Südwest Presse (Ulm)

Ein Kämpfer für die Sache der Kleinen tritt ab

Geldinstit­ute Jakob Mayer geht in den Ruhestand. Er hat sein ganzes Berufslebe­n der Raiffeisen­bank Berghülen gewidmet – auf Neudeutsch: einer Tiny-bank. Von Regina Frank

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Berghülen. Jakob Mayer geht in Ruhestand. Der 63-Jährige hat sein ganzes Berufslebe­n der Rai eisenbank Berghülen gewidmet – der kleinsten Bank im Alb-donau-kreis. Über Jahrzehnte war er das Gesicht der Bank.

48 38 Jahre der nal als als Raiffeisen­bank Vorstand. stand Verfechter Jakob Er der hat Berghülen, Mayer selbststän­digen sich im überregio- Dienst davon Ortsbank einen Namen gemacht.

Um sein Gegenüber zu irritieren, gibt Jakob Mayer die Bilanzsumm­e der Raiffeisen­bank Berghülen – der wohlgemerk­t kleinsten Bank im ganzen AlbDonau-kreis – am liebsten in Milliarden an („das machen die anderen doch auch“), selbst wenn das auf 0,0623 Milliarden hinausläuf­t. Der Mann hat Humor, freut sich riesig, dass dieser Gag immer aufs Neue funktionie­rt, „eigentlich bei jedem“. Jeder stutzt, rechnet nach, zählt Nullen, kommt schließlic­h bei 62,3 Millionen an.

Jakob Mayer verbrachte sein ganzes Berufslebe­n bei dieser Bank, hat dort schon seinen Beruf gelernt und wurde im Alter von 25 Jahren Vorstand, „als jüngster in Baden-württember­g“. Nun geht der 63-Jährige in Ruhestand. Mayer wird nächsten Dienstag in der Auhalle o ziell verabschie­det.

Idyllische Anfangsjah­re

Er war das Gesicht der Raiffeisen­bank in dem Ort, in dem er aufwuchs und alle kennt. In jenem Ort auf der Schwäbisch­en Alb, wo er in seiner Freizeit 20 Jahre Kassier im Sportverei­n war. Idyllisch, sagt Mayer, ja das war es. Vor 30, 40 Jahren. Heute macht die Regulatori­k gerade kleinen und mittleren Genossensc­haftsbanke­n das Leben schwer. Bei diesem Thema ist Mayer in seinem Element, hat er doch vor 15 Jahren schon eine Interessen­gemeinscha­ft (IG) mit auf den Weg gebracht, die gegen die mitunter existenzbe­drohenden Auswirkung­en der EU-BANkenregu­lierung für solche Bankengröß­en kämpft – und für die Sicherung deren selbststän­diger Existenz. Der Berghüler Bankvorsta­nd war bis April Regionalsp­recher der IG, und er hat in etlichen Fachgruppe­n und Arbeitskre­isen mitgearbei­tet.

Mayer stellt den Sinn der ausufernde­n Regeln in Frage: „Die Verhältnis­mäßigkeit von Aufwand und Nutzen stimmt nicht mehr.“Beispiel: der „Offenlegun­gsbericht nach Artikel 435 bis 455 CRR“. Er steht auf der Homepage jeder Bank, muss einmal im Jahr erstellt werden und bedeutet „eine Woche Arbeit für den Vorstand“. Das Ergebnis „versteht keiner, lauter fachspezif­ische Dinge, das kann niemand nachvollzi­ehen“.

Was die wahre Größe einer Bank ausmacht, ist ohnehin die Frage. Gemeinhin wird als Maßstab die Bilanzsumm­e angelegt, man könnte die Größe genauso gut an der so genannten Kundendurc­hdringung festmachen: Und schon gehört die Raiba Berghülen zu den ganz Großen: Sie hat mehr Kunden (2386) als die Gemeinde Einwohner (1930). „Die

Menschen wollen persönlich­e Kontakte“, sagt Mayer, „das kommt in der heutigen Zeit zu kurz.“Es würde ihn nicht wundern, wenn das Geschäftsk­onzept Ortsbank irgendwann eine Renaissanc­e erleben würde – zumal das Leben immer anonymer wird und der Mensch damit womöglich nicht klarkommt.

Die Raiba Berghülen wird jedenfalls als Tiny-bank der Region noch eine Weile Bestand ha

ben. Solange Vorstandsk­ollege Roland Rasch und der Nachfolger von Mayer, Daniel Berweck (der auch schon fast 20 Jahre Mitarbeite­r dieser kleinen Bank ist) die spezielle Philosophi­e des Hauses leben und ihr Geschäftsm­odell engagiert vertreten, „solange wird es die Raiba geben“.

Mayer musste sich x-mal fragen lassen, ob nicht doch eine Fusion anstehe. In seiner Antwort zeigt sich der Witz eines selbstbewu­ssten Bankvorsta­nds und sein persönlich­es Verständni­s von Größe: „Wir sind aufnahmefä­hig.“Der Klarheit halber: Mayer hält eine Fusion nicht für die Lösung in diesen Zeiten, auch wenn sie landläufig so dargestell­t wird. Jedenfalls nicht für die selbststän­dige und erfolgreic­he Raiba auf der Schwäbisch­en Alb. Denn eine Fusion ändere nichts an den Problemen der Branche, von denen die Niedrigzin­sphase zu den bekanntest­en gehört.

Es war ausgerechn­et die für Mayer schwierigs­te Zeit bei der Berghüler Bank, die ihn einst noch stärker mit ihr verband: Als sein Vorstandsk­ollege Adolf Fuchs an Leukämie erkrankte und im Jahr 2000 starb. „Der Kollege schwer krank – das war ein einschneid­endes Erlebnis“, sagt Mayer. Eine Weile stand er infolgedes­sen mehr oder weniger alleine in der Verantwort­ung. Am Rande bemerkt: Der Zufall wollte es, dass Mayer einst Bankkaufma­nn wurde. Er hatte sich für mehrere Berufe beworben und ging schließlic­h zur Raiba seines Heimatorts, weil: „Das war die erste Zusage.“Wie sich Mayer seinen Ruhestand vorstellt? „Das ergibt sich.“

 ??  ?? Bankvorsta­nd am Packen: Jakob Mayer verkörpert­e Jahrzehnte die Raiba Berghülen.
Foto: Volkmar Könneke
Bankvorsta­nd am Packen: Jakob Mayer verkörpert­e Jahrzehnte die Raiba Berghülen. Foto: Volkmar Könneke

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