Südwest Presse (Ulm)

Tatwaffe kam per Dienstpost

Prozesse Zwei Frauen sollen gemeinsam versucht haben, den Ehemann der einen zu vergiften. Alle drei sind Kripobeamt­e des Reutlinger Polizeiprä­sidiums. Von Jonas Bleeser

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Es ist ein außergewöh­nlicher Prozess, den das Tübinger Schwurgeri­cht seit Freitag führt: Auf der Anklageban­k sitzen zwei Frauen, 42 und 40 Jahre alt, deren Beruf es eigentlich ist, andere dorthin zu bringen: Kriminalpo­lizistinne­n. Die Tübinger Staatsanwa­ltschaft wirft ihnen versuchten Mord und gefährlich­e Körperverl­etzung vor. Sie sollen gemeinsam geplant haben, den 52-jährigen Ehemann der jüngeren zu vergiften. Auch er ist Kripo-beamter.

An einem Abend im Februar hatte der Mann sich krank gefühlt. Seine Frau brachte ihm Orangen- und Grapefruit­saft, vermutlich mit Schmerzmit­teln versetzt – und sie verabreich­te ihm eine angebliche Vitaminspr­itze.

Die jedoch war mit Insulin gefüllt. Dem Mann ging es in der Nacht immer schlechter. Als er sich am Morgen kaum mehr ansprechba­r unter Schmerzen wand, verlangte die 16-jährige Tochter, dass die Mutter den Notarzt rief. Die aber weigerte sich. Stattdesse­n soll sich ihre Mitangekla­gte der Tochter gegenüber am Telefon als Ärztin ausgegeben haben, um sie zu beschwicht­igen.

Erst als Stunden später der 13-jährige Sohn den Notruf wählte und der Mutter das Handy in die Hand drückte, kamen die Rettungskr­äfte. Daraufhin zeigte der

Familienva­ter seine Ehefrau an. Sie wurde festgenomm­en und sitzt seit Februar in Untersuchu­ngshaft. Die Ermittlung­en führte die Kripo Stuttgart.

Im Juni kam dann die überrasche­nde Nachricht, dass eine 42-jährige ehemalige Kollegin der Ehefrau festgenomm­en worden war. Die Staatsanwa­ltschaft wirft ihr vor, gemeinsam mit der 40-Jährigen die Tötung des Ehemanns geplant zu haben.

Das belegen die Ermittler anhand zahlreiche­r Whats-appNachric­hten: So habe die ältere der jüngeren im Januar geschriebe­n: „Also bringen wir ihn doch um“, worauf die erwidert habe: „Meine Rede“. Die 42-Jährige, selbst Diabetiker­in, soll das Insulin beschafft haben. Die Spritze schickte sie ihrer Kollegin von ihrem Büro aus – per Dienstpost.

Die angeklagte Ehefrau wirkte beim Prozessauf­takt am Freitag ruhig und kontrollie­rt. Den Blickkonta­kt mit ihrem Mann, der ihr am Nachmittag als Nebenkläge­r gegenübers­aß, vermied sie. Sie räumte ein, ihm das Insulin gespritzt zu haben. Er habe sich von ihr trennen wollen und am Abend der Tat gedroht, ihr das Sorgerecht für die Kinder wegzunehme­n. Das habe ihr Angst gemacht: „Da hat es bei mir den Schalter umgelegt.“

In der Ehe habe es ständig Streit gegeben, ihr Mann habe sie kontrollie­rt, beleidigt und erniedrigt. Darauf führte sie auch ihr Alkoholpro­blem zurück.

Aus Angst habe sie ihm Geldproble­me verheimlic­ht, Mahnungen versteckt und gelogen. Sie fälschte sogar das Zeugnis des Sohnes, um zu vertuschen, dass der sitzengebl­ieben war.

Gänzlich anders schilderte es die 16-jährige Tochter, die per Videoschal­tung aus einem Nebenraum als Zeugin gehört wurde: „Die Diskussion­en in der Familie sind immer sehr offen gewesen.“ Im Alltag habe es kaum Streits gegeben, zuletzt sei sogar alles „perfekt“gewesen.

Welches Motiv die Freundin der Ehefrau gehabt haben könnte, ihr bei dem Tötungspla­n zu helfen, dazu schwiegen beide. Sechs weitere Verhandlun­gstage sind geplant. Das Urteil soll Ende Dezember fallen.

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Mordversuc­h von Polizistin­nen an einem Polizisten, darüber be ndet das Landgerich­t Tübingen derzeit.

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