Südwest Presse (Ulm)

Gelassener Blick aufs Leben

Autor Der ehemalige Rechtsanwa­lt Hermann Huber aus Oberelchin­gen schreibt unter dem Pseudonym Hermann Severin lesenswert­e Kriminalro­mane um einen Ulmer Ermittler. Von Helmut Pusch

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ermann Huber? Den Mann kennt man in der Region – als Rechtsanwa­lt und als Kommunalpo­litiker, der im Elchinger Gemeindera­t saß. In Oberelchin­gen wohnt er auch heute noch – und schreibt lesenswert­e Romane: Allerdings tut das der 71-Jährige unter dem Pseudonym Hermann Severin. Das sind die beiden Vornamen Hubers.

Seine juristisch­e Vergangenh­eit kann er stilistisc­h hervorrage­nd verbergen, inhaltlich will er das gar nicht: „Irgendwie sind das alles Gerichtsro­mane“, sagt Huber. Doch da ist nichts staubtrock­en oder etwa als juristisch­es Fachvokabu­lar verklausul­iert, Huber verpackt seine Themen spannend. Er weiß: „Ich muss den Leser mit Spannung bei der Stange halten, damit ich ihm das mitteilen kann, um was es mir eigentlich geht.“

Das sind spannende Fragen: In seinem ersten Roman „Heuschreck­entanz“verhandelt Huber etwa das Thema Selbstjust­iz. Das Cover ziert eine Zeichnung der Wirtschaft­swunderleg­ende Ludwig Erhard, dessen Wahlkreis in Ulm lag. Und das ist nicht der ein

Hzige Ulm-bezug. Inspiriert hat Huber auch der Fall einer Ulmer Firma, „der zeigte, dass es in unserem Rechtsstaa­t möglich ist, jemanden mit legalen Mitteln um sein Vermögen zu bringen“.

Auch das Personal der Huberschen Romane lebt in Ulm: der Kriminalko­mmissar Horst Leicht, dessen Freundin Judith als Archäologi­n arbeitet und die Tochter eines Richters am Oberlandes­gericht ist; die Gerichtsme­dizinerin Ute Werr und ein ebenso gerechter wie auch etwas selbstgere­chter Gerichtspr­äsident, der schon mal feststellt: „Ich bin nicht gnädig. Für Gnade ist

der Bundespräs­ident zuständig. Ich spreche Recht.“

Dass dieses Recht nicht immer gerecht ist, beschreibt Huber in seinem zweiten Roman „Donaublut“, in dem ein Kriegsverb­recher aus dem jugoslawis­chen Bürgerkrie­g getötet wird und eine Kleinstadt den Täter deckt.

Tatmotiv aus dem Mittelalte­r

In seinem jüngsten Roman „Raupensich­t“thematisie­rt Huber die Religionen und welchen Einfluss sie auf den Einzelnen nehmen. Dabei beginnt auch dieser Roman mit einer anderen Facette: Der Besitzer eines Putenmastb­etriebs im Donauried wird tot in seinem Stall gefunden. Der Tote, der es clever verstand, seine Beziehunge­n spielen zu lassen, war nicht bei allen beliebt. Die Hände des Toten sind mit einem Gürtel gebunden, der die Ermittler ins nahe gelegene Kloster Neresheim führt. Von dort bezog der Tote die Küken für seinen Mastbetrie­b, und dort ist ein ehemaliger Klassenkam­erad des Toten Abt.

Die beiden waren Internatss­chüler im Deutschord­en-gymnasium Bad Mergenthei­m. Und in diese Klasse ging auch der eben aus Afghanista­n zurückgeke­hrte Oberfeldar­zt Gregor Starkbaum, der ein recht inniges Verhältnis zur Witwe des Toten pflegt.

Klarer Fall: Das Motiv für den Tod des Putenmäste­rs liegt in dessen Vergangenh­eit. Stimmt. Aber wie Huber diesen Fall konstruier­t, welche Wendungen die Handlung nimmt, das ist handwerkli­ch schon sehr gekonnt gemacht. Und so viel sei verraten, das eigentlich­e Motiv geht zurück auf die Zeit der Kreuzzüge . . .

Wie kam Huber zum Schreiben? 2003 wurde bei dem Rechtsanwa­lt eine schwere Krankheit diagnostiz­iert, er verkaufte seine Kanzlei, zog sich zurück, reiste viel. „Irgendwann wurde mir aber klar, dass ich nicht immer in mich reinhören konnte. Dass ich am Leben teilhaben musste, den Blick von mir weg aufs Leben richten musste.“Und diesen Blick genießt Huber: „Das ist ein Privileg, am Ufer zu sitzen und den anderen zuzuschaue­n, wie sie noch mitschwimm­en müssen.“Dieser Blick brachte den Elchinger zum Schreiben.

Diese Perspektiv­e, den Blick auf andere, behält er auch in seinen Büchern bei. „Ich komme in meinen Romanen nicht vor, da gibt es kein Alter Ego.“Sein Personal? „Da gibt es schon Menschen, die mich inspiriert haben. Aber keiner ist eins zu eins in meinen Romanen zu finden. Ich verstehe auch jede meiner Figuren, erzähle ohne Häme.“Und: „Ich schreibe keine Detektivge­schichten, sondern Gesellscha­ftsromane, die einen Krimiplot haben.“Lesenswert sind sie allemal.

Huber sitzt übrigens schon an seinem vierten Roman. Das Thema? „Am Pfuhler Baggersee wird ein toter Flüchtling aus Afghanista­n gefunden“, verrät der Oberelchin­ger Autor. Info Noch diesen Do-sa von 18 Uhr an, So von 11 Uhr an; die-wilhelmsbu­rg.de

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Am Schreibtis­ch in Oberelchin­gen entstehen die Romane Hermann Hubers. Foto: Helmut Pusch
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Karto elprozessi­on mit Daniel Theiler. Foto: Lena Grundhuber

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