tra­fo­ma­tic Au­dio Head 2

Ost­eu­ro­pa ist in Sa­chen HiFi ger­ne mal für et­was Exo­ti­sches gut: di­cke Plat­ten­spie­ler, üp­pig be­stück­te Röh­ren­amps. Oder eben ganz ex­klu­si­ve Kopf­hö­rer­ver­stär­ker: Zu die­ser Rie­ge ge­hört der Tra­fo­ma­tic Head 2.

Stereoplay - - Editorial - Alex­an­der Ro­se

Die Mar­ke Tra­fo­ma­tic fin­det sich im Ver­trieb Au­dio ­Of­fen­si­ve aus Fal­ken­see in der Nä­he von Berlin und bie­tet ein reich­hal­ti­ges Re­per­toire an un­ter­schied­lichs­ten Ver­stär­kern, Vor- und End­stu­fen. Die Ser­ben set­zen mit Vor­lie­be auf Röh­ren, und ei­ni­ge ih­rer Pro­duk­te sind wahr­lich zum Ver­lie­ben schön. Schau­en Sie sich mal die „ NOA“- Mo­no­end­stu­fen an!

Auch im zweit­kleins­ten Kopf­hö­rer­ver­stär­ker des Hau­ses sit­zen Röh­ren, und zwar zwei 6N30P und zwei ECC88, al­so Dop­pel­t­ri­oden – je ei­ne pro Ka­nal, han­delt es sich doch um ei­ne Class- A- Push- Pul­lSchal­tung.

Ein Blick ins In­ne­re des sehr schön ge­mach­ten und sau­ber la­ckier­ten Holz­ge­häu­ses zeigt ne­ben den Dop­pel­t­ri­oden auch das üp­pi­ge Netz­teil mit dem groß­zü­gig be­mes­se­nen Ring­kern­trans­for­ma­tor. Nicht zu se­hen, weil durch ein Blech­kleid ge­schirmt, ist der Aus­gangs­über­tra­ger. Dass hier Ken­ner am Werk wa­ren, er­kennt man dar­an, dass der Über­tra­ger meh­re­re Ab­grif­fe bie­tet, was beim Wi­ckeln Er­fah­rung vor­aus­setzt.

So steht für Kopf­hö­rer mit un­ter­schied­li­chen Im­pe­dan­zen im­mer der rich­ti­ge Ab­griff pa­rat. Die Ab­stu­fung ist pra­xis­ge­recht ge­wählt: Al­le Kopf­hö­rer, de­ren Im­pe­danz zwi­schen 25 und 600 Ohm ( 25, 50, 100, 300, 600 Ohm) liegt, fin­den hier ih­re per­sön­li­chen idea­len Ar­beits­be­din­gun­gen.

Sym­me­trie? Ger­ne.

An­schluss fin­den die Kopf­hö­rer ent­we­der über ei­nen Klin­ken­ste­cker ( 6,3 mm) oder über ei­nen sym­me­tri­schen XLR- An­schluss auf der Front. Man kann auch zwei Kopf­hö­rer gleich­zei­tig an­schlie­ßen und ge­mein­sam Mu­sik hö­ren oder Klang­un­ter­schie­de zwi­schen zwei Kopf­hö­rern er­grün­den.

Auf der Rück­sei­te fin­den sich eben­falls An­schluss­mög­lich­kei­ten. Die Fül­le er­klärt sich da­durch, dass man den Tra­fo­ma­tic auch als Vor­stu­fe ver­wen­den kann. Der Nach­teil: Man kann nur ei­ne Qu­el­le an den Head 2 an­schlie­ßen, die­se je­doch sym­me­trisch oder un­sym­me­trisch. Ent­spre­chend ste­hen auch Li­ne- und XLR- Aus­gän­ge auf der Rück­sei­te be­reit.

Le­bens­dau­er

Die Ent­wick­ler ver­spre­chen, dass so­wohl die N30P- Röh­ren als auch die ECC88 ei­ne Le­bens­dau­er von et­wa 5000 St­un­den ha­ben, was durch­aus hin­kom­men dürf­te. Da aber kaum je­mand sei­ne Stopp­uhr mit­lau­fen lässt, emp­feh­len die Ser­ben auch, et­wa al­le 20 bis 30 Mo­na­te die N30P- Aus­gangs­röh­ren zu tau­schen. Rech­net man die­se Emp­feh­lung nach, er­scheint sie et­was groß­zü­gig zu­guns­ten der Röh­ren­her­stel­ler. Wohl kaum je­mand wird den Head 2 160 bis 250 St­un­den im Mo­nat lau­fen las­sen...

Noch ein Wort zur Leis­tung: Der Head 2 leis­tet zwei Watt an 50 Ohm. Im Test­zeit­raum ist uns kein Kopf­hö­rer un­ter­ge­kom­men, mit dem der Head 2 nicht in der La­ge wä­re, ir­re­pa­ra­ble Hör­schä­den an­zu­rich­ten.

Shut up and sing

Laut Her­stel­ler be­nö­tigt der Tra­fo­ma­tic nur we­ni­ge Mi­nu­ten Warm­lauf­zeit, um klang­lich voll „ da“zu sein. Das kön­nen wir be­stä­ti­gen und das ist ei­ne gu­te Nach­richt, denn wer är­gert sich nicht, wenn er sich auf ei­ne schö­ne, ent­spann­te St­un­de ­Mu­sik­ge­nuss am Abend freut und dann ver­ges­sen hat, sei­nen Röh­ren- Amp recht­zei­tig 48 St­un­den vor­her ein­zu­schal­ten?

Neu­tral und aus­ge­wo­gen

Der Tra­fo­ma­tic Head 2 klingt aus­ge­spro­chen neu­tral und aus­ge­wo­gen. Man kann je­de Art von Mu­sik mit dem Head 2 hö­ren und ge­nie­ßen, aber ich er­wisch­te mich beim Test im­mer wie­der da­bei, Mu­sik mit akus­ti­schen Gi­tar­ren, et­wa Paul ­Si­mons Al­bum „ Hearts and Bo­nes­“, aber auch ( für mich) emo­tio­na­le Ti­tel zu hö­ren, wie et­wa „ Not Re­a­dy To Ma­ke Nice“von den Di­xie Chicks.

Hier pro­fi­tiert die Mu­sik vom schnel­len, trans­pa­ren­ten Klang des Head 2, von sei­ner straf­fen, aber im­mer ge­fühl­vol­len Art, von sei­nem Ge­spür für De­tails und sei­ner An­ge­wohn­heit, sich nie auf­zu­drän­gen. Was will man mehr?

Der Head 2 kann auch als Vor­stu­fe ein­ge­setzt wer­den, bie­tet aber nur ei­nen Ein-/ Aus­gang ( XLR oder Cinch).

Nimmt man die Bo­den­plat­te ab, er­hält man ei­nen Blick auf das üp­pi­ge In­nen­le­ben: ei­nen di­cken Ring­kern­tra­fo, ge­schirm­te Über­tra­ger und das Herz­stück, die Dop­pel­t­ri­oden.

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