For­get Hi- Fi – Re­mem­ber Mu­sic

Dies sagt Heed und er­weck­te mit dem Obe­lisk ei­nen „ Shoebox“- Ver­stär­ker al­ter Ta­ge wie­der zu pral­lem Le­ben. Das Zau­ber­wort da­zu lau­tet „ Tr­an­scap“.

Stereoplay - - Spezial -

Die heu­ti­ge HiFi- Welt ist frag­men­tiert. Spar­ten- HiFi ist an­ge­sagt: Röh­re vs. Tran­sis­tor, ana­log vs. di­gi­tal, Mo­nu­men­tal High End vs. Smart HiFi, High- Tech vs. Re­troS­tyle, De­sign vs. In­ge­nieurPro­jekt. Al­les ist er­laubt, al­les ist mach­bar, für al­les gibt es ei­ne Ziel­grup­pe. Und was der ei­ne zum De­sign- Ziel er­klärt hat, ver­dammt der an­de­re in Grund und Bo­den. Man­che Ge­rä­te, ein und der­sel­ben Gat­tung zu­ge­hö­rig, un­ter­schei­den sich, als kä­men sie von ver­schie­de­nen Pla­ne­ten. Das ist bis­wei­len eben­so ir­ri­tie­rend wie selt­sam, aber nie­mals lang­wei­lig.

Der un­ga­ri­sche Her­stel­ler Heed ist so ein Fall. Bei Heed ist ( fast) al­les an­ders. So be­nutzt man im­mer noch ger­ne gu­te, al­te dis­kre­te Bau­tei­le. Statt DVer­stär­ker baut man in Class AB. Statt Soft­ware und Halb­leit­erschal­ter kommt ein alt­mo­di­scher Qu­el­len- Wahl­schal­ter zum Ein­satz. Statt Pe­gel stel­lerChips muss ein ALPS- Mo­tor­po­ten­tio­me­ter her­hal­ten.

Und statt der heu­te meist üb­li­chen Gleich­span­nungs­kopp­lung zwi­schen Ver­stär­ker­stu­fen oder zwi­schen Aus­gangs­stu­fen und Laut­spre­chern be­nutzt man be­wusst Kop­pelKa­pa­zi­tä­ten, die Elek­tro­ni­ker sa­gen da­zu: RC- Kopp­lung. Heed nennt die­se Tech­nik „ Tr­an­scap“und baut sie auch im Nach­fol­ger des Klas­si­kers Obe­lisk SI ein, der einst, An­fang der 90er- Jah­re, Ion Sys­tems Obe­lisk hieß: ein De­sign von Richard Hay, der da­mit in der „ Shoebox“- Sze­ne Be­rühmt­heit er­lang­te.

Im Te­am­work mit ex­akt je­nem Richard Hay er­weck­te Heed den Obe­lisk 2007 wie­der zum Le­ben, kaum we­ni­ger pu­ris­tisch als da­mals und mit ei­nem klei­nen Un­ter­schied: In der nun­mehr drit­ten Se­rie des 1600- Eu­ro- Grund­ge­räts ist ein Steck­kar­ten­platz vor­han­den, der ent­we­der mit ei­nem Pho­no- MM- Mo­dul für 179 Eu­ro oder drei ver­schie­de­nen DAC- Kar­ten be­stückt wer­den kann. Die größ­te da­von ist im Test­ge­rät ein­ge­baut und schlägt mit zu­sätz­lich 599 Eu­ro zu Bu­che.

In­fos: Fehl­an­zei­ge

Mit tie­fe­ren tech­ni­schen In­for­ma­tio­nen hält sich Heed vor­nehm zu­rück. Denn sie könn­ten, so heißt es, nie­mals be­schrei­ben, wie ein Ver­stär­ker klän­ge und wä­ren des­halb wo­mög­lich ge­nau­so ir­re­füh­rend wie Mess­da­ten. Die sich üb­ri­gens se­hen las­sen kön­nen und dem Obe­lisk SI reich­lich Leis­tung, brauch­ba­re Last­sta­bi­li­tät ( mit Aus­nah­me ex­trem nie­der­oh­mi­ger und hoch kom­ple­xer Las­ten) so­wie sehr ge­rin­gen Klirr be­schei­ni­gen.

