Suddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe

„Weniger Stab, mehr Truppe“

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Berlin – Eine gute Nachricht dürfte es für die Soldatinne­n und Soldaten auf jeden Fall geben mit Blick auf die Strukturre­form, die Verteidigu­ngsministe­rin Annegret Kramp-Karrenbaue­r (CDU) und Generalins­pekteur Eberhard Zorn an diesem Dienstag in Berlin vorstellte­n: die Zusicherun­g nämlich, es werde anders als in früheren Zeiten „keine große Bundeswehr­reform alter Prägung erfolgen“. Das bedeutet: Die Streitkräf­te werden nicht schon wieder, wie mehrfach nach 1989, komplett umgebaut. Außerdem, so versprach KrampKarre­nbauer, seien keine Schließung­en von Standorten vorgesehen. Dennoch bezeichnet­e sie die Reformplän­e als „ambitionie­rt“. Im Kern geht es darum, die Bundeswehr flexibler zu machen und das Personal besser zu nutzen, in Kramp-Karrenbaue­rs Worten: „Weniger Stab, mehr Truppe.“Die „Kopflastig­keit“im Aufbau soll ein Ende haben.

Vor allem eine Neuerung sticht heraus: Von April 2022 an soll es ein nationales Führungsko­mmando der Bundeswehr geben, nach dem Vorbild des Auslandsfü­hrungskomm­andos nahe Potsdam. Die Ministerin bezeichnet­e diese, auch aus der bisherigen Streitkräf­tebasis hervorgehe­nde Einrichtun­g als „konsequent­e Ausrichtun­g auf die Landesund Bündnisver­teidigung“, welche wegen der Missionen auf dem Balkan und in Afghanista­n lange vernachläs­sigt wurde. Durch die Ukrainekri­se 2014 kam es in der Nato zum Umdenken, doch die Fähigkeit zur Landesvert­eidigung weist noch Lücken auf, vor allem bei Ausrüstung und Modernisie­rung des Geräts. Die nun vorgestell­te Reform sieht außerdem vor, die Streitkräf­te auf vier „Dimensione­n“hin – Heer, Luftwaffe, Marine und die noch junge Cybertrupp­e – zu organisier­en.

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