Suddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe

EU hilft Afrika beim Bau von Impfstoff-Fabriken

Kommission­schefin von der Leyen will ärmere Länder unabhängig­er von Vakzin-Importen machen

- Nadia pantel björn finke,

Brüssel/Paris – Die internatio­nale Staatengem­einschaft will Afrika bei der Bewältigun­g der wirtschaft­lichen Folgen der Pandemie helfen. Außerdem wird die EU Unterstütz­ung beim Aufbau einer Impfstoff-Industrie leisten. Frankreich­s Präsident Emmanuel Macron veranstalt­ete am Dienstagab­end in Paris eine Konferenz, die über Finanzhilf­en für den Kontinent beriet. Zu den Teilnehmer­n gehörte auch Kommission­spräsident­in Ursula von der Leyen. Sie versprach dort eine Initiative, die Afrikas Staaten in die Lage versetzen solle, selbst Impfstoffe herzustell­en: „Wir müssen Afrika dabei unterstütz­en, seine eigene Gesundheit­sindustrie und -infrastruk­tur aufzubauen.“

Die Deutsche betonte wieder, dass die EU zu den größten Exporteure­n von CovidImpfs­toff

weltweit gehöre; Europa führe so viel aus, wie innerhalb der EU verwendet werde: „Doch um diese Pandemie zu überwinden und künftige zu vermeiden, müssen alle Länder ihre Impfstoff-Produktion steigern.“Das Vorhaben dürfte auch eine Reaktion auf den umstritten­en Vorstoß der USA bei Vakzinpate­nten sein. Die Regierung von Präsident Joe Biden hatte vor zwei Wochen überrasche­nd angekündig­t, sich bei der Welthandel­sorganisat­ion WTO nicht mehr einer Debatte über die Freigabe von Patenten für Covid-Impfstoffe zu verschließ­en. Das soll armen Staaten besseren Zugang zu den Mitteln ermögliche­n.

Die Mehrheit der EU-Staaten lehnt solch einen Schritt allerdings ab. Mit der Initiative für Afrika zeigt die EU nun wieder, dass ihr die Impfstoffv­ersorgung armer

Länder wichtig ist. Wie es heißt, sollen Kommission und Mitgliedst­aaten Fördergeld­er und technische Expertise für den Aufbau einer Vakzin-Industrie zur Verfügung stellen. Es wird aber dauern, bis die Fabriken einsatzfäh­ig sind – das Projekt dient also dazu, den Kontinent besser auf künftige Pandemien vorzuberei­ten; für Corona dürfte es zunächst keinen Unterschie­d machen.

Frankreich­s Präsident Macron sagte, die Geberkonfe­renz in Paris solle „einen Paradigmen­wechsel“einläuten, mit dem auf „den medizinisc­hen Notstand“reagiert werden solle. Afrika gehöre zu den Kontinente­n, auf denen bislang am wenigsten geimpft wurde: „Wir müssen es uns zum Ziel setzen, 40 Prozent der afrikanisc­hen Bevölkerun­g zu impfen“, sagte

Macron, „das ist machbar, und das ist 2021 machbar.“

Der Präsident der Demokratis­chen Republik Kongo, Félix Tshisekedi, nannte die Konferenz eine „große Chance für Afrika“. Der Kontinent sei von der Pandemie sehr schwer getroffen worden. Man müsse für die Zukunft darüber nachdenken, wie ein „finanziell­es Sicherheit­snetz“für Afrika geschaffen werden könne. Es habe sich gezeigt, dass Europa seine Unternehme­n sehr schnell habe schützen können. „Aber wir waren auf so etwas Unvorherse­hbares nicht vorbereite­t“, sagte Tshisekedi. Der afrikanisc­he Kontinent brauche einen „New Deal“, um das durch die Krise stark gebremste Wirtschaft­swachstum wieder ankurbeln zu können.

Anfangs noch trocken, im Laufe des Tages ziehen kräftige Regengüsse vorüber. Örtlich treten auch starke Gewitter mit Graupelsch­auern und frischen Böen auf. Die Höchsttemp­eraturen liegen zwischen acht und 17 Grad.

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