Zur Ver­fü­gung ste­hen da­bei fünf Hoch­pe­gel- Ein­gän­ge, ein Vor­ver­stär­ker- Aus­gang so­wie ei­ne S/ PDIF- Cinch­buch­se als Schnitt­stel­le zur DAC- Kar­te. Letz­te­re „ kann“HD in Form von ma­xi­mal 24 Bit/ 192 kHz, zum Ein­satz kommt ein Mul­ti­bit- Del­ta/ Sig­ma- Wand­ler Wolf­son WM8741, der Kon­ver­terChip ist ein Cir­rus Lo­gic 8416. Und wer hier ei­nen USB- An-

schluss wo­mög­lich schmerz­lich ver­misst, könn­te sich mit ei­nem ex­ter­nen DAC hel­fen, den Heed auch in Gestalt ei­ner „ Klei­nenKäst­chen“- Se­rie na­mens „ Mo­du­lar Bits“lie­fert.

Pro­fes­sio­nell ge­baut

Wer fürch­tet, dass hier Ideo­lo­gie vor Pro­fes­sio­na­li­tät geht, der irrt sich ge­wal­tig. Steckt im „ Schuh­kar­ton“doch bild­schö­ne und pro­fes­sio­nell ge­mach­te Elek­tro­nik. In­klu­si­ve zwei­er End­tran­sis­to­ren pro Ka­nal, dem fern­be­dien­ba­ren blau­en ALPSPo­ti und, wich­tig, ei­nem Netz­tra­fo, der es als sei­ne vor­nehms­te Auf­ga­be an­sieht, nicht zu brum­men. Mit zwei Dreh­knöp­fen hat es sich dann schon auf der Acryl- Vor­der­front, und der ein­zi­ge Gestal­tungs­vor­wurf, den sich der Klei­ne ge­fal­len las­sen muss, ist je­ner, dass ein Netz­schal­ter über­all hin­ge­hört, nur nicht auf die Rück­sei­te.

Ge­treu un­se­rer Ge­wohn­heit, ei­nen Ver­stär­ker auch un­mit­tel­bar nach dem Ein­schal­ten zu hö­ren, muss­te der Obe­lisk SI zehn Se­kun­den spä­ter schon via Ana­log­ein­gang Mu­sik ma­chen. Die Er­nüch­te­rung folg­te auf dem Fu­ße: Ist er ka­putt? Die­sel­be Fra­ge stell­te sich auch noch nach 5 Mi­nu­ten!

Aber ge­mach: Nach 15 Mi­nu­ten bet­tel­ten die Zu­hö­rer auf den Kni­en um Ver­ge­bung, wisch­ten die Freu­den­trä­nen weg und schal­te­ten in den Ge­nie­ßer­mo­dus.

Ge­rüch­te­hal­ber soll dem un­ge­mein far­bi­gen, spurtstar­ken und hoch emo­tio­nal auf­spie­len­den Obe­lisk schon be­schei­nigt wor­den sein, nicht weit weg von der Kult­röh­re 300B Mu­sik zu ma­chen. Wir wi­der­spre­chen jetzt nicht und er­freu­en uns an ei­nem 3D- Klang­bild, das prä­sent „ vor­ne“be­ginnt, weit in die Tie­fe reicht und vor in­ten­si­ver Ein­dring­lich­keit nur so strotzt. Da­bei ar­bei­tet die­ser Re­tro- Voll­ver­stär­ker durch­aus eher schlank, of­fen­bart je­de Men­ge Fein­dy­na­mik, ist durch­aus nicht zu­rück­hal­tend, aber blitz­blank in den Hö­hen, bil­det kan­ten­scharf ab, we­delt wie­sel ink durchs Ge­sche­hen und puz­zelt ech­te Klang­kör­per statt ache Ab­bil­der zu­sam­men.

Kurz und gut: ein hoch er­staun­li­cher Amp, der zu Recht wie­der Kult­sta­tus ein­nimmt und von uns gleich ei­nen rie­sen­gro­ßen, blau­en „ Ge­heim­tipp“- Auf­kle­ber da­zu­be­kommt.

Ro­land Kraft

Auf­ge­räumt, sau­ber und pro­fes­sio­nell, aber old fa­shio­ned: Der Heed Obe­lisk ist noch weit­ge­hend mit her­kömm­li­chen Bau­tei­len ge­fer­tigt.

Die op­tio­na­le DAC- Kar­te hängt am S/ PDIF- Ein­gang rechts oben, ver­ar­bei­tet auch HD- PCM und passt durch­aus in die Klang­phi­lo­so­phie des Obe­lisk SI. Ein Ex­tra- Netz­teil ist eben­falls im An­ge­bot.

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