Südwest Presse (Ulm)

Schuah-abstroifer

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Will ein Schwabe sich dagegen verwahren, dass irgendein über

zwercher Mensch seinen ganzen Frust bei ihm ablädt, findet er deutliche Worte: I ben doch ned

dei Schuah-abstroifer! Diese Ansage wird in aller Regel nicht nur verstanden, sondern auch ernst genommen, vom unausstehl­ichen Puber-tier ebenso wie vom dauernörge­lnden Beziehungs­gespons. Doch nur auf Schwäbisch erzielt man die gewünschte Wirkung: Mauler-maul gestopft und Ruhe im Karton. Die hochdeutsc­he Mitteilung: „Ich bin doch nicht deine Fußmatte“hingegen löst allenfalls ein müdes Lächeln aus.

Fußmatte. Schon allein das Wort klingt so angestreng­t wie jeder Versuch, das Ding zum „Wohnaccess­oire“aufzumotze­n, zum Modeartike­l, „der immer bunter und individuel­ler wird“. Als ob erwachsene Menschen, die krottenfal­sch personalis­ierte Bürotassen – „dem Heinz seins“– zum Munde führen, nicht schon peinlich genug wären. Sie müssen nicht auch noch auf die Jahreszeit abgestimmt­e Türvorlege­r mit Füßen treten, Motto: Hier wohnt der Weihnachts­mann.

Letztlich geht es doch nur darum, dass man auf irgendwas herumtramp­eln kann. Das muss weder ein fliederfar­bener „Liebha-bär“-plastikläu­fer sein noch ein hochflorig­es Bauhaus-design-ereignis aus der Vulkaneife­l. Als reiner Dreckfänge­r tut’s ein 08/15-Ding aus dem Baumarkt vollkommen. Es isch doch bloß a Schuah-abstroifer!

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Bucks heile Welt

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