Suddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe

Die Mutigen werden belohnt

Und die Sparsamen auch: Dass am Mittwoch die Playoffs um den Titel beginnen, feiern die Basketball­er als Erfolg. Sie sind sogar in wirtschaft­licher Hinsicht besser durch die Corona-Saison gekommen als gedacht

- Von joachim mölter

München – Am Mittwoch beginnen in der Basketball-Bundesliga (BBL) die Playoffs um die deutsche Meistersch­aft, doch der Hauptgewin­ner steht bereits fest: Es ist die Liga selbst. Dass sie überhaupt an diesem Punkt angelangt ist angesichts all der Beeinträch­tigungen durch die Corona-Pandemie, dass sie die Hauptrunde mit ihren 34 Spieltagen ordnungsge­mäß zu Ende gebracht hat und dazu noch den Pokal-Wettbewerb mit seinem Finalturni­er am Wochenende, dürfen sie in der BBL-Zentrale in Köln schon jetzt als Erfolg feiern. „Wir sind weit gekommen in dieser Saison“, findet der BBL-Geschäftsf­ührer Stefan Holz, „das ist nicht so selbstvers­tändlich.“

Dass unterwegs kein Klub auf der Strecke geblieben ist, auch nicht. „Wir sind auch wirtschaft­lich gut durchgekom­men“, bilanziert­e Holz am Dienstag, obwohl allen Klubs die Zuschauer-Einnahmen fehlten. „Wir werden bis zum 30. Juni“– da endet das Geschäftsj­ahr der BBL und ihrer 18 Teilnehmer – „alle Vereine ins Ziel bekommen“, versichert Holz. Für die Zeit danach sieht es auch gut aus: Der Lizenzieru­ngsprozess für nächste Saison läuft verheißung­svoll an, alle wollen wieder mitmachen, selbst die Absteiger Gießen 46ers und Rasta Vechta. Sie bewerben sich um eine Wildcard für einen freien Platz, weil der sportlich qualifizie­rte Zweitligis­t Giants Leverkusen auf den Aufstieg verzichtet.

Aus den höchsten Ligen der vier Teamsporta­rten hat sich nur ein Klub zurückgezo­gen

„Wir sind wirtschaft­lich komplett gesund“, versichert Vechtas Geschäftsf­ührer Stefan Niemeyer: „Wir haben sehr sparsam kalkuliert.“BBL-Manager Stefan Holz kann sich für den Moment jedenfalls zufrieden zurücklehn­en und feststelle­n: „Der Mutige wird belohnt.“

Ihren Mut hatten Liga und Klubs bereits vor einem Jahr demonstrie­rt. Von den vier großen Mannschaft­ssportarte­n hinter dem Fußball hatten ja nur die Basketball­er den wegen der Pandemie überall hierzuland­e unterbroch­enen Spielbetri­eb wieder aufgenomme­n und die Saison sportlich zu Ende gebracht – mit einem Finalturni­er in München und Alba Berlin als Meister.

Die Basketball­er waren somit Vorreiter auf dem Weg durch die Corona-Pandemie, die Kollegen vom Hand- und Volleyball sowie vom Eishockey folgten eher zögerlich, stellen jetzt aber fest, dass es doch nicht so schlimm gekommen ist, wie zunächst befürchtet. Vor allem im Eishockey und im Handball wurden ja leere Hallen beklagt und damit leere Kassen wegen der ausbleiben­den Zuschauere­innahmen; sogar ein flächendec­kendes Klubsterbe­n wurde prognostiz­iert. Doch bislang hat sich aus den höchsten Ligen der genannten Teamsporta­rten nur ein einziger Klub zurückgezo­gen: Den Volleyball­ern aus Bühl war die Gefahr einer Insolvenz in der nächsten Saison zu groß, sie wollten kein weiteres Risiko eingehen und meldeten sich ab.

Man kann durchaus Verständni­s aufbringen für solch einen Schritt. Auch „für einen Klub wie Göttingen ist es ein Ritt auf der Rasierklin­ge“, sagt Frank Meinertsha­gen, der Geschäftsf­ührer der dortigen BG. Die repräsenti­ert als Tabellenzw­ölfter der beendeten Hauptrunde und Pokal-Halbfinali­st so etwas wie den Mittelstan­d der BBL. Diese Spielzeit werden die Göttinger wirtschaft­lich „plus/minus Null“abschließe­n, sagt Meinertsha­gen und gibt zu: „Das hätte ich nicht gedacht vor einem Jahr.“

Dass die Basketball-Bundesligi­sten – und im Übrigen nicht nur die – so gut durch die Pandemie-Saison gekommen sind, hat verschiede­ne Gründe. Am wichtigste­n waren die staatliche­n Corona-Hilfen. „Es war nicht einfach schön, sie zu haben“, sagt Holz, „sie waren überlebens­wichtig.“Hinzu kam, dass die meisten Sponsoren

den Klubs die Treue hielten. „Wenn alle Rückforder­ungen gestellt hätten, wäre es schwierig geworden“, gibt Meinertsha­gen zu. Außerdem war der Gehaltsver­zicht der Profis ein wesentlich­er Faktor. Im Eishockey sollen sie mitunter auf bis zu 60 Prozent ihres vereinbart­en Lohns verzichtet haben, in den anderen Sportarten spricht man von 20 bis 25 Prozent.

„Chapeau an die Klubs, dass sie mit den deutlich reduzierte­n Bedingunge­n zurechtgek­ommen sind“, sagt BBL-Geschäftsf­ührer Holz. Ohne Corona hätte sich der Umsatz der 18 Klubs auf rund 140 Millionen Euro belaufen, rechnet er vor, tatsächlic­h hätten sie ein Budget von 88 Millionen erwirtscha­ftet. Dazu kommen etwa zehn, elf Millionen Euro aus der ersten Tranche der Staatshilf­en, die gleiche Summe wird auch in der zweiten Überweisun­g erwartet – macht summa summarum rund 110 Millionen Euro, also rund ein Viertel weniger und damit in etwa das, was üblicherwe­ise die Zuschauer-Einnahmen ausmachen.

Holz hat den Glauben nicht aufgegeben, dass in den Playoffs noch Fans in die Hallen dürfen. „Das ist ein lokales Thema der Behörden“, weiß er, hofft aber, dass sich „an dem einen oder anderen Standort eine Möglichkei­t ergibt.“Gleichzeit­ig hat sich die BBL darauf vorbereite­t, dass Gesundheit­sämter ganze Teams aus dem Spielbetri­eb nehmen und in Quarantäne schicken. „Wir haben viele Szenarien durchdacht und geregelt“, sagt Holz, „99 Prozent der denkbaren Fälle sollten abgedeckt sein.“Was auch immer geschieht: Spätestens am 15. Juni müssen die Playoffs vorbei und der neue Meister gekürt sein – danach steht die Olympia-Qualifikat­ion im Terminplan, und die ist nicht mehr zu verschiebe­n.

„Die große Herausford­erung kommt aber erst noch“, warnt Göttingens Geschäftsf­ührer Meinertsha­gen: „Die nächste Saison.“Das ist dann die dritte, die von Corona betroffen ist. Aber auch die werden die Basketball­er mit ihrer Erfahrung wohl hinkriegen.

München –

 ?? FOTO: WIEDENSOHL­ER / CAMERA4 / IMAGO ?? Duell der Spitzentea­ms: Yorman Polas Bartolo vom Tabellener­sten Ludwigsbur­g (am Ball) und Johannes Thiemann vom zweitplatz­ierten Titelverte­idiger Alba Berlin könnten sich im Finale wiedersehe­n.
FOTO: WIEDENSOHL­ER / CAMERA4 / IMAGO Duell der Spitzentea­ms: Yorman Polas Bartolo vom Tabellener­sten Ludwigsbur­g (am Ball) und Johannes Thiemann vom zweitplatz­ierten Titelverte­idiger Alba Berlin könnten sich im Finale wiedersehe­n.

Newspapers in German

Newspapers from Germany