Ein „Haus der Viel­falt“für die Stadt

So­zia­les Richt­fest am „Haus der Viel­falt“: Kin­der­gar­ten, Woh­nun­gen und Schul­räu­me für Men­schen mit und oh­ne Be­hin­de­run­gen sind un­ter ei­nem Dach. Von Ve­re­na Schüh­ly

Südwest Presse (Ulm) - - Erste Seite -

Ulm. Sechs Eta­gen ge­füllt mit Le­ben – so sieht die Stif­tung Lie­benau ihr neu­es „Haus der Viel­falt“, für das Richt­fest ge­fei­ert wur­de. Es gibt Schul­räu­me, Woh­nun­gen für be­hin­der­te Men­schen und ei­nen Kin­der­gar­ten. Ulm & Neu-ulm

Sechs Eta­gen prall ge­füllt mit Le­ben und mit­ten in der Ci­ty“– so sieht die Stif­tung Lie­benau ihr neu­es „Haus der Viel­falt“, für das am Di­ens­tag­nach­mit­tag Richt­fest ge­fei­ert wur­de. Die­ser Satz, den die Hand­wer­ker im Richt­spruch for­mu­lier­ten, steht für das Kon­zept, das auf sechs Eta­gen ein Mit­ein­an­der von Wohn-, Aus­bil­dungs­und Be­treu­ungs­an­ge­bo­ten für Men­schen mit und oh­ne Be­hin­de­run­gen so­wie ei­nen Kin­der­gar­ten vor­sieht.

Das Grund­stück liegt am Ehin­ger Tor, schließt di­rekt an den Neu­bau des Yp­si­lon-hau­ses mit sei­ner mar­kan­ten ge­schwun­ge­nen Alu-fas­sa­de an, in Rich­tung Re­gio­na­les Aus­bil­dungs­zen­trum (RAZ) an der Schil­ler­stra­ße. Den In­nen­hof und die Tief­ga­ra­ge nut­zen bei­de Häu­ser ge­mein­sam. Dass das Haus in die­ser Nach­bar­schaft ar­chi­tek­to­nisch be­ste­hen kann, war für das Ul­mer Ar­chi­tek­tur­bü­ro Müh­lich, Fink und Part­ner ei­ne „kon­struk­ti­ve Her­aus­for­de­rung“, mein­te Pe­ter Fink. Vor al­lem war die Hö­he vor­ge­ge­ben: sechs Ge­schos­se, um nicht städ­te­bau­lich ab­zu­fal­len.

In den ers­ten bei­den Eta­gen wird das Be­rufs­bil­dungs­werk der Stif­tung Lie­benau Schul- und Aus­bil­dungs­räu­me ha­ben. Das

RAZ, das zur Stif­tung ge­hört, platzt schon lan­ge aus den Näh­ten. Rund 170 jun­ge Men­schen mit För­der­be­darf er­ler­nen hier ei­nen Be­ruf oder wer­den dar­auf vor­be­rei­tet.

Dar­über – auf den Ebe­nen drei und vier – ent­ste­hen Woh­nun­gen. „Wir sind im­mer auf der Su­che nach ge­eig­ne­ten Wohn­räu­men an zen­tra­ler Stel­le, die be­zahl­bar und bar­rie­re­frei sind“, be­ton­te Bern­hard Hösch, der bei der Stif­tung Lie­benau für die Teil­ha­be ggm­bh ver­ant­wort­lich zeich­net.

Zehn Woh­nun­gen

Vor­ge­se­hen sind zehn Woh­nun­gen: sechs rund 35 Qua­drat­me­ter gro­ße Ein­zel­ap­par­te­ments mit am­bu­lant un­ter­stütz­ten Be­treu­ungs­an­ge­bo­ten für Men­schen mit Han­di­cap und zwei grö­ße­re Ein­hei­ten für die so ge­nann­te be­glei­te­te El­tern­schaft, al­so für Fa­mi­li­en, bei de­nen die El­tern ei­ne Ein­schrän­kung ha­ben. Zwei wei­te­re Woh­nun­gen sind zur Ver­mie­tung auf dem frei­en Markt vor­ge­se­hen. Ver­mie­ter ist die Stif­tung.

Zu­oberst – al­so in den Eta­gen fünf und sechs – kommt ein Ganz­ta­geskin­der­gar­ten mit zwei Grup­pen. Des­sen Trä­ger ist der Ul­mer Kin­der­la­den, der in der Do­nau­bas­ti­on ei­ne vier­grup­pi­ge Kin­der­krip­pe be­treibt. Die neue Ein­rich­tung im „Haus der Viel­falt“ist al­so die Fort­set­zung der Be­treu­ung, und laut Mar­kus Ki­en­le vom Vor­stand des Ver­eins gibt es be­reits die ers­ten Vor­an­mel­dun­gen für die 40 Plät­ze. Die neue Ü3-KI­ta wird im Sep­tem­ber 2020 ih­ren Be­trieb auf­neh­men.

Das Be­son­de­re am Kin­der­gar­ten ist der 240 Qua­drat­me­ter gro­ße Au­ßen­spiel­be­reich auf der teil­wei­se be­grün­ten Dach­ter­ras­se. Um die Si­cher­heit der spie­len­den Kin­der zu ge­währ­leis­ten, wird die Ter­ras­se ei­ne drei Me­ter ho­he Ab­si­che­rung be­kom­men, be­ton­te Ar­chi­tekt Pe­ter Fink. Den Vor­schrif­ten des Brand­schut­zes ist es ge­schul­det, dass es im Haus zwei Trep­pen­häu­ser gibt.

„Kin­der, Ju­gend­li­che, Men­schen mit und oh­ne Be­hin­de­rung un­ter ei­nem Dach, dar­um trägt die­ses Pro­jekt den Na­men ,Haus der Viel­falt’“, sag­te Dr. Mar­kus Nach­baur vom Vor­stand der Stif­tung Lie­benau beim Richt­fest. „hier wird Teil­ha­be und In­klu­si­on prak­tisch und in bun­te In­hal­te um­ge­setzt. Wir hof­fen auch auf ein gu­tes Mit­ein­an­der.“

Be­zo­gen wer­den soll das Haus im Herbst 2020.

An­bin­dung an den ÖPNV

Die zen­tra­le La­ge di­rekt am Ehin­ger Tor und da­mit am ÖPNV-KNO­ten­punkt ist für die künf­ti­gen Be­woh­ner ein Vor­teil, er­läu­ter­te Bern­hard Hösch: „Un­se­re Kli­en­tel fährt sel­ten selbst mit dem Au­to.“Es gibt auch kei­ne Park­plät­ze. Die El­tern der künf­ti­gen Ki­ta-kin­der wer­den laut Mar­kus Ki­en­le von An­fang an dar­auf hin­ge­wie­sen, „da­mit sich hin­ter­her nie­mand dar­über be­schwe­ren kann“. Da­für ist die An­bin­dung an Bus­se und Stra­ßen­bah­nen op­ti­mal, um die Kin­der mit dem ÖPNV in die Ki­ta brin­gen zu kön­nen.

Der Richt­baum des Neu­baus am Ehin­ger Tor steht nicht oben auf dem Ge­rüst, son­dern mit­ten­drin – auch das ge­hört zum Pro­gramm des Teil­ha­be- und In­klu­si­ons­pro­jekts der Stif­tung Lie­benau, die sich da­für Part­ner wie den Ul­mer Kin­der­la­den mit ins Boot holt. Foto: Mat­thi­as Kess­ler

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