Südwest Presse (Ulm)

Knallbunte Wundertüte im Stadthaus

Der ausgezeich­nete Matthias Schriefl und seine Band bieten nichts weniger als eines der Konzerte des Jahres.

- Udo Eberl

„Shreefpunk + Strings“klingt nach Pogo im Himmelbett, doch dieses im März mit dem Neuen Deutschen Jazzpreis 2019 ausgezeich­nete Sextett des Trompeters Matthias Schriefl bot im Stadthaus nicht weniger als eines der Konzerte des Jahres. Statt Allgäuer Allerlei wurde in der „Strings“-reihe des Vereins für moderne Musik ein fein abgeschmec­ktes Gourmet-menü mit ungezählte­n Geschmacks­explosione­n geboten – und mit mächtig viel Humor.

„Egal was passiert, wir bleiben Freunde“, hatte Schriefl zu Beginn versproche­n. Was aber passiert, wenn außergewöh­nliches Kompositio­nstalent, solistisch­e Klasse und skurriler Humor zukommen? „Shreefpunk“. Und die haben mit dem Streichert­rio Claudia Schwab, Marie-theres und Dee Linde Härtel echte Frauenpowe­r an ihrer Seite, denn die steirische­n Damen sind nicht nur an den Bögen Klasse, sie beherrsche­n auch Blasinstru­mente und können singen. Vokalensem­ble, Bläserquin­tett, Jazzcombo – Muschel-soli, Doppelblas­ungen am Alp- und Flügelhorn, Ukulele-virtuositä­t – Werbe-jingles, gesungene Lebenshilf­e, Modeschau: All das und mehr steckte in dieser knallbunte­n Wundertüte.

Dazu die doppelte Alex-wucht: Mit dem starken Kontra-mann Alex Morsey am Bass und der Tuba sowie dem voll und ganz überzeugen­den Alex Eckert an der Gitarre und der Ukulele ist der in Köln lebende Allgäuer Schriefl sowieso eins. Wunderbar arrangiert­es Wirrwarr, von Spiellust und -wucht geprägter JazzBruch, perfekt inszeniert­e Bilderwelt­en wie „Birthday Party in Athens“. Neue musikalisc­he Stadtsicht­en auf Brüssel, Luxemburg und Amsterdam, perfekt gestrichen­e Jazz-balladen; in und über allem die famosen Soli des Bandleader­s, der besonders an der gedämpften Trompete ein ganz Großer ist. Außerdem packte Schriefl in sein ultimative­s Love-programm Ulmitäten, Südtiroler Rundungen und Oy-mittelberg­er Spannungen – all das inklusive vom Aussterben bedrohter Taktarten und Pfeifkonze­rt. Alles drin, selbst ein Halleluja. Mehr ging nicht.

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Foto: Udo Eberl Dee Linde Härtel und Matthias Schriefl.

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