With Lo­ve and Lars

Aus Pas­si­on für die Mu­sik: Ches­ky Records hat so ziem­lich al­le Spiel­re­geln der Bran­che über den Hau­fen ge­wor­fen. Hier gibt es Am­bi­ti­on, Kost­bar­kei­ten und ei­ne ei­ge­ne Auf­nah­me- Phi­lo­so­phie, die Sie auf 11 Tracks in Bin­au­r­al­tech­nik nach­hö­ren kön­nen.

Stereoplay - - Titel- Cd -

Grün­den Sie doch ein­mal ein La­bel. Sie wä­ren über­rascht, wie vie­le Wi­der­stän­de Ih­nen im Weg ste­hen. Es gilt, Ver­trä­ge zu un­ter­zeich­nen, Geld auf­zu­trei­ben, und zu al­ler Last müs­sen Sie noch ei­nen Ver­trieb in die Län­der der Er­de or­ga­ni­sie­ren. Kein Kin­der­spiel. Den­noch: Im Jah­re 1986 ha­ben sich die bei­den aus Miami, Flo­ri­da, stam­men­den und heu­te in New York le­ben­den Brü­der Da­vid und Nor­man Ches­ky da­zu ent­schlos­sen. Da­vid, Jahr­gang 1956, bil­det als Pia­nist, Ar­ran­geur, Kom­po­nist und Pro­du­zent den krea­ti­ven Teil, Nor- man, Jahr­gang 1958, über­nimmt den kauf­män­ni­schen Teil. Wie soll­te der Na­me an­ders lau­ten? Ches­ky Records wur­de das La­bel ge­nannt. Es exis­tiert bis heu­te und fas­zi­niert vor al­lem High- End- Fans. Weil hier so kom­plett an­ders mit den Klan­gin­for­ma­tio­nen um­ge­gan­gen wird. „ Our phi­lo­so­phy is sim­ple: to crea­te the il­lu­si­on of li­ve mu­si­ci­ans in a re­al three­di­men­sio­nal space.“Die Spiel­re­geln soll­ten nicht den üb­li­chen Trick­se­rei­en fol­gen. Hier wur­de we­nig nach­be­ar­bei­tet, nichts künst­lich ver­än­dert. Es soll­te so sein, als wür­den wir ei­nem En­sem­ble li­ve im Stu­dio zu­hö­ren. Zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt ent­schie­den die Ches­ky- Bro­thers, dass das Stu­dio selbst ein künst­li­cher Ort

sei und zo­gen Kir­chen mit de nier­tem Nach­hall vor.

Das Glück woll­te, dass sich be­reits früh in der Fir­men­ge­schich­te ei­ne Be­geg­nung mit dem le­gen­dä­ren Pia­nis­ten Earl Wild er­eig­ne­te. Die Ches­kyB­rü­der er­grif­fen die Gunst der St­un­de und ver­ein­bar­ten mit Earl Wild ei­ne Vi­nyl- Edi­ti­on sei­ner Rach­ma­ni­n­off- Auf­nah­men. Kurz­ent­schlos­sen kauf­te Ches­ky ei­ne auf­wen­di­ge Ab­spiel­ein­rich­tung, in­klu­si­ve Röh­ren- Elek­tro­nik. Die Vi­nyl- Edi­ti­on wur­de zum Welter­folg, was wei­te­re Re- Is­su­es von RCA nach­zog.

Die Ches­ky- Brü­der wa­ren von Be­ginn an Pio­nie­re in Sa- chen un­ge­wöhn­li­cher und in­no­va­ti­ver Auf­nah­me- Me­tho­den mit mo­derns­ten Kom­po­nen­ten und von Da­vid Ches­ky ei­gen­hän­dig mo­di zier­ten Mi­kro­fo­nen. Als Ziel galt es im­mer, ei­ne tech­no­lo­gi­sche Spur vor der Kon­kur­renz zu sein. So ex­pe­ri­men­tier­ten sie früh mit ei­nem 128- fa­chen Oversam­pling. So- bald sich die Chan­ce zu Auf­nah­men in 24 Bit und 96 Ki­lo­hertz und spä­ter 24 Bit und 192 Ki­lo­hertz bot, schwenk­te das La­bel um. Es ent­stan­den le­gen­dä­re und in den au­dio­phi­len Krei­sen hoch­ge­schätz­te Auf­nah­men mit Künst­lern wie Sa­ra K., Re­bec­ca Pid­ge­on, Chris­ty Ba­ron oder auch Ana Ca­ram.

Der jüngs­te Schritt: Ches­ky ver­zich­tet auf groß­for­ma­ti­ge Mi­kro­fonHän­gung. Statt­des­sen kommt ein spe­zi­el­ler Kunst­kopf in Ein­satz. An­ge­preist wer­den die Auf­nah­men als Bin­au­ral+- Se­rie.

