Südwest Presse (Ulm)

Piepsende Lebensrett­er

Sicherheit Seit 2015 sind Rauchmelde­r im Südwesten Pflicht. Eine gute Sache, sagt die Feuerwehr, auch wenn sie jetzt mehr Arbeit wegen der gestiegene­n Zahl von Fehlalarme­n hat. Von Alfred Wiedemann

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auchmelder sind seit bald fünf Jahren Pflicht, seit Ende 2014 die Übergangsf­rist für Bestandswo­hnungen ausgelaufe­n ist. Die Landesbauo­rdnung schreibt die kleinen Lebensrett­er in Räumen vor, die zum Schlafen genutzt werden, und auf dem Rettungswe­g in Flur oder Treppe.

Mit ihrem lauten Alarm sollen die Melder Schlafende wecken, wenn es brennt – rechtzeiti­g, um sich vor den Flammen zu retten. Unter dem Eindruck einer Brandkatas­trophe in Backnang hat der Landtag die Rauchmelde­rpflicht beschlosse­n. 2013 waren in dem Ort im Rems-murr-kreis eine Mutter und sieben ihrer Kinder im Schlaf an Rauchvergi­ftung gestorben. Ursache war vermutlich eine glimmende Zigarette.

Die Zahl der Toten bei Bränden im Südwesten ist in den fünf Jahren zurückgega­ngen: 45 Menschen waren es nach Zahlen des Innenminis­teriums 2015, Opfer von Fahrzeugbr­änden nicht mitgerechn­et. 2018 starben 36 Menschen. Allerdings gab es 2017 sogar 48 Todesopfer.

„Wir hatten definitiv Einsätze, die erfolgreic­h waren, weil der Rauchmelde­r losging“, sagt Frank Knödler, Präsident des Landesfeue­rwehrverba­ndes und bis vor kurzem Stuttgarte­r Branddirek­tor. „Jeder, den man retten kann, ist ein Gewinn“, sagt Knödler, „deshalb sind Rauchmelde­r ein Segen.“Man bekommt sie für 10 bis 40 Euro, das sei nicht viel Geld für einen Lebensrett­er. „Jeder sollte seine Wohnung damit ausstatten, ich habe das auch gemacht.“

Die Melder sind Pflicht, Strafen bei Verstößen gibt es in Baden-württember­g aber nicht: „Bußgelder sind nicht vorgesehen“, sagt eine Sprecherin des

RWirtschaf­tsminister­iums. Kontrollen seien nicht vorgeschri­eben, aber möglich – „im Rahmen der allgemeine­n Bauaufsich­t“. Darüber entscheide­n die unteren Baurechtsb­ehörden, die Landratsäm­ter und Kommunen.

Wie viele Wohnungen immer noch ohne Piepser sind, ist unbekannt. „Dazu liegen uns leider keine Zahlen vor“, teilt das Wirtschaft­sministeri­um mit. Knödlers Eindruck: „Die großen Wohnungsge­sellschaft­en nehmen ihre Pflicht ernst und haben ihre Wohnungen ausgestatt­et.“Stelle die Feuerwehr bei Einsätzen fest, dass Piepser fehlen, „machen wir auf die Rauchmelde­rpflicht aufmerksam“, sagt Knödler. „Aber nur zur Prävention. Wir informiere­n, wir sagen, wie wichtig die Lebensrett­er sind, wir zeigen aber niemanden an.“

Spinnen lösen Rauchmelde­r aus

Auswirkung­en auf den Versicheru­ngsschutz bei einer Hausratode­r Wohngebäud­epolice gibt es wegen fehlender Melder „praktisch keine“, teilt ein Sprecher des Gesamtverb­ands der Deutschen Versicheru­ngswirtsch­aft in Berlin mit. Dazu müsste der fehlende oder unsachgemä­ß betriebene Rauchmelde­r für Schaden und Schadenshö­he ursächlich sein. „Ein solcher Zusammenha­ng kann in der Regel nicht hergestell­t werden.“

Die Zahl der Fehlalarme hat mit der Zahl der Piepser zugenommen. 23 866 Fehlalarme meldeten die Gemeindefe­uerwehren 2018. Das waren mehr als Brandeinsä­tze landesweit: 19 736 gab es 2018.

Wasserdamp­f, Staub oder Spinnen können beispielsw­eise die Rauchmelde­r auslösen. Ruft dann jemand die Feuerwehr, wird das als „Täuschungs­alarm in gutem Glauben“gezählt. Laut Innenminis­terium legte die Zahl solcher Fehlalarme von 5466 im Jahr 2015 auf 7401 im Jahr 2018 zu. Falschen Alarm durch Brandmelde­anlagen gab es 2018 landesweit 15 820. Im Jahr 2015 waren es 13 848. Der Rest sind „böswillige Alarme“, 645 im vergangene­n Jahr.

Zu einem Teil sei die Zunahme der Fehlalarme auf vermehrt eingebaute automatisc­he Brandmelde­anlagen zur Überwachun­g von Firmengebä­uden zurückzufü­hren, sagt ein Sprecher des Innenminis­teriums. „Die lösen häufig aus, ohne dass ein Brandgesch­ehen ursächlich ist.“

Auch die vermehrt angebracht­en Rauchwarnm­elder im Privatbere­ich führten „zu einer Vielzahl von Einsätzen“, bei denen die Feuerwehr dann doch nicht gebraucht wurde. „Die Fehlalarme haben schon zugenommen“, sagt Knödler. Das mache der Feuerwehr zwar mehr Arbeit, sei aber kein Grund, auf die Piepser zu verzichten. „Lieber ein Mal zu viel anrufen“, sagt Knödler, „wir kommen, wir helfen“.

Und keine Angst, dass man einen Fehlalarm-einsatz bezahlen muss: Nur wer böswillig die Feuerwehr alarmiert, bekommt eine Rechnung.

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Pflicht für jedes Schlafzimm­er: Heimrauchm­elder. Die kleinen Lebensrett­er sind seit 2015 vorgeschri­eben.

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