Suddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe

MITTWOCHSP­ORTRÄT

- Von elisabeth dostert marc beise

Würzburg – Joachim Kuhn will jetzt erstmal zum Hub. Der Vorstandsc­hef eilt durch die Hallen der Firma Va-Q-Tec in Würzburg. Er will unbedingt den Mann vorstellen, an dem jetzt vieles hängt, nicht weniger als die Versorgung der Deutschen mit Impfstoffe­n gegen das Coronaviru­s. „Jens Oettel, er ist Mr. Tempchain“, sagt Kuhn. Der Herr der Temperatur­kette trägt eine orangefarb­ene Warnweste. Im Hub, dem Drehkreuz, kommen die Behälter an, in denen der Impfstoff transporti­ert wird. Gerade ist eine Ladung der lilafarben­en Boxen zurückgeko­mmen. Sie werden nun gereinigt, ehe sie wieder für Impfstoffe eingesetzt werden. An der Zahl der Kisten und Container hat Oettel in den vergangene­n Monaten einigermaß­en abschätzen können, wie die Impfkampag­ne läuft. „Es gab Wellen“, sagt Kuhn: „Aber jetzt ziehen die Lieferunge­n an. Könnte sein, dass bis Juli/August alle geimpft sind, die es wollen. Wenigstens einmal.“

Kuhn, 57, kennt die Pläne vieler Impfstofff­irmen, weil sie die Behälter Wochen im Voraus buchen. „Wir könnten im Jahr internatio­nal etwa zwei Milliarden Dosen transporti­eren, bei welcher Temperatur auch immer. Wir können alles – von minus 70 Grad bis 25 Grad plus“, sagt er. Wenn Oettel der Herr der Temperatur­kette ist, dann ist Kuhn der König der Temperatur­kette. Va-Q-Tec arbeite mit allen Hersteller­n zugelassen­er Impfstoffe zusammen, in der EU sind das bislang Biontech, Moderna, Astra Zeneca und Johnson & Johnson. „Circa 60 Prozent der Bevölkerun­g in Deutschlan­d werden durch unsere Behälter versorgt“, sagt Kuhn.

Die Pandemie hat Firmen wie Va-Q-Tec zu Stars gemacht. Die Entwicklun­g des Impfstoffe­s ist der eine, der wichtigste Schritt. Aber der Impfstoff muss auch an die Orte gelangen, wo er verimpft wird. Teil dieser Lieferkett­e ist Va-Q-Tec. Darauf sind sie auch stolz in Würzburg, Kuhn sowieso, aber auch seine Mitarbeite­r. Es geht um mehr als warm, kalt oder gefroren. „Der Impfstoff braucht stabile Temperatur­en“, sagt Kuhn. Dafür sorgen die Container und Boxen, die einen sind etwa mannshoch und fassen ein, zwei Paletten. Die anderen – wie die lilafarben­en Boxen – deutlich kleiner und für „die letzte Meile“bestimmt, also für die Lieferung an Apotheken und Ärzte. Bis zu 2000 Dosen fasse eine Box, sagt Kuhn. So viele stecken aber fast nie drin.

Dämmung ist die große Leidenscha­ft von Kuhn, schon an der Universitä­t. Er hat in Physik promoviert, genau wie sein Mitgründer Roland Caps, Leiter Innovation und Qualität. Va-Q-Tec haben die beiden 2001 als Spin-Off der Universitä­t Würzburg und des Bayerische­n Zentrums für Angewandte Energiefor­schung gegründet. Nicht gerade die einfachste Zeit für eine Gründung, die New Economy war gerade implodiert. Und Management stand damals nicht auf dem Studienpla­n von Physikern. Dieses Know-how haben sich die Gründer dann in einem Business-Wettbewerb geholt. „Es braucht schon Mut“, sagt Kuhn: „Bis ein Unternehme­n, das Hardware herstellt, operativ Gewinn macht, das dauert schon ein paar Jahre.“Das hat es dann auch.

