Rap und La­ger­feu­er

Stereoplay - - Musik Musik: Klang: -

Ob er das will, ist ei­ne an­de­re Fra­ge. Aber Lu­cas Stro­bel, ge­nannt Al­li­ga­toah, ist im Esta­blish­ment an­ge­kom­men. Denn sein Al­bum „ Schlaf­ta­blet­ten, Rot­wein V“fällt aus dem Rah­men der beat­ge­sät­tig­ten Rap- Kul­tur, die üb­li­cher­wei­se der Mu­sik we­ni­ger Auf­merk­sam­keit schenkt als den Tex­ten. Bei ihm kann es Funk und Pop sein, Zir­zen­si­sches und Ro­cki­ges, Elek­tro­ni­sches oder In­die Sound, je nach­dem, ob es zu den Wor­ten passt, die er in den Raum feu­ert. Die Ly­rics wie­der­um ge­hor­chen nicht dem Sze­ne­stan­dard des Nar­ziss­mus, des Dis­sens oder Batt­lens, son­dern wid­men sich Themen wie Ur­laubs­wahn und Al­ko­hol, Flücht­lin­gen und Bi­got­te­rie, Rea­li­täts­ver­lust oder dem Al­ter als Schreck­ge­spenst des Ju­gend­kults. Stro­bel ist prä­zi­se, er kennt die Ebe­nen der Iro­nie. Er weiß, wie weit er ge­hen kann, um text­lich über­ra­schend, manch­mal pro­vo­zie­rend, aber nicht ge­mein zu wer­den. Und er hat ei­nen Flow, um den ihn vie­le Kol­le­gen be­nei­den dürf­ten: scharf, schnell und im Spiel mit den Be­deu­tungs­ebe­nen ent­waff­nend la­ko­nisch. Das liegt auch dar­an, dass er sich als Rol­len­spie­ler sei­nes Gen­res ver­steht, der Song für Song in die Haut fik­ti­ver Spre­cher und Sän­ger schlüpft, de­nen er sei­ne Bot­schaf­ten in den Mund legt. Für die Box- Ver­si­on fügt er dem Pro­gramm die Bo­nus- CD „ Frem­de Zun­gen“hin­zu, in der er zehn Lie­der der ei­ge­nen Mu­sik­so­zia­li­sa­ti­on von Rolf Zuckow­ski und Heinz Er­hardt bis Mon­ty Py­thon und Rammstein zur Gi­tar­re singt, ein La­ger­feu­er- Up­date mit schwer hu­mo­ris­ti­schem Un­ter­ton. „ Schlaf­ta­blet­ten, Rot­wein V“wird da­mit zu ei­nem sti­lof­fe­nen Pop- Al­bum an der Gren­ze der Gen­res, des­sen stel­len­wei­se bis­si­ger Hu­mor her­aus­for­dert, aber nicht ver­letzt. Ei­ne Ra­pKunst für sich. Trai­ler­park / Groo­ve Attack ( 60: 39, 32: 26)

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