­ne­ra­ti­on gar nicht ger­ne ge­hört. Doch in der ver­gan­ge­nen Wo­che leg­te RWE-Vi­ze­chef Rolf Mar­tin Schmitz nach. In ei­nem Mit­ar­bei­ter-Chat kün­dig­te auch er den lang­fris­ti­gen Aus­stieg aus der Koh­le­ver­stro­mung an, wie es wei­ter heißt.

Die Spre­che­rin von RWE Ge­ne­ra­ti­on sag­te da­zu: „Wir hal­ten an un­se­ren Pla­nun­gen fest. Der Ta­ge­bau In­den wird da­nach bis Mit­te 2030 aus­ge­kohlt, die Ta­ge­baue Ham­bach und Garz­wei­ler bis Mit­te des Jahr­hun­derts.“We­gen des Über­an­ge­bots an Ökostrom und der fal­len­den Bör­sen­prei­se ver­die­nen Koh­le- und Gas­kraft­wer­ke im­mer we­ni­ger Geld.

Wenn RWE in der nächs­ten Wo­chen die Zah­len für das drit­te Quar­tal ver­kün­det, wird es bit­ter wer­den: Der Ge­winn wer­de wei­ter mas­siv ein­bre­chen, heißt es. Zum Halb­jahr war der Ge­winn der kon­ven­tio­nel­len Er­zeu­gung um 27 Pro­zent auf 752 Mil­lio­nen Eu­ro ge­fal­len.

RWE-Chef Pe­ter Te­ri­um ver­sucht der­weil, der Öf­fent­lich­keit ein schö­ne­res Bild zu ver­mit­teln. Mit Jour­na­lis­ten war er ges­tern in Du­bai, vor mär­chen­haf­ter Ku­lis­se ver­kün­de­te er: „Das Kos­ten­sen­kungs­pro­gramm ist fast ab­ge­ar­bei­tet, die in­ter­nen Haus­auf­ga­ben sind ge­macht“, so Te­ri­um zur „Welt“.

Da­von kann kei­ne Re­de sein. Die RWE Ge­ne­ra­ti­on be­rei­tet sich ge­ra­de auf den Ab­bau wei­te­rer Jobs vor. 2013 und 2014 hat die Kraft­werk­s­toch­ter rund 2500 von ih­ren da- mals 17.800 Stel­len ab­ge­baut, wie die RWE-Spre­che­rin auf An­fra­ge sag­te. „In die­sem Jahr sol­len es noch ein­mal Hun­der­te sein, 2016 kommt ein wei­te­rer Ab­bau hin­zu.“Dies läuft un­ter dem Pro­gramm „Neo“. Hin­zu kom­men 800 bis 1000 Stel­len, die bis 2021 weg­fal­len, weil RWE fünf Blö­cke aus Kli­ma­schutz­grün­den in die Stil­le Re­ser­ve schickt.

Die Re­ser­ve ist Teil des Strom­markt-Pak­tes, das heu­te vom Bun­des­ka­bi­nett be­schlos­sen wird. Da­nach sol­len Ver­sor­ger Braun­koh­leB­lö­cke für 2,6 Gi­ga­watt stil­le­gen und er­hal­ten da­für 1,6 Mil­li­ar­den Eu­ro, die der Strom­kun­de be­zahlt. RWE legt un­ter an­de­rem bis 2021 die letz- ten ver­blie­be­nen Blö­cke in Frim­mers­dorf still.

„De fac­to soll auf über 20 Sei­ten Ge­set­zes­text ein neu­es Re­gu­lie­rungs­un­ge­tüm ge­schaf­fen wer­den, wel­ches noch durch ei­ne Viel­zahl von Rechts­ver­ord­nun­gen er­gänzt wer­den soll“, kri­ti­sier­te Pe­ter Ro­sin von der Kanz­lei Whi­te &Ca­se.

„Aus der gut ge­mein­ten Kli­ma­ab­ga­be ist jetzt durch die Ka­pa­zi­täts­re­ser­ve ei­ne Sub­ven­tio­nie­rung der Braun­koh­le ge­wor­den. Das ist kei­ne gu­te Po­li­tik“, sag­te Ott­mar Eden­ho­fer vom Pots­dam-In­sti­tuts für Kli­ma­fol­gen­for­schung. Da­mit ge­he die Po­li­tik vor dem Kli­ma­gip­fel in Pa­ris in die fal­sche Rich­tung.

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