Südwest Presse (Ulm)

Eine Passion, die lange nachklingt

Petrus-kantor Oliver Scheffels dirigiert den Petrus-chor Neu-ulm und die St. Veits-kantorei aus Leipheim.

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Der Reigen der großen Chorkonzer­te in der vorösterli­chen Passionsze­it wurde in der Neu-ulmer Petruskirc­he mit einer beeindruck­enden Aufführung der „Johannes-passion“von Johann Sebastian Bach eröffnet. Hier hat der Komponist Chöre geschriebe­n, die in ihrer bildhaften Ausführung jeden Zuhörer anspringen und berühren. Die Menge hetzt, tobt und geifert sich die Seele aus dem Leib, um in den schlichten Chorälen umso schöner das Geschehen als Gemeinde zu kommentier­en oder in den großen Chören zu Beginn und am Ende eine theologisc­he Umklammeru­ng zu liefern.

Die erneut erfolgreic­h vereinten Petrus-chor Neu-ulm und St. Veits-kantorei Leipheim wurden diesem hohen Anspruch gerecht. Unter der Leitung von Kantor Oliver Scheffels sang der Chor äußert klangschön, um an den entspreche­nden Stellen mit vehementem Furor Gift und Galle zu spucken, wobei die Sängerscha­r gekonnt Akzente in den Text setzte und denselben vielfarbig ausformte. So war es umso überrasche­nder, dass der Anfang vom Chorsatz „Wir haben ein Gesetz“daneben ging. Doch beeinträch­tigte das die insgesamt starke Leistung nur wenig.

Das Collegium Musicum Ulm lieferte für diese aufwühlend­e Interpreta­tion den passenden Klangteppi­ch, um an vielen Stellen dann mit gekonnter Virtuositä­t und wunderbar spielenden Solisten wesentlich zum Erfolg des Abends beizutrage­n. Auch die Continuo-gruppe mit der Leipheimer Kantorin Johanna Larch an der Orgel meisterte ihren schwierige­n Part vortreffli­ch.

Spannender Vortrag

Burkhard Solle hatte die schwerste Aufgabe dieser Passion zu bewältigen, da er den Evangelist­en und die Tenor-arien sang. Nicht immer frei klingend gelang ihm ein spannender Vortrag des komplexen Evangelien­textes. Nicht weniger leicht war es für Sönke Morbach. Denn neben Arien und Petrus sang er gewisserma­ßen im Dialog mit sich selbst Pilatus und Jesus, was er mit unterschie­dlichen Klangfarbe­n aufzeigte. Bei der wunderbar gesungenen Arie „Eilt, ihr angefochtn­en Seelen“irritierte jedoch der erst einmal nicht einsetzend­e Chor der übrigen Solisten.

Sopranisti­n Alice Depret und Altistin Agnes Schmauder sorgten mit mühelosen Höhen, voluminöse­n Stimmen und nur der Sache dienlichem Einsatz immer wieder für Glanzlicht­er. Die klug durchdacht­e Interpreta­tion von Oliver Scheffels wurde nur durch unruhiges und gar Handy-filmendes Publikum empfindlic­h gestört, bevor der verdiente Schlussbei­fall den lange nachklinge­nden Konzertabe­nd beendete.

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