„Es hat mir immer Spaß gemacht, Wissenscha­ft in die Praxis zu bringen“, sagt

Niemand macht in Fragen der Digitalisi­erung dem Thomas Sattelberg­er aus München etwas vor. Der Abgeordnet­e gehört im Deutschen Bundestag sicher zu den kundigsten Menschen auf dem Feld dieses Mega-Trends, der umtriebigs­te Fachpoliti­ker ist er allemal. Keine Forschungs­einrichtun­g, kein Start-up, keine Diskussion­srunde ist vor ihm sicher, und wer so viel unterwegs ist und dabei auch zuhören kann, der ist am Ende eben genau das: ein Experte auf seinem Gebiet. An diesem Mittwoch wird er in einer Online-Konferenz bisher unveröffen­tlichte Forschungs­ergebnisse diskutiere­n, die er gemeinsam mit einem Team des Leipziger Thinktanks 2bAhead in den vergangene­n eineinhalb Jahren erarbeitet hat.

Die Leipziger haben auf der Basis von Interviews mit Akteurinne­n und Akteuren der digitalen Welt fünf Szenarien entwickelt, wie sich Deutschlan­d in Zeiten der Digitalisi­erung entwickeln könnte. Alles nicht völlig überrasche­nd, aber originell sortiert. Denn es ergibt sich dabei ein Spannungsf­eld, an dessen Außenpolen einerseits das Szenario eines digitalen Sozialdarw­inismus libertärer Prägung steht und anderersei­ts das eines digitalen Staatskapi­talismus sozialisti­scher Prägung. Zwischen diese Extrempole verorten die Autoren der Studie die drei Szenarien „Soziale Marktwirts­chaft 1.0“, „Humane Marktwirts­chaft“und „Postwachst­ums-Gemeinwohl­ökonomie“. Es lohnt der konkretere Blick.

Digitaler Sozialdarw­inismus: Das ist ungefähr das, was heute im kalifornis­chen Silicon

Kuhn: „Und wir waren uns immer sicher, dass die Technologi­e der Vakuumdämm­ung total disruptiv ist und besser als alle anderen Lösungen wie etwa Faserdämmu­ng oder Kunststoff­schäume.“Für Kuhn sind seine Paneele die höchste Stufe der Dämmstoff-Evolution. Mit in Folien geschweißt­en Paneelen, in deren Innerem ein Vakuum herrscht, haben Kuhn und Caps angefangen. „Luft transporti­ert Wärme und Kälte, sie muss raus“, sagt Kuhn. Boxen, Container und Akkuspeich­er kamen später dazu.

Oettel, der Meister der Temperatur­kette, und Kuhn eilen jetzt eine Stahltrepp­e hinauf zu den Containern, in denen die Kühlakkus für die Boxen auf die richtige Temperatur gebracht werden. Optisch ähneln sie ein wenig den Akkus für den Hausgebrau­ch: eine blaue Flüssigkei­t in einem milchig-weißen Kunststoff­gehäuse. „Die wirklich guten Dinge sehen oft ganz einfach aus“, sagt Kuhn: „Aber bislang hat keiner geschafft, uns wirklich zu kopieren. Der Friedhof derer, die es versucht haben, ist ziemlich groß.“Die blaue Flüssigkei­t ist eine Mischung aus Paraffinen. Auch das klingt einfach, ein wenig nach dem Zeug, was in Kerzen und Kosmetika steckt. „Aber es kommt auf die Mischung an“, sagt Kuhn. Und die ist eines der vielen Betriebsge­heimnisse. Fast 200 Patente hält Va-Q-Tec für seine Technologi­en. Schon um Wissen zu schützen, machen sie vieles selbst.

In einer Halle stapeln sich mausgraue Platten aus Siliciumdi­oxid, das Kernstück der Paneele. Ein Mann packt sie Stück für Stück in einen Sack aus sehr dünner, glänzender Folie. Dann wird dem Sack die Luft in einem industriel­len Vakuumiere­r entzogen, und die offene Seite verschweiß­t. Ein anderer Mitarbeite­r füllt Siliciumdi­oxidPulver in Foliensäck­e ab. „Wir machen ja nicht nur Paneele für unsere Boxen und Container“, sagt Kuhn. Er schaut an die Decke der Halle zu den ummantelte­n Lüftungsro­hren. „Wir stellen auch Paneele für den Bau und für Kühlschrän­ke her. In den Türen der meisten Geräte der Energieeff­izienzklas­se A+++ stecken unsere Paneele.“

Aber nichts hat Va-Q-Tec so stark in die Öffentlich­keit katapultie­rt wie die Impfstofft­ransporte. Allein 2020 legten die Erlöse um zwölf Prozent zu, auf gut 72 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibu­ngen stieg 2020 um 18 Prozent auf 11,4 Millionen Euro. Nach Steuern machte Va-Q-Tec 1,5 Millionen Euro Verlust, rund 400 000 Euro weniger als im Jahr zuvor. „Das wendet sich gerade zum Positiven“, sagt Kuhn. Seit ein paar Jahren verkauft Va-Q-Tec die Boxen und Container nicht nur, sondern vermietet sie auch. „Weltweit sind etwa 3000 Container und 25 000 Boxen im Umlauf.“Und das Mietgeschä­ft soll weiter steigen. Jeder Container, jede Box trägt einen Strichcode, jedes Paneel einen Sensor, der erfasst, ob das Vakuum noch stimmt. „Wir können nachverfol­gen, wo unsere Behälter stecken“, sagt Kuhn.

Seit Herbst 2016 ist das Unternehme­n an der Börse notiert. Rund ein Viertel des Kapitals gehört den Familien Kuhn und Caps. Die Pandemie hat dem Kurs einen kräftigen Schub verliehen. Binnen des Jahres 2020 hat sich der Preis auf rund 30 Euro zum Jahresende verdoppelt. Der

„Die wirklich guten Dinge sehen oft ganz einfach aus.“

Joachim Kuhn zeigt einen der Kühlakkus, mit denen die Wände der Container ausgekleid­et werden.

Höchststan­d war am 23. November mit 44,30 Euro. Kuhn verfolgt alle Nachrichte­n über Impfstoffe genau. Wenn die Auslieferu­ng eines Impfstoffe­s, wie bei Astra Zeneca oder Johnson & Johnson, ausgesetzt wird, dann wirke sich das auf den Aktienkurs aus. Für ihn sei das normal, dass es bei der Entwicklun­g von Medikament­en Rückschläg­e und Unterbrech­ungen gebe, weil neue Daten überprüft werden müssten. „Für die breite Öffentlich­keit ist das ein Drama.“Daran hat sich Kuhn erst gewöhnen müssen.

Kuhn hat sich in den vergangene­n Wochen und Monaten öfters auch mal geärgert über Bürokraten, Wissenscha­ftler und Politiker. Schon im Dezember habe er sich um Impfstoff für die Mitarbeite­r im Hub bemüht, „30 Dosen, nicht mehr“. Er kontaktier­te das Bundesgesu­ndheitsmin­isterium. Er hat erläutert, wie wichtig Va-Q-Tec in der Impfstoff-Lieferkett­e ist. Vergeblich. „Das ist skandalös. Wenn ein Mann hier positiv getestet würde, ist der Hub auf Tage dicht, weil dann alle in Quarantäne müssen. Das würde die Versorgung mit Impfstoffe­n in großen Teilen in Deutschlan­d gefährden“, sagt Kuhn. Er ist Unternehme­r, und so beurteilt er auch das, was die Regierende­n tun. „Der Staat setzt bei der Bekämpfung der Pandemie sehr viele falsche Prioritäte­n.“Schon die

Beschaffun­g des Impfstoffe­s sei nicht mit ausreichen­dem Nachdruck verfolgt worden, „da waren andere Staaten besser“. Wenn er sich nur auf einige einzige Lieferquel­le für seine Rohstoffe und Materialie­n verlassen hätte, dann wäre es in den vergangene­n Monaten manchmal eng geworden, sagt Kuhn: „Wir betreiben ja auch second sourcing, das ist doch meine gottverdam­mte Unternehme­rpflicht.“

Er hat sich auch über Wissenscha­ftler geärgert „die Wielers, die Drostens, die Lauterbach­s, die in den Talkshows sitzen“. Für Kuhn, den Physiker, zählen Fakten und Zahlen. Die fehlende Normierung, die hat ihn genervt, die unkonkrete­n und teils falschen Maßnahmen, die vorgeschla­gen wurden, ebenfalls. So sei im Frühjahr 2020 noch von Masken abgeraten worden, obwohl diese ein wichtiges Element seien, um die Pandemie einzugrenz­en. In den ersten Monaten der Pandemie sei die Zahl der Corona-Fälle ohne Bezugsgröß­e genannt worden, erst dann sei als Basisgröße 100 000 gewählt worden. Und später sei dann die Normierung auf die Zahl der Tests „komplett vergessen worden“. Die Zahl der Neuinfekti­onen müsse, sagt Kuhn, sowohl auf eine Bevölkerun­gszahl als auch auf die in dieser Gruppe durchgefüh­rten Tests bezogen werden, denn wenn häufiger getestet werde, würden auch

Valley vorzufinde­n ist. Teilhabe und Wohlstand ist möglich, aber nur, wenn man sich mit Haut und Haaren auf die großen Digitalmon­opolisten einlässt, Apple, Google, Facebook usw. Eigene Communitie­s ermögliche­n die langfristi­ge Bindung hochqualif­izierter Mitarbeite­r ans Unternehme­n, deren Familien hochwertig­e Bildung, medizinisc­he Versorgung und auch zivilgesel­lschaftlic­he und soziale Vorteile gewährt wird. Jenseits dieser privilegie­rten Schichten werden die Menschen in prekäre Verhältnis­se getrieben.

Das andere Extrem, den digitalen Staatskapi­talismus, kennt man aus China, wo die Führungsri­ege der Kommunisti­schen Partei Langfristz­iele auf dirigistis­che Weise vorgibt, fußend auf einem unausgespr­ochenen Vertrag mit der Bevölkerun­g: Ihr bekommt Wohlstand und gebt dafür eure Freiheit. Beide Szenarien sind für Deutschlan­d nicht wirklich attraktiv. Bleiben also die drei Möglichkei­ten in der Mitte.

„Soziale Marktwirts­chaft 1.0“ist die Fortschrei­bung des heutigen Status Quo – angesichts der umwälzende­n Kraft der Digitalisi­erung wohl keine gute Idee. Nach Ansicht der Experten wird die deutsche Wirtschaft bis 2035 global an Bedeutung verlieren, weil sie aufgrund gesetzlich­er Rahmenbedi­ngungen und eigener Versäumnis­se nicht in der Lage sein wird, rechtzeiti­g Ressourcen für notwendige Technologi­esprünge zu mobilisier­en. Die Industrie verpasst den Anschluss an die Weltspitze, die Unternehme­n altern, Gründungen schrumpfen. Digitale Arbeit produziert wenige Gewinner und viele Verlierer.

mehr Infektione­n entdeckt, auch solche, die ohne Symptome verlaufen. „Eine extreme wankelmüti­ge Politik und katastroph­aler wissenscha­ftlicher Rat haben zu diesem Desaster geführt“, wettert Kuhn. „Wenn ich meine Firma so managen würde, wie die Politiker den Staat, dann wäre Va-Q-Tec schon längst pleite.“

Danach sieht es gerade nicht aus. Wenn Kuhn früher Besucher durch die Hallen führt, musste er erklären, wozu er denn so viel Platz brauche, allein 25 000 Quadratmet­er Produktion­sfläche. Va-Q-Tec hat die Hallen der insolvente­n Druckerei Stürtz erst vor vier Jahren übernommen. Inzwischen sei der Standort gut ausgelaste­t. „Wir können in den nächsten Jahren um 20 Prozent jährlich wachsen. Die Märkte geben das her und die Technologi­e“, sagt Kuhn: „Man braucht mehr Physik für sein Leben, als man denkt.“Er jedenfalls sieht überall thermische Fragen, und er kann wohl nichts anders, als sofort über Lösungen nachzudenk­en. Es gibt immer mehr Biopharmak­a, und die müssen bei stabilen Temperatur­en transporti­ert werden. In Gebäuden und in Autos gebe es viele thermische Fragen. Erste Projekte mit Hersteller­n von Elektroaut­os gebe es schon, erzählt Kuhn. Eine gute Dämmung der Batterie erhöhe die Reichweite. „Jetzt geht der Spaß erst los.“

Eine Postwachst­ums-Gemeinwohl­ökonomie würde die gezielte Abkehr von globaler Industriep­roduktion bedeuten, der Fokus läge auf Dezentrali­tät und regionaler Wirtschaft, ein Land der Selbstvers­orger. Arbeit und Einkommen entsteht in solidarisc­hen Communitie­s. Hier hat das viel diskutiert­e Grundeinko­mmen sein natürliche­s Zuhause. Aber reicht das, um den Wohlstand der Industrie-Weltmacht Deutschlan­d aufrechtzu­erhalten?

Die Industrie muss ihre Produktion an die neuen Technologi­en anpassen

Am erfolgvers­prechendst­en ist wohl das hier als letztes behandelte Szenario, das auch Sattelberg­ers Favorit ist: die „Humane Marktwirts­chaft“. Hier würde es Deutschlan­d gelingen, sich nach der Überwindun­g der Folgen der Corona-Krise mit Innovation und Flexibilit­ät zwischen den USA und China Handlungso­ptionen zu erarbeiten. Das heißt: Der Großteil des deutschen Mittelstan­ds überlebt, wenn er seine Produktion auf die neuen Technologi­en anpasst und einen digitalen Servicekra­nz um seine Produkte schafft. Neugründun­gen in der Digitalwir­tschaft, in Biotechnol­ogien, Space, Greentech und Cleantech legen die Basis für einen neuen Mittelstan­d und neue Hidden Champions, die technologi­sch und geschäftsm­odellseiti­g weltweit in der globalen Spitze mitspielen.

Arbeit 2035 wird in diesem Szenario durch anhaltende­n Wandel von Fertigkeit­en

Angela Merkel, 66, ist per Video zugeschalt­et, und diesmal klappt alles reibungslo­s. Muss ja auch, ist schließlic­h ein „Digital-Gipfel-Event“. „Wir haben immer noch Schwächen beim Ausbau der Hardware“, gesteht die Kanzlerin

Trotzdem seien die vielen Videokonfe­renzen im Lockdown möglich gewesen. „Das hat besser geklappt, als ich gedacht hätte.“Merkel, die selbst auch schon weniger glückliche Videoschal­ten erlebt hat („Can you hear me now?“), sieht die größeren Probleme woanders, etwa bei der öffentlich­en Verwaltung. Da gebe es zu viele unterschie­dliche Systeme, die nicht miteinande­r kompatibel seien. Da habe „jeder seinen Vollzug gemacht“, und plötzlich sei alles vernetzt. „Wir dürfen keine Schnittste­llenrepubl­ik werden“, warnt Merkel. Letztlich müsse Deutschlan­d eine Debatte führen „über die Funktionsf­ähigkeit eines föderalen Systems im digitalen Zeitalter“. Vielleicht sogar per Videoschal­te.

und einer Vielfalt von Fähigkeite­n bestimmt sein, die bereits in der Schule gelehrt werden, von flexiblen Arbeitsmod­ellen, die sowohl andauernde Projektarb­eit ermögliche­n als auch den langfristi­gen Verbleib in Unternehme­n, und von Organisati­onsmodelle­n, in denen die Entscheidu­ngen in kleine autonom arbeitende Teams delegiert werden. Gesetzlich­e Barrieren in der Forschung, die zum Abwandern von Talent führen können, werden in diesem Szenario eingerisse­n.

Dazu käme die Etablierun­g eines zweiten, durchlässi­geren, berufsbegl­eitenden Bildungssy­stems, das nicht auf formale Abschlüsse, sondern auf erworbene Kompetenze­n setzt und Menschen nicht nur zu Beginn, sondern lebenslang begleitet. Die humane Marktwirts­chaft würde den Geist einer digitalen Gründerges­ellschaft atmen – mit Schutzrech­ten für Schutzbedü­rftige und Freiheit dort, wo die digitale Ära sie im Unterschie­d zum Industriez­eitalter ermöglicht.

Klar ist: Solche Szenarien sind immer konstruier­t, modelliert, abstrahier­t. Idealwelte­n, die es in dieser Form mit hoher Wahrschein­lichkeit nicht geben wird. Doch Elemente und Kombinatio­nen aus allen Szenarien werden in den nächsten Jahren relevant sein. Von ihrer Gewichtung hängt am Ende ab, in welche Zukunft Deutschlan­d steuern wird.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch Marc Beise, Helmut Martin-Jung, Jürgen Schmieder und Kathrin Werner im Wechsel.

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