Die Auf­nah­men der Bin­au­ral+Se­rie ver­mit­tel­ten so­wohl mit Kopfhörer als auch mit Laut­spre­cher ei­nen rea­li­täts­na­hen, räum­li­chen Hör­ein­druck und ge­ben den Klang der Mu­sik drei­di­men­sio­nal wie­der – als ob man vor der Band sitzt. Die Kunst da­hin­ter: Ein ei­gens ent­wi­ckel­ter Bin­au­ral- Kopf ( ein „ Dum­my“, lie­be­voll „ Lars“ge­nannt) mit spe­zi­ell ka­li­brier­ten Mi­kro­fo­nen, an de­nen sich beim Men­schen die Oh­ren be nden. Die Mu­si­ker bil­den ei­nen 1/ 3tel Kreis mit „ Lars“in der Mit­te. So­mit hört man ex­akt das, was „ Lars“hört. Es ist kein ge­wöhn­li­cher Kopfhörer- Klang, der sich im Kopf ab­spielt, son­dern die Mu­sik ndet au­ßer­halb des Kop­fes statt. Da­durch wird ein drei­di­men­sio­na­ler Sound er­zeugt. Auch der Auf­nah­me­ort spielt hier­bei ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Die Auf­nah­men fan­den in Kir­chen statt, die ein na­tür­li­che At­mo­sphä­re und ei­nen ent­spre­chen­den Hall bie­ten.

Die span­nends­ten Bin­au­ral+Tracks hat ste­reo­play auf sei­ner ak­tu­el­len Ti­tel- CD ver­sam­melt. Die Si­gna­le wur­den in lu­xu­riö­sen 24 Bit und 192 Ki­lo­hertz kon­ser­viert.

Da­vid Ches­ky ist da­für be­rühmt, dass er sich sein Know­how von den bes­ten Wis­sen­schaft­lern das Lan­des ein­holt. Im Fal­le der Bin­au­ral+- Se­rie stand der Prin­ce­ton- Pro­fes­sor Ed­gar Y. Chouei­ri als Fach­be­ra­ter zur Sei­te.

Das Kon­zept ken­nen wir auch von an­de­ren Kunst­kopfVer­fech­tern. Die Auf­nah­me wird na­tur­be­las­sen, we­der wird dy­na­mi­sche Kom­pres­si­on be­trie­ben, noch künst­li­cher Nach­hall hin­zu­ge­fügt. Auf die­se Art und Wei­se blei­ben die lei­sen Stel­len lei­se und die lau­ten Stel­len laut. Die Mu­si­ker be­stim­men die Dy­na­mik und die Laut­heit der Auf­nah­me.

Die Ches­ky- Brü­der wa­ren und sind auch Pio­nie­re, was den Trans­port von hoch­au ösen­den Auf­nah­men via Down­load be­trifft. War es zu­vor nicht mög­lich, die hoch­auf­ge­lös­ten Auf-

nah­men durch die Be­gren­zung des vor­ge­schrie­be­nen CD- For­mats von 16 Bit und 44,1 Ki­lo­hertz in vol­ler Po­tenz zum Hö­rer zu trans­por­tie­ren, tüf­tel­ten sie be­reits in den frü­hen 2000erJah­ren an neu­en We­gen, dies zu er­mög­li­chen. 2008 ha­ben die Ches­ky- Brü­der das HiRes Down­load- Por­tal der Schwes- ter- Com­pa­ny HD- Tracks in den USA ge­star­tet, spä­ter dann nach Deutsch­land und Groß- Bri­tan­ni­en aus­ge­dehnt.

Wer sich die Me­ri­ten von Ches­ky vor­stel­len will: Al­le wich­ti­gen Mu­sik­prei­se hat das La­bel ein­ge­heimst. Vom Gram­my bis zum In­de­pen­dent Mu­sic Award. Andreas Gün­ther

No­ten und Know­ledge: Da­vid Ches­ky ist der krea­ti­ve Kopf hin­ter Ches­ky Records. Der Meis­ter kom­po­niert selbst und nimmt auf.

Mas­ter and Mind: Da­vid Ches­ky stimmt das Kla­vier an, im Hin­ter­grund wacht Kunst­kopf „ Lars“über das akus­ti­sche Ge­sche­hen.

Fei­nes Sai­ten­spiel: Li­vings­ton Tay­lor stimmt für uns „ Bye Bye Lo­ve“an.

Der Meis­ter des Ban­jos: John McEu­en ist mit sei­nem jüngs­ten Al­bum da­bei.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.