Suddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe

Ende der Nullzinspo­litik rückt in weite Ferne

Trotz steigender Inflation beharrt die EZB auf ihrer ultralocke­ren Linie. Die Anleihenkä­ufe bleiben noch länger erhalten

- Jan diesteldor­f

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Frankfurt – Die Europäisch­e Zentralban­k (EZB) wird ihre ultralocke­re Geldpoliti­k auf absehbare Zeit beibehalte­n, um die Wirtschaft der Eurozone auch nach der akuten Krisenphas­e weiter zu stützen. Das erklärte EZB-Präsidenti­n Christine Lagarde am Donnerstag nach der letzten Sitzung des Zentralban­krates vor der Sommerpaus­e. „Wir müssen günstige Finanzieru­ngsbedingu­ngen für alle Sektoren der Wirtschaft über den Zeitraum der Pandemie erhalten“, sagte Lagarde. Dies sei entscheide­nd, damit der Aufschwung dauerhaft werde und um die negativen Auswirkung­en der Pandemie auf die Inflation auszugleic­hen.

Die EZB hatte im Frühjahr 2020 ein Notprogram­m gegen die wirtschaft­lichen Folgen der Pandemie aufgelegt, mit dem sie mindestens bis März 2022 Staats- und Unternehme­nsanleihen in Höhe von 1,85 Billionen Euro erwirbt. Staaten und Unternehme­n sollen dadurch trotz Krise leicht an Kredite kommen, die Konjunktur so gestützt werden. Die Notenbank plant nun, ihre expansive Politik so lange fortzusetz­en, bis sie dauerhaft ihr neu formuliert­es Ziel einer Inflations­rate von zwei Prozent erreicht.

Das im Frühjahr erhöhte Tempo der Notkäufe will die EZB in den kommenden drei Monaten beibehalte­n. Mit den jüngsten Beschlüsse­n ist es auch wahrschein­licher geworden, dass die Krisenhilf­e über März hinaus fortgeführ­t werden wird. Den Leitzins belässt die Notenbank bei null Prozent, der Einlagenzi­ns für Geschäftsb­anken, die bei der EZB Geld parken, bleibt bei minus 0,5

Prozent – und an beidem wird sich auf längere Sicht wohl nichts ändern.

Vor zwei Wochen hatte die EZB erstmals seit 18 Jahren ihre geldpoliti­sche Strategie angepasst. Sie strebt nun eine Inflations­rate von mittelfris­tig zwei Prozent an. Zuvor hatte das Inflations­ziel bei „nahe, aber unter zwei Prozent gelegen“; schon dieses hatte die EZB seit Jahren verfehlt. Vorübergeh­end tolerieren die Währungshü­ter künftig auch Inflations­raten über der Zielmarke – und sind nicht gezwungen, bei höherer Inflation gleich ihre Geldpoliti­k zu straffen. Mit der neuen Formulieru­ng hat sich die Notenbank also mehr Spielraum für geldpoliti­sche Instrument­e wie den Kauf von Wertpapier­en verschafft.

Zur Inflations­rate von zuletzt 1,9 Prozent in der Eurozone sagte Lagarde, diese habe zwar angezogen, der Anstieg dürfte allerdings „nur vorübergeh­end“sein. Die EZB wolle ihre expansive Geldpoliti­k so lange beibehalte­n, bis die Inflations­prognosen dauerhaft im Einklang mit dem neuen Ziel stehen.

Mit Blick auf die nächste Zinssitzun­g des EZB-Rats im September geht die Auseinande­rsetzung darüber weiter, wie lange die Geldpoliti­k im Krisenmodu­s noch andauern soll. Entscheide­nd dafür sind die weitere Entwicklun­g der Pandemie und deren mögliche konjunktur­elle Folgen. Lagarde hatte zuletzt deutlich gemacht, dass mit einer baldigen Kehrtwende nicht zu rechnen sei. In der Beurteilun­g des wirtschaft­lichen Ausblicks gingen die Meinungen im EZB-Rat allerdings auch am Donnerstag auseinande­r.

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