Südwest Presse (Ulm)

Was bleibt als Erkenntnis?

Die Volontäre sagen heute: Es ist unser Auftrag, von Schicksale­n zu erzählen und Erinnerung wachzuhalt­en.

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Wenn aus einer Idee Wirklichke­it wird, ist das Gefühl unbeschrei­blich: Da ist Stolz auf das Geleistete. Etwas Wehmut, dass die schöne gemeinsame Zeit erst einmal vorbei ist. Aber auch Erleichter­ung, dass der Stress, der mit einem Projekt dieser Größe einhergeht, ein Ende hat. Doch über allem steht: Wir Volontäre haben etwas geschaffen, das bleibt.

Wir haben etwas über die Geschichte unseres Landes gelernt, das über den Geschichts­unterricht hinausgeht: dass es 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch immer Narben aus einer Zeit gibt, die wir zum größten Teil nicht erlebt haben. Doch durch die Offenheit unserer Protagonis­ten und die Bereitscha­ft, ihre Erfahrunge­n mit uns und am Ende auch mit Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, zu teilen, haben wir die Zeit vor der Öffnung der Mauer besser kennenlern­en können.

Wir erfuhren in einem Streitgesp­räch, wie Menschen aus dem Osten über den Westen denken und andersheru­m. Wir lernten, dass Geschichte sich nicht wegwischen lässt, dass sie tief mit der Gegenwart und der Zukunft eines Menschen verbunden sein kann – Pfarrer Friedhelm Martens hat uns davon erzählt. Wir erlebten aber auch, dass Geschichte manchmal verschwind­et. Dass im Wortsinn Gras darüber wächst. Davon berichtete Henryk Müller, der in den Westen floh und später zurück in den Osten zog.

Durch all unsere Gesprächsp­artner ist uns bewusst geworden, dass es auch unsere Aufgabe ist, Erinnerung wachzuhalt­en. Dass es unser Auftrag ist, von Geschichte, von Menschen und ihren Schicksale­n zu erzählen – auch in der Hoffnung, dass kommende Generation­en daraus die richtigen Lehren ziehen.

Rücksicht und Respekt

Und auch voneinande­r haben wir viel gelernt. Die Sicht von Volontären aus dem Westen und dem Osten eröffneten uns neue Blickwinke­l. Die verschiede­nen Perspektiv­en haben uns neugierig gemacht, bereichert und Debatten entfacht. Dabei haben wir gemerkt, dass es heute noch immer Unterschie­de zwischen Ost und West gibt, die wir akzeptiere­n sollten – und vielleicht auch überwinden können. Mit gegenseiti­gem Verständni­s, mit Rücksicht und Respekt auch gegenüber unseren Protagonis­ten und dem Thema selbst haben wir das Magazin „Ein Land“mit Leben gefüllt.

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