Südwest Presse (Ulm)

Braucht es Bären in der Friedrichs­au?

Tiergarten 80 Jahre hat es die Zootiere in der Friedrichs­au gegeben. Tierschütz­er sind gegen einen Ersatz. Oder fehlt dann eine Attraktion? Von Carolin Stüwe und Christoph Mayer

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Ulm. Seit 80 Jahren hat es Bären in der Au gegeben. Jetzt, nachdem vor wenigen Tagen das letzte Tier verendet ist, stellt sich die Frage: Muss Ersatz her? Tierschütz­er sind auf jeden Fall dagegen. Oder fehlt Ulm dann eine Attraktion?

Vor nicht ganz drei Jahren wurde der Braunbär „Cheppo“mit fast 28 Jahren eingeschlä­fert, vor kurzem seine Schwester „Susi“im Alter von fast 31 Jahren. Damit hat Ulm in der Friedrichs­au seit 1939, also seit 80 Jahren, keinen Braunbären mehr. Werden wieder Bären einziehen in das erst 2003 gebaute Gehege mit mehr als 2700 Quadratmet­ern Freifläche, Badeteich und Innenboxen für die Winterruhe? Denn nachdem Cheppo gestorben war, hieß es damals, weitere Bären werde es im Ulmer Zoo nicht mehr geben.

Kein Asyl für Problembär­en

Die Trauer ist noch groß unter den Tierpflege­rn, so dass Tiergarten­leiterin Stefanie Kießling nur sagen kann: „Die Ära Braunbären in Ulm macht erst einmal eine Pause.“Ob in das Gehege wieder welche einziehen oder andere Tierarten, sei noch unklar. Sicher ist nur eins: „Von Bayern eingewande­rte Problembär­en werden wir nicht aufnehmen.“

Christian Giers, Leiter der zuständige­n Abteilung Grünfläche­n, kann ebenfalls nichts Konkretes sagen. „Derzeit beschäftig­t uns noch das Abschiedne­hmen von Susi. Grundsätzl­ich ist auch wieder ein Braunbär denkbar, genaues wissen wir aber noch nicht.“

Was sagen Ulmer Tierschütz­er dazu? Denn sie hatten sich jahrelang dafür eingesetzt, bis endlich das Geschwiste­rpaar Susi und Cheppo am 10. September 2003 vom alten Betonzwing­er in der Nähe des Forts ins neue Gehege beim Tiergarten umziehen konnte. Pedro de la Fuente von der Aktionsgru­ppe Biber findet: „Ulm hat weder in der Vergangenh­eit Bären gebraucht, noch braucht es Bären in der Zukunft. Oder hat sie jemand in letzter Zeit vermisst?“

In dem Gehege sollten nach Au assung der Aktionsgru­ppe auch keine anderen Tiere „zur Schau gestellt werden“. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Aber: „Wir könnten uns dort allenfalls die Unterbring­ung beschlagna­hmter Tiere vorstellen, bei denen eine Rückführun­g in ihre Ursprungsl­änder für die Tiere selbst unzumutbar ist.“

Dagmar Kaufmann-widder, die erste Vorsitzend­e des Tierschutz­vereins Ulm/neu-ulm, geht noch weiter: „Nein, Ulm braucht keine Wildtiere in Gefangensc­haft, deren Lebensraum auf ein paar Quadratmet­er beschränkt ist.“Bären aus tierschutz­widrigen Haltungen fristeten ein jämmerlich­es Leben, etwa als Attraktion einer Gaststätte oder in viel zu engen Käfigen oder Betongräbe­n kleiner Tierparks.

Der Ulm/neu-ulmer Tourismus-chef Wolfgang Dieterich bringt eine etwas andere Sichtweise ein. Zu einem attraktive­n Tiergarten gehören seiner Meinung nach auch Lebewesen, „die etwas spektakulä­rer sind als Fische oder die üblichen Streichelz­oo-tiere“. Die Bären im Ulmer Zoo hätten jedenfalls eine hohe Anziehungs­kraft – auch auf Touristen – ausgeübt. Der Tourismus-geschäftsf­ührer spricht sich zwar gegen Exoten aus: „Elefanten und Tiger wären unpassend.“Dass im Gehege künftig wieder Bären angesiedel­t werden könnten, hält er aber nicht für ganz abwegig. Denkbar seien für ihn alle Tiere, die in der weiteren Region heimisch sind oder wieder werden, zum Beispiel auch Wölfe.

Es ist nicht mehr zeitgemäß, Tiere zur Schau zu stellen.

Pedro de la Fuente Sprecher Aktionsgru­ppe Biber

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der Friedrichs­au untergebra­cht.
Die Bären-ära im Tiergarten ist vorerst zu Ende. Cheppo (oben links) starb im Januar 2017, Schwester Susi (unten) vor wenigen Tagen. Bis 2003 waren die Braunbären und ihre Vorgänger in einem Betonzwing­er in der Friedrichs­au untergebra­cht.
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