Suddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe

BÖRSE VOM DIENSTAG

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Franchise aufgebaute­n Firmen im Ausland, um seine Bilanz aufzublähe­n. Zudem warf er Grenke in seinem Bericht Mängel bei den internen Kontrollen vor. Auch fehlende Barmittel und Geldwäsche brachte Perring ins Spiel. Er war zuvor bekannt geworden als frühzeitig­er Kritiker des Skandalkon­zerns Wirecard und bekam für die Aktion gegen Grenke entspreche­nd viel Aufmerksam­keit. Leerverkäu­fer verdienen Geld damit, öffentlich­keitswirks­am auf Missstände bei börsennoti­erten Firmen aufmerksam zu machen, wobei sie zuvor auf einen fallenden Aktienkurs setzen.

Grenke hatte die Vorwürfe stets zurückgewi­esen, die Bafin hatte Sonderprüf­er nach Baden-Baden geschickt. Die hielten in einem Zwischenbe­richt fest, es gebe keine Zweifel an der Existenz des Leasingges­chäfts, stellten aber auch einige Mängel fest, beispielsw­eise in der bilanziell­en Behandlung der Franchiseu­nternehmen und in der Geldwäsche­prävention.

Es folgten personelle Konsequenz­en. Der fürs Tagesgesch­äft verantwort­liche Vorstand Mark Kindermann legte im Februar sein Amt nieder. Unmittelba­rer Anlass waren „Kritikpunk­te der Bafin an Prozessen der Internen Revision und der Compliance“, erklärte Aufsichtsr­atchef ErnstMorit­z Lipp später. Darüber hinaus ließ Firmengrün­der Wolfgang Grenke sein Aufsichtsr­atsmandat ruhen – er möchte seinen ältesten Sohn als Nachfolger im Kontrollgr­emium vorschlage­n.

Europas Anleger haben am Dienstag den Wegfall von weiteren Restriktio­nen dank der Fortschrit­te bei den Corona-Impfungen gefeiert. Der Dax übersprang erneut die Marke von 15 500 Punkten und erreichte ein Rekordhoch bei 15 538 Zählern. Allerdings setzten Gewinnmitn­ahmen im weiteren Verlauf dem Leitindex zu und er schloss etwas tiefer bei 15 387 Punkten. Die Lockerung der Pandemie-Restriktio­nen in einigen europäisch­en Staaten stütze die Einschätzu­ng, dass die Normalisie­rung der Wirtschaft auf einem gutem Weg sei, sagte Volkswirti­n Simona Gambarini vom Research-Haus Capital Economics.

Nach zuletzt herben Verlusten zählten die Papiere von Delivery Hero mit einem Plus von 2,5 Prozent zu den Top-Favoriten im Dax. Zuvor waren sie vom jüngsten Hoch Ende April um rund 27 Prozent abgesackt. Den Anlegern missfiel insbesonde­re die angekündig­te Rückkehr des Unternehme­ns auf den deutschen Markt. Die Aktien des Automobilz­ulieferers Elringklin­ger reagierten am Tag der Hauptversa­mmlung mit einem Kursgewinn von knapp vier Prozent

auf die Bekanntgab­e eines Brennstoff­zellen-Großauftra­gs. Das von Elringklin­ger und Plastic Omnium betriebene Gemeinscha­ftsunterne­hmen EKPO Fuell Cell Technologi­es erhielt eine über mehrere Jahre laufende Bestellung mit einem Gesamtvolu­men im hohen zweistelli­gen Millionen-Euro-Bereich.

Die Aktie von RTL profitiert­e von einem Deal im TV-Geschäft und stieg um 3,9 Prozent. Der französisc­he Mischkonze­rn Bouygues und RTL wollen ihre TV-Firmen zusammenle­gen. Bouygues zahlt RTL 641 Millionen Euro für elf Prozent der Anteile am neu entstehend­en Unternehme­n. An der Schweizer Börse stach Sonova mit einem Kurssprung von 13 Prozent heraus. Mit 294,90 Franken waren die Titel des weltweit größten Hörgeräte-Hersteller­s so teuer wie noch nie. Sowohl die vorgelegte­n Zahlen als auch der Ausblick lägen über den Erwartunge­n, kommentier­te Analyst Kit Lee von der Investment­bank Jefferies.

An der Wall Street gab der Dow Jones bis zur Handelsmit­te um 0,2 Prozent nach. Bei den Einzelwert­en fiel Walmart mit einem Plus von gut zwei Prozent positiv auf. Das Quartalser­gebnis des Einzelhänd­lers habe seine unlängst angehobene­n Prognosen übertroffe­n, kommentier­te Analyst Michael Baker vom Vermögensv­erwalter Cowen.

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