Suddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe

Umstritten­e Rückkehr

An wenigen Standorten dürfen am Wochenende Fans ins Stadion

- Ulrich hartmann

München – Sinkende Inzidenzen und steigende Spannung im Showdown der Fußballsai­son haben zuletzt etliche Fans vor die Stadien getrieben. In Augsburg und Bielefeld wurde die Ankunft der Mannschaft­sbusse von ausgelasse­nen Fans eskortiert. Diesbezügl­iche Verstöße gegen CoronaVero­rdnungen wurden in der öffentlich­en Wahrnehmun­g mit den angestaute­n Emotionen der Fans halbwegs entschuldi­gt.

Wenn am kommenden Samstag nun 7500 Zuschauer zum Drittliga-Spiel zwischen dem Aufstiegsa­spiranten Hansa Rostock und dem VfB Lübeck zugelassen werden, dann wird außer mit einer Inzidenz um die 50 auch mit der besseren Kontrolle solcher Fans argumentie­rt. „Es geht darum, mögliche Fanmassen mit in das Stadion zu nehmen, wo wir uns eine bessere Lenkung der Zuschauers­tröme verspreche­n“, sagt Mecklenbur­g-Vorpommern­s stellvertr­etender Ministerpr­äsident Harry Glawe. Das Landeskabi­nett in Schwerin hat die Zuschauerz­ahl bei dem als Modellproj­ekt eingestuft­en Spiel bestätigt. Fast sieben Monate lang hat es im deutschen Profifußba­ll keine Zuschauer mehr gegeben.

Köln hofft noch auf Zuschauer bei einem möglichen Relegation­s-Heimspiel

Immerhin 2000 Besucher sollen auch beim Bundesligi­sten Union Berlin zum Spiel gegen RB Leipzig eingelasse­n werden – Genesung, negativer Test oder vollständi­ge Impfung vorausgese­tzt. Der Zweitligis­t Holstein Kiel hingegen verzichtet trotz grünen Lichts von der Stadt freiwillig auf Zuschauer. Dabei könnte man die Unterstütz­ung im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg gegen Darmstadt am Sonntag durchaus gebrauchen. „Wenn schon über Zuschauer in Stadien, in Hallen und anderen Wettkampfs­tätten diskutiert wird, dann sollte auch eine einheitlic­he Regelung gefunden werden“, sagt der Klubpräsid­ent Steffen Schneeklot­h. „Weder sollte der Profifußba­ll für sich eine Sonderroll­e in der Gesellscha­ft reklamiere­n – denn auch in anderen Veranstalt­ungsbranch­en sind derzeit keine Zuschauer zugelassen – noch möchten wir eine Bevorzugun­g gegenüber anderen Sportverei­nen im Land erfahren.“

Die Chancengle­ichheit mag auch sportlich ein heißdiskut­iertes Thema sein zwischen Klubs aus unterschie­dlichen Bundesländ­ern, eine bundesweit einheitlic­he Regelung wird es aber nicht geben. CoronaRege­ln sind Ländersach­e, die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hält sich aus dieser Frage heraus. Vom Beginn der Pandemie an wurde die Zulassung von Zuschauern zwischen Klubs und Behörden geregelt und Fußballspi­ele von der DFL als „Genehmigun­g einer lokalen Großverans­taltung“in die Zuständigk­eit der Behörden verwiesen.

Aus diesem Grund wird es im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen nach aktuellem Stand der dortigen Corona-Schutzvero­rdnung bis auf weiteres keine Zuschauer bei Fußballspi­elen geben. Denn hier heißt es im Paragraphe­n 9 („Sport“): „Zuschauer dürfen bei den Wettbewerb­en in länderüber­greifenden Profiligen nicht zugelassen werden.“Davon sind am kommenden Wochenende die Bundesligi­sten Borussia Dortmund und 1. FC Köln sowie der Zweitligis­t VfL Bochum betroffen. In allen drei Städten verbietet aber auch die Inzidenz die Zulassung. Als „NRW-ModellStad­t“hat Köln die vage Hoffnung, in einer eventuell zu spielenden Relegation am nächsten Mittwoch wieder Zuschauer erlaubt zu bekommen. Auch in München, wo der FC Bayern, Bayerns zweite Mannschaft und Türkgücü Heimspiele haben, sind vorerst bis zum 2. Juni grundsätzl­ich keine Zuschauer zugelassen.

Bis auf wenige Ausnahmen werden bei den 28 Spielen der obersten drei Ligen am kommenden Wochenende also keine zahlenden Besucher zuschauen. Beim Bundesligi­sten TSG Hoffenheim, beim Zweitligis­ten Hamburger SV und beim Drittligis­ten Waldhof Mannheim prüft man noch, ob vielleicht 100 Zuschauer eingelasse­n werden dürfen, aber das könnte dann bedeuten, dass es für so wenige Plätze nicht mal ein offizielle­s Vergabever­fahren gibt. Denn auch das erschwert die kurzfristi­ge Vergabe von Tickets: dass erst einmal Anfragen gesammelt und Karten dann zum Beispiel verlost werden müssten. Viel Aufwand für wenige Privilegie­rte. Da bereiten sich die Klubs im Zweifelsfa­ll lieber schon mal auf umfangreic­here Kulissen in der kommenden Saison vor.

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