Südwest Presse (Ulm)

Wunderlich­e Entscheidu­ng

- Kommentar Patrick Guyton zur bayerische­n Homöopathi­e-studie

Homöopathi­e wirkt zweifellos. Nimmt sich jemand, der heilen möchte, Zeit für einen Kranken, redet mit ihm, hört ihm einfühlsam zu – so tut das dem Patienten gut und fördert die Genesung. Manche Ärzte machen das nicht. Ebenso nutzt der Placebo-effekt: Wer bei der Einnahme von Globuli daran glaubt, dass diese helfen, dem wird es deshalb womöglich besser gehen.

Kritisch bis verständni­slos muss man aber auf die Entscheidu­ng des bayerische­n Landtags blicken, der 400 000 Euro dafür springen lässt, um die Wirksamkei­t von Homöopathi­e gegen multiresis­tente Keime zu erforschen. Zugestimmt haben nicht nur in großer Mehrheit die homöopathi­ezerrissen­en Grünen, sondern vor allem die Regierungs­fraktionen von CSU und Freien Wählern (FW), die bei dem Thema eigentlich als unverdächt­ig gelten. Warum? Das bleibt ihr Geheimnis. Das bayerische Gesundheit­sministeri­um selbst teilt über die Auswertung zahlloser bisheriger Homöopathi­e-studien mit: „Die Ergebnisse geben keine belastbare­n Hinweise auf eine Wirksamkei­t.“

Der Streit über die Homöopathi­e ist zu einem Minenfeld geworden. Gekämpft wird mit härtesten Bandagen. Mittlerwei­le gibt es eine lautstark auftretend­e Front von Schulmediz­in-organisati­onen gegen die angebliche Heilmethod­e. Doch es wächst auch die Zahl der Homöopathi­e-anhänger. Oft wird übersehen, dass Globuli und Co. einen lukrativen Wirtschaft­szweig darstellen. Dass es viele Fälle von gefährlich­er Scharlatan­erie gibt auf Kosten hilfesuche­nder Menschen, bestreiten auch Befürworte­r nicht.

Der Mehrheit der Abgeordnet­en im bayerische­n Landtag ist zumindest vorzuwerfe­n, dass sie unnütz Geld ausgibt, das anderswo sicherlich sinnvoller investiert wäre